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Gut Mohlenberg, 1920: In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen kümmert die junge Medizinerin Friederike von Aalen sich liebevoll um die Patienten. Einer von ihnen ist Friederikes Mann Bernhard, der nach einer Hirnverletzung im Krieg ihre besondere Zuwendung braucht. Der schneidige Leutnant von einst erinnert sich an vieles nicht, aber mit seiner Frau verbindet ihn noch immer eine tiefe Liebe.

Da geschehen in der Gegend kurz hintereinander zwei grausame Morde. Man ist schnell bei der Hand mit den Verdächtigungen: Es muss einer der »Geisteskranken von Mohlenberg« gewesen sein! Doch Friederike würde für ihre Patienten die Hand ins Feuer legen und stellt heimlich eigene Nachforschungen an. Was weiß Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen, den sie vor Kurzem erst eingestellt haben? Und welche Rolle spielt der hochintelligente, aber kühle Dr. Weiß? Zu spät begreift Friederike, dass sie mit ihren Fragen sich selbst und die Menschen in ihrer Nähe in große Gefahr gebracht hat …

Mehr als die Erinnerung

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Letzte Kommentare:
12.01.2020 19:55:04
mini52

Was ist "lebensunwertes Leben"?

Mehr als die Erinnerung ist ein weiterer Roman aus der Feder von Melanie Metzenthin. Die Autorin zeichnet sich durch Fachwissen und Empathie aus und aus dem Grund lese ich ihre Bücher sehr gerne.

In dem Buch Mehr als die Erinnerung geht es unter anderem um die Frage, was gewisse Leute unter lebensunwertem Leben verstehen. Es wird auf das Buch von Hoche und Pietsch hingewiesen, welches ja auch eine der Grundlagen für die spätere Euthanasie im Hitlerreich war.

Die junge Friederike von Aalen lebt mit ihrem Mann in der Anstalt ihres Vaters. Dabei handelt es sich um ein Novum der damaligen Zeit. Hier wurden nicht Schwerstbehinderte weggesperrt und hinter Mauern versteckt. Nein, sie lebten in einer Gemeinschaft und als Selbstversorger auf einem großen Hof. Herr von Aalen wollte beweisen, dass sogenannte „Irre“ Aufgaben brauchen und dabei ihren Wert in der Gesellschaft erkennen. Trotz etlicher Vorbehalte und Anfeindungen von Außen zog er sein Projekt erfolgreich durch.

Friederike wollte eigentlich Ärztin werden, brach aber kurz vor dem Abschluss ihr Studium ab. Der Grund dafür war die schwere Verletzung ihres Mannes Bernhard. Durch die Explosion eines Munitionslagers wurde ein Teil seines Gehirns zerstört und er befindet sich auf dem Niveau eines Kindes. Friederike sorgt sich liebevoll um ihn und ihr Bemühen wird bis zu einem gewissen Grad auch belohnt.

Mehr als die Erinnerung zeigt, wie schnell über das Leben von psychisch Kranken geurteilt wird. Damals wurden zum Beispiel auch junge Frauen als hysterisch abgeurteilt, wenn sie von Vätern, Brüdern oder anderen Männern missbraucht wurden. Dazu ein Satz aus dem Buch:
„Manche Geheimnisse sind so erschütternd und grausam, dass unser Verstand sie mit Bedacht in einer finsteren Kammer weggesperrt hat.“

Das Buch hallt lange nach. Auch heute stellt sich für werdende Eltern mitunter die Frage, ob sie ihr behindertes Baby nicht doch abtreiben sollen. Wer hat das zu entscheiden? Wer darf sagen, dass jemand „besser gestorben wäre als so weiterzuleben“? Niemand. Ich danke Frau Metzenthin für dieses Buch und hoffe sehr, dass es von vielen Menschen gelesen wird.

22.06.2019 20:02:37
Kessie69

Wir schreiben das Jahr 1920 und befinden uns auf Gut Mohlenberg. Dieses Anwesen hat Dr. Meinhard mit großem Aufwand und viel Energie zu einer Anstalt auf und umgebaut. In diser er nun mit seiner Tochter Frederike, ihren Patienten ein würdevolles Leben bieten. Zur damaligen Zeit, in der diese Anstalten Irrenkolonie genannte wurden, keine Selbstverständlichkeit.

Sie haben es geschafft von den Dorfbewohnern akzeptiert zu werden und kommen gut miteinander aus. Doch dann geschehen zwei Morde und ein Verdächtiger ist schnell gefunden. Es ist ja ein Leichtes, gleich einen Patienten von der Irrenkolonie zu verdächtigen, denn das ist der einfachste Weg. Aber Frederike glaubt nicht daran, das einer ihrer Patienten zu solch grausamen Taten fähig sein soll.

Kurz zuvor hat sie Walter Pietsch eingestellt, der eine schwere Kriegsverletzung und ein großes Geheimnis hat. Könnte er der Täter sein oder hat sogar Dr. Weiß etwas damit zu tun? Dieser hat Theorien über geistig eingeschränkte Menschen, die einem die Nackenhaare zu Berge stehen lassen. Und was versucht Bernhard, Frederike ihr Mann, ihr ständig mitzuteilen? Dieser kam mit einer schweren Kopfverletzung aus dem Krieg zurück und hat seid dem den geistigen Stand eines Kindes und kann sie dementsprechend nicht so mitteilen wie ein Erwachsener. Hat Bernhard sogar etwas damit zu tun, oder was versucht er verzweifelt Frederike zu sagen? Es sind zu viele Ungereimtheiten und somit fängt Frederike an, selber Nachforschungen zu betreiben. Nicht ganz ungefährlich, es wird, durch die Beweise die sie sammelt, immer verworrender. Sie sieht keinen Zusammenhang zwischen ihren Verdächtigen und den Opfern. Bis ihr jemand seine Hilfe anbietet, bei dem sie auch nicht sicher ist, ob sie dieser Person vertrauen kann.

Meine Meinung:

Mit "Mehr als die Erinnerung" hat Melanie Metzenthin wieder ein Meisterwerk geschaffen was alles enthält. Spannung, bei der ich bis zum Ende hin spekuliert habe, wer der Mörder ist. Immer wieder schafft die Autorin es eine falsche Fährte zu legen. Bis zum Finale bleibt alles offen. Natürlich geht es auch um Gefühle, Liebe und verletzte Seelen. Besonders hat mir gefallen, dass Melanie Metzenthin es wieder einmal, wie bei all ihren historischen Romanen, geschafft hat, mich tief zu berühren. Diese Romane bleiben mir besonders gut im Gedächtnis und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Das setzt einen Schreibstil voraus, der mich mitreißt und mir großen Lesespaß bereitet. All das wird in diesem Roman grandios umgesetzt.

Es geht aber nicht nur um die Klärung der Morde, sonder auch darum, wie geistig eingeschränkte Menschen behandelt wurden. Die Bezeichnungen...Idioten, Blöde und Irre waren zur damaligen Zeit völlig normal. Auch die Behandlungsmethoden, die für mich einer Folter gleichkommen, waren keine Seltenheit in bestimmten Anstalten. Aber nicht so bei Dr. Meinhard und Frederike.

Es ging auch darum, ob ein Leben in diesem Zustand lebenswert ist, ob angeboren oder durch eine Verletzung. Es ist es definitiv, wie man auch bei Frederike und ihrem Mann sehen kann. Sie liebt ihn bedingungslos, egal was durch die Kriegsverletzung mit ihm geschehen ist.

Wieder habe ich viel historisches Hintergrundwissen erfahren, welches mit in dem Roman eingeflossen ist. Auch ein Aspekt, den ich an Melanie Metzenthin ihren Romanen so liebe.

Für mich ein Lesehighlight des Jahres, absolute Leseempfehlung.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

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