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Annette Gloser
Bestehen in einer Männerwelt

Buch-Rezension von Annette Gloser Jul 2019

Tyrins in Griechenland, irgendwann in antiker Zeit, als die Götter noch gelegentlich auf die Erde herab kamen. Admete ist zwar die Tochter des Königs von Tyrins, aber ein üppiges Leben, auf Daunen gebettet, führt sie nicht. Vor allem anderen ist sie Heilerin, Kräuterkundige, die Frau, zu der jeder kommen kann der krank ist. Admete weiß, dass von ihren Brüdern nur Alexander wirklich das Zeug hat, ein Herrscher zu werden und die Nachfolge König Eurystheus‘ anzutreten. Aber Alexander kommt schwer krank aus Ägypten zurück. Keine Medizin hilft, obwohl Admete verzweifelt versucht, ihren Bruder zu retten. Vielleicht könnten die goldenen Äpfel der Hesperiden Alexander retten? Die junge Frau beschließt, ihre Mutter Antimache um Rat zu fragen, eine Heilkundige aus dem Volk der Amazonen. Aber Antimache hat Tyrins schon vor langer Zeit verlassen und ging zurück zu ihrem Volk. Allein wird Admete ihre Mutter niemals finden. Aber da ist auch noch Alkides, dieser starke junge Mann, der für Eurystheus zwölf Aufgaben verrichten muss um den Zorn der Göttin Hera zu besänftigen und Unsterblichkeit zu erlangen. Alkides, der sich selbst plötzlich Herkules nennt, bietet Admete Schutz und Begleitung an. Dabei soll er gleich die zwölfte und letzte Aufgabe für Eurystheus erledigen: Er soll den Kriegsgürtel der Königin Hippolyta nach Tyrins bringen. Aber für die Erledigung der letzten Aufgabe, durch die Herkules endlich Unsterblichkeit erlangen soll, ist ihm jedes Mittel recht.

Keine einfache Nacherzählung

In „Tochter des Himmels“ hat Emily Hauser aus vielen kleinen Puzzleteilen eine Geschichte zusammengesetzt, die im antiken Griechenland vielleicht sogar einmal in ähnlicher Art und Weise aufgeschrieben wurde. Jedoch sind viele solcher Geschichten im Lauf der Jahrtausende verloren gegangen, unter anderem einige wesentliche Teile des sogenannten Epischen Zyklus, in dem Geschichten erzählt wurden, die irgendwo im Umkreis der Troja-Epen spielen. Es entsteht dabei in diesem Roman eine in sich logische und durchaus akzeptable Vermischung der Sagenkreise zu einer spannenden Story. Allerdings darf man sich nicht zu sehr an den bekannten Sagen orientieren, denn Emily Hauser hat in ihren Geschichten ganz eigene zeitliche Abläufe. So machen beispielsweise Admete und Alkides/ Herkules Station in Troja, wo sie von König Priamos bewirtet werden. In den überlieferten Herakles-Geschichten findet das Gastspiel des Helden in Troja jedoch zu einer Zeit statt, als Priamos noch ein kleiner Junge ist und Herakles Priamos‘ Schwester Hesione rettet, nur um danach die gesamte trojanische Königsfamilie auszulöschen. Nur Hesione und Priamos überleben.

Und auch die Amazonenkönigin Hippolyta in „Tochter des Himmels“ wurde von einem griechischen Mann verlassen, dessen Geschichte ganz offensichtlich die des Achill ist. Zu dieser Zeit ist der Trojanische Krieg noch in weiter Ferne. In den bekannten Sagen aber verlässt Achill als junger Mann die Frauengemächer nur aus einem Grund: Um in eben diesen Krieg zu ziehen. Davon darf man sich beim Lesen dieses Romans nicht verwirren lassen, denn wie gesagt: In sich ist die Geschichte stimmig. Was allerdings tatsächlich störend wirkt, ist die Verwendung des römischen Namens Herkules statt des griechischen Herakles. Alle Götter und Helden werden mit ihren griechischen Namen benannt, Herkules dagegen rennt mit einem römischen Namen herum. Es ist unlogisch, es stört, es stellt sogar die Kompetenz der Autorin in Frage. Dabei ist Emily Hauser als studierte Altphilologin und Expertin für altgriechische Literatur ganz sicher eines nicht, nämlich inkompetent. Und so kann man also über diese Entscheidung für den römischen Namen und zeitliche Zusammenhänge grübeln oder sich ganz einfach ohne weiteres Nachdenken von der Geschichte mitreißen lassen. Letzteres ist sicher die wesentlich schönere Alternative.

Der Staub des Patriarchats

Mit einem riesigen Problem allerdings hatte die Autorin tatsächlich in allen drei Romanen zu kämpfen: Alle überlieferten antiken Epen sind Geschichten von Männern über Männer in einer Männerwelt. Das Patriarchat hat eine dicke Staubschicht über alle Frauengestalten gelegt, die darin eine (Neben-)Rolle spielen. Emily Hauser hat sich daran gemacht, diese Staubschicht abzutragen, den Frauen Charakter und somit Leben einzuhauchen, sie in eine sehr realistische Umgebung zu stellen und selbst ihre Geschichten erzählen zu lassen. Insbesondere die Welt der Amazonen in diesem Roman hat wenig mit den alten Überlieferungen zu tun. Vielmehr orientiert sich die Autorin an neuesten Forschungsergebnissen und gestaltet einen glaubhaften Hintergrund für den Verlauf des Romans. So sind liebenswerte, starke Frauen entstanden, neben denen die Männer verblassen und vermeintlich strahlende Helden als egomanische Kotzbrocken in Erinnerung bleiben. Und im Vergleich zu der kämpferischen, sich selbst aufopfernden Hippolyta wirkt dann auch die altruistische Admete recht bieder, dabei ist sie doch die zweite Hauptheldin des Romans. Hippolyta dagegen ist ein wunderbar gelungener Charakter, mit Tiefgang und vielen Schattierungen.

Die Autorin lässt Admete und Hippolyta abwechselnd aus ihrer Sicht erzählen, das zwingt den Leser zum Um- und Mitdenken, was sehr angenehm ist. Und auch in diesem Roman gibt es Zwischenspiele der Götter, die in das Geschehen auf ganz eigene Weise und mit ganz unterschiedlichen Interessen eingebunden sind.

Gelungener Abschluss der Trilogie

„Tochter des Himmels“ ist der dritte und letzte Band der Trilogie, die unter dem Namen „Die Frauen von Troja“ erschienen ist. Dieser Roman bietet spannende Unterhaltung und einen frischen Blick auf alte griechische Epen. Der Versuch, aus erhalten gebliebenen Hinweisen und Versatzstücken eine Geschichte zu rekonstruieren ist an sich schon interessant und wohl auch nur für eine Autorin (oder einen Autor) mit dem beruflichen Hintergrund Emily Hausers möglich. An dieser Stelle sein auch auf das Nachwort der Autorin verwiesen, in dem sie darauf eingeht. Und auch wenn dies nicht wirklich ein historischer Roman ist sondern die Neuerzählung von sagen, so hat die gesamte Buchreihe schon allein aufgrund der umfangreichen Recherchen zu historischen Fakten ihren Platz auf der Histo-Couch wirklich verdient. Und eine Leseempfehlung natürlich auch!

Die Frauen von Troja - Bd. 3: Tochter des Himmels

Die Frauen von Troja - Bd. 3: Tochter des Himmels

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