Die Todesfee der Grindlay Street

Erschienen: Dezember 2018

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2017, Titel: 'A Mask of Shadows', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Pflicht für alle Theater- und Shakespearefans

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2019

Juni/Juli 1889. Edinburgh. Inspector „Nine-Nails“ McGray, der ohnehin meist mürrisch in den Tag blickt, ist noch übler gelaunt als sonst. Seine geliebte Schwester Amy soll auf die Orkney-Inseln verlegt werden, wo sie sich nach den Ereignissen, die sie vor rund einem halben Jahr erschreckten, erholen soll (siehe „Der Fluch von Pendle Hill“). Doch dann ereilt McGray und seinen aus London stammenden Partner Inspector Frey die Nachricht, dass bei einer Macbeth-Aufführung in London eine „Todesfee“ erschienen sei. Ferner fand sich eine in Blut geschriebene Nachricht, wonach ein Todesfall beim nächsten Auftritt der Theatertruppe stattfände. Da dieser in wenigen Tagen in Edinburgh ansteht, nehmen die Inspectors die Ermittlungen auf. McGray ist von der Existenz der Todesfee überzeugt, interessiert er sich doch schon seit längerer Zeit für okkulte Themen. Frey glaubt hingegen an einen gerissenen Werbefeldzug, denn bislang war die Nachfrage nach Eintrittskarten überschaubar. Als auch an der Regent Bridge eine Todesfee gesehen und erneut eine blutige Nachricht vorgefunden wird, steigen die Ermittler in die Welt des Theaters ein und stellen fest, dass das Leben hinter den Kulissen noch mehr Schauspiel bietet als die Aufführungen selbst.

Ellen Terry, Henry Irving und Bram Stoker werden ausführlich vorgestellt

Im dritten Teil der Frey-McGray-Reihe geht es einmal mehr um die Frotzeleien zwischen dem schottischen Raubein McGray und dem dandyhaften Frey. Bekannte Nebenfiguren wie Superintendent Campbell, der einmal mehr die Ermittlungen massiv behindert, der junge Rechtsmediziner Dr. Reed, die Wahrsagerin Madame Katerina und Joan, Freys ehemalige Haushälterin, die jetzt für McGray arbeitet, sind erneut dabei. Einen größeren Einsatz erhält zudem Elgie, der junge Halbbruder von Frey, während der Rest der Familie nur kurz auftritt.

„Ich habe es während meines Jurastudiums gelernt. Ich hielt das für sinnvoll, falls ich jemals vor Gericht praktizieren würde.“

Reed runzelte die Stirn: „Ich dachte, Sie hätten einen medizinischen Abschluss angestrebt. Haben Sie danach Jura studiert?“

McGray stieß ein gackerndes Lachen aus. „Nein. Der zarte Dandy hat es versucht, aber auch das dann dreingegeben.“

„Zwei abgebrochene Studiengänge?“, platzte Reed heraus.

Wie ich es hasse, wenn sich diese beiden gegen mich verbünden. „So ist es Reed. Das sind weit mehr Studiengänge, als Inspector McGray jemals begonnen hat.“

Doch die eigentlichen Stars des vorliegenden Romans sind ohnehin Ellen Terry und Henry Irving, die bedeutendsten Sheakespeare-Darsteller des viktorianischen Zeitalters, sowie deren Theaterintendant Bram Stoker (Autor von „Dracula“). Deren Privat- und Arbeitsleben werden ausführlich vorgestellt, ebenso wie das von gut einer Handvoll weiterer Figuren. Zusätzlich gibt es sehr intensive Einblicke in das Theaterleben, so dass „Die Todesfee der Grindlay Street“ für alle Theater- und Shakespearefans besonders zu empfehlen ist. Umgekehrt bietet der Plot für alle anderen Leser einige Längen, gute hundert Seiten weniger hätten es auch getan.

„Heil dir! Macbeth, bald findest du den Tod

Heil dir! Und Schottlands Bühne färbt sich rot“

Vorkenntnisse zu Shakespeares „Macbeth“ sind zum besseren Verständnis hilfreich, denn die Schauspieler werden teils abwechselnd mit ihrem Figurennamen genannt. So wird aus Mr. Wenman plötzlich Banquo oder aus Miss Ivor die Hektate. Hilfreich mögen die Buchseiten 236 und 237 sein, dort findet sich die vollständige Besetzungsliste. Neben der eigentlichen Handlung, die wie gewohnt von Inspector Frey erzählt wird, gibt es Tagebuchauszüge von Bram Stoker, die das Geschehen aus dessen Sicht ergänzend beleuchten; dazu mysteriöse Briefauszüge und insgesamt viel Durcheinander vor und hinter den Kulissen. Abschließend beleuchtet Oscar de Muriel in seinen „Historischen Anmerkungen“ die Bezüge zu den Lebensläufen von Terry, Irving und Stoker, die hier wohl recht wahrheitsgetreu wiedergegeben werden. Insgesamt eine gelungene Fortsetzung der Reihe, die sich auf der ersten Hälfte allerdings ordentlich zieht. Erst auf den letzten rund 250 Seiten wird es richtig kriminell.

Die Todesfee der Grindlay Street

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Letzte Kommentare:
20.02.2019 17:43:07
tassieteufel

Als nach der Aufführung von Macbeth in London eine mit Blut geschriebene Botschaft auftaucht, scheint klar zu sein, daß das Stück und die Theatermannschaft um Henry Irving unter keinem guten Stern zu stehen scheint. Tatsächlich erscheint in Edinburgh, der nächsten Station der Schauspieltruppe, eine Todesfee und weitere blutige Botschaften tauchen auf. Intendant Bram Stoker wendet sich an Superintendent Campbell und bitte um Schutz für die Schauspieler. Campbell übergibt den Fall sofort der Abteilung zur Aufklärung ungelöster Fälle mit mutmaßlichem Bezug zu Sonderbarem und Geisterhaften und damit an Adolphus McGray und Ian Frey. Die beiden ungleichen Ermittler sind immer noch wie Hund und Katze, arbeiten aber auf Grund ihrer unterschiedlichen Sichtweisen ganz hervorragend zusammen. Doch der Fall um die Todesfee verlangt ihnen mal wieder alles ab und in der Premierennacht spitzen sich die Ereignisse zu.

Vom ersten Band an liebe ich diese Reihe und auch der 3. gemeinsame Fall für Frey und McGray hat mich nicht enttäuscht! Sehr interessant an diesem Band ist vor allem, dass mit Bram Stoker, Henry Irving und Ellen Terry 3 reale Charaktere im Buch auftreten, deren Leben an sich schon sehr spannend war. Hier ist es dem Autor ganz hervorragend gelungen, die Beziehungen der 3 Personen in seine fiktive Geschichte zu integrieren und daraus ein stimmiges Ganzes zu machen. Im sehr informativen Nachwort wird dann erläutert, was Fiktion und was Realität war und welche Freiheiten sich der Autor hier genommen hat. Tatsächlich war das Privatleben dieser Drei sehr ungewöhnlich und bietet somit eine perfekte Kulisse für eine mysteriös angehauchte Krimistory, zumal Bram Stoker, der Urheber des „Dracula“ ohnehin ein Faible für das Unerklärliche hatte.
Und wie schon in den beiden Vorgängern geht es auch diesmal wieder recht unheimlich und mysteriös zu. Oscar de Muriel ist es wieder gelungen, neben einer sehr spannenden Story eine gehörige Portion Gruselfeeling in seine Krimihandlung zu packen und den Leser damit ganz geschickt auf falsche Fährten zu locken und für eine unheimliche und beklemmende Atmosphäre zu sorgen. Der Krimifall ist wirklich recht undurchschaubar, immer wenn man denkt, einen Verdächtigen gefunden zu haben der als Täter in Frage kommt, gibt es neue Wendungen und Geschehnisse, die wieder alles in einem anderen Licht erscheinen lassen und am Ende wird man dann mit einer gänzlich anderen Auflösung überrascht, die man so nicht erwartet hat, die aber insgesamt stimmig und glaubhaft ist. Von Anfang an ist der Spannungsbogen präsent und wird auch so bis zum Ende durchgehalten ohne Längen oder Langeweile zu erzeugen.
Natürlich wäre das alles nur halb so schön, wenn es nicht das ungleiche Ermittlerduo Frey und McGray gäbe, das sich wieder nach allen Regeln der Kunst in die Haare gerät und damit für reichlich Humor beim Lesen sorgt. Frey stellt entsetzt fest, dass McGrays ungehobeltes Betragen auf ihn abfärbt und der Schotte seinerseits scheint sich langsam an den Engländer zu gewöhnen. Dem Autor ist es hier gut gelungen, das Zusammenspiel der Beiden und die Entwicklung der Charaktere voranzutreiben und glaubhaft darzustellen.
Die Schilderung des historischen Edinburghs und vor allem des Theaters in der Grindlay Street, sowie das ganze Prozedere rund um die Schauspieltruppe und vor allem den technischen Stand was die Inszenierung betrifft, läßt das gesamte Szenario vor den Augen des Lesers lebendig werden und man kann hier wunderbar eintauchen in diese bunte und sehr bildhafte geschilderte Zeit.
Der Erzählstil des Autors läßt sich flüssig lesen, ist vor allem sehr gut an die viktorianische Zeit angepaßt und überzeugt mit einer ordentlichen Portion Humor.

FaziT: neben einem gelungen konstruierten Krimiplot überzeugt der 3. Band der Reihe wieder mit 2 originellen Hauptfiguren, viel Lokalkolorit, Spannung und Humor! Hoffentlich hat Herr der Muriel noch viele Ideen, sein Ermittler-Duo hätte auf jeden Fall das Potenzial dazu!