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Annette Gloser
Die Macht der freien Entscheidung

Buch-Rezension von Annette Gloser Jun 2019

Irgendwann in Griechenland, viele Jahre vor dem Trojanischen Krieg, entscheidet der König von Pagasä, dass er keine Tochter haben wolle. Das Mädchen wird mitten im Winter auf einem Berg ausgesetzt und seinem Schicksal überlassen. Die unerbittlichen Moiren, die Schicksalsgöttinnen, sorgen jedoch dafür, dass der König keinen tauglichen Thronfolger hat. Der Zwillingsbruder des Mädchens wächst zu einem Dichter und Träumer heran, ohne Interesse für Kampf und körperliche Ertüchtigung, ohne Ambitionen zur Macht. Das ungewollte Mädchen jedoch wird von einem Hirten gefunden und liebevoll aufgezogen. Sie lernt in der Wildnis, mit Pfeil und Bogen zu jagen, sie liebt es, durch die Wälder zu streifen und zu laufen, schnell wie der Wind, die schnellste Läuferin Griechenlands, die niemand einholen kann. Atalante nennen der Hirt und seine Frau ihre ungewöhnliche Tochter, die so ganz anders ist als man es von einem Mädchen erwartet. Aber dann erfährt Atalante, dass ihre leiblichen Eltern sie ausgesetzt und dem Tode preisgegeben haben. Es hält sie nicht mehr in der bescheidenen Hütte ihrer Familie. Sie muss losziehen und ihre anderen Eltern finden, jene Eltern, die sie nicht haben wollten. Atalante will beweisen, dass ihre Eltern damals eine falsche Entscheidung getroffen haben. Die junge Frau ahnt nicht, was für eine schwere Aufgabe vor ihr liegt und welche Abenteuer auf sie warten.

Die einzige Heldin

Atalante ist die einzige Frau, die in den griechischen Sagen als kriegerische Heldin auftaucht und die gleiche Position einnimmt wie die vielen, vielen Männer, die in diesen Sagen große Taten vollbringen. Während Frauen wie Helena, Kassandra oder Iphigenie in den großen Sagen eher als Spielball männlicher Entscheidungen in Erscheinung treten oder tragische Heldinnen wie Antigone oder Elektra im familiären Bereich agieren, nimmt Atalante an Kämpfen und Jagden teil, sieht sich selbst nicht als einem Mann unterworfen, sondern als ebenbürtig. Da erstaunt es kaum, dass im patriarchalischen Griechenland die Geschichten über sie widersprüchlich und eher spärlich sind. Emily Hauser hat sich all die Epen und Legenden vorgenommen, sie auf der Suche nach Atalante durchforstet, zusammengetragen, was über sie erzählt wurde und mit Phantasie und viel Feingefühl einen spannenden Roman daraus gemacht. Dabei sollte dem Leser immer klar vor Augen stehen, dass es sich hier keineswegs um einen historischen Roman handelt, sondern um die kreative Neuerzählung von Legenden. Mit Troja hat das Ganze auch herzlich wenig zu tun, man sollte sich also vom deutschen Titel der Reihe nicht in die Irre führen lassen.

Argonauten sind auch nur Männer!

Naturgemäß bekommt der Leser eine sehr weibliche Sicht auf die Geschichte der Argonauten geboten. Atalante ist die einzige Frau, die mitfahren darf, allerdings ist muss sie dafür im Roman zunächst einmal in eine Hosenrolle schlüpfen. Und so, als scheinbar Gleicher unter Gleichen, erlebt sie die mitreisenden Männer ganz ohne glattpolierte Fassade. Allen voran natürlich Unsympath Jason, der ja schon in den alten Sagen nicht unbedingt vorteilhaft geschildert wird. Aber auch die meisten anderen Helden verlieren sehr viel an Größe, wenn Emily Hauser sie schildert und Atalante mit den Augen einer Frau auf das Geschehen blicken lässt. Und schnell zeigt sich, dass in der großen Kumpanei der echten Kerle auch kein Platz ist für eine Frau. Hier sind der Autorin beim Aufbau der einzelnen Charaktere durchaus einige Kabinettstückchen gelungen, die zum Schmunzeln anregen, oft aber auch an das Gerechtigkeitsgefühl des Lesers appellieren. Atalante wird als eine starke und kraftvolle Persönlichkeit geschildert, die weiß, dass sie den Männern ebenbürtig sein kann, wenn sie die Chance dazu bekommt. Ihre Unsicherheit im Umgang mit den eigenen Gefühlen, aber auch ihre innere Stärke und ihr Selbstbewusstsein machen sie zu einer sympathischen Heldin und echten Gegenspielerin für den machtgierigen und gefühlskalten Jason.

Natürlich dürfen auch in diesem Roman der Reihe wieder die Götter mitspielen. Die Autorin hat in die geradlinige Erzählung aus der Perspektive Atalantes „olympische Zwischenspiele“ eingewoben, in denen die Götter ihre Lieblinge schützen, fiese Attacken gegen die Lieblinge anderer Götter ausbrüten und sich gegenseitig anzicken. Das ist recht amüsant, zumal die Götter sehr menschliche Charaktere haben und keineswegs hoch oben über den Dingen stehen. Und diese Zwischenspiele liefern die Erkenntnis, dass auch die scheinbar Unbedeutenden, die meist Unterschätzten, für überraschende Ergebnisse sorgen, wenn sie mit ihren Mitteln in die Geschichte eingreifen. Und vor allem, wieviel mächtiger als der Spruch der Moiren die Macht der freien Entscheidung sein kann!

Fazit:

„Tochter des Meeres“ ist der zweite Band der Trilogie „Die Frauen von Troja“, mit der der Verlag Goldmann seinen Lesern einen kurzweiligen und oft spannenden, immer aber auch berührenden Blick in die Welt der griechischen Epen und Sagen beschert. Davon darf Emily Hauser gerne mehr schreiben! Der Roman ist unterhaltsam und bietet einen neuen Blick auf altbekannte Geschichten. Auf jeden Fall sei hier das Nachwort der Autorin zur Lektüre empfohlen, denn Emily Hauser stellt hier noch einmal dar, warum gerade Atalante zur Heldin ihres Romans wurde. „Tochter des Meeres“ ist ein Roman, der allen jenen was zu bieten hat, die gerne in die Welt der Sagen abtauchen und nicht unbedingt einen realen historischen Hintergrund brauchen, um sich von einer Geschichte mitreißen zu lassen.

Die Frauen von Troja - Bd. 2: Tochter des Meeres

Die Frauen von Troja - Bd. 2: Tochter des Meeres

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