Der Fluch von Pendle Hill

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 2016, Titel: 'A Fever of the Blood', Originalausgabe

Couch-Wertung:

75
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Jörg Kijanski
Frey und McGray auf Hexenjagd in England

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2018

Edinburgh. Das neue Jahr 1889 könnte nicht schlimmer anfangen, denn die Inspectors Ian Frey und Adolphus McGray werden zur städtischen Irrenanstalt gerufen, wo ein Patient entfliehen konnte, nachdem er zuvor eine junge Frau umbrachte. McGray ist alarmiert, lebt doch seit fünf Jahren seine jüngere Schwester Amy, genannt Pansy, dort, die 1883 ihre Eltern ermordete. Bei der ermordeten Frau handelt es sich jedoch um eine Krankenschwester, die mit Strychnin vergiftet wurde und einen qualvollen Tod erleiden musste.

"Sie sind viel zu sehr involviert, pflegen mit allen Beteiligten persönlichen Kontakt. Ein Inspector muss im Vollbesitz seiner Kräfte sein, sonst..."

"Nerven Sie nicht, Frey."

"Nerv... Können Sie garantieren, dass Sie vernünftige Entscheidungen treffen werden?"

"Ich muss Ihnen einen Scheißdreck garantieren, Frey. Ich bin der befehlshabende Officer."

Der Fall selbst scheint schnell geklärt, denn bei dem Bewohner des Zimmers, in dem die Leiche gefunden wird, handelt es sich um Lord Joel Ardglass, der sich nun auf der Flucht befindet. Das Problem: Seine Mutter, Lady Ardglass, hatte bei seiner Einlieferung dem Anstaltsdirektor Dr. Clouston ein Dokument abgerungen, der diesen zur Verschwiegenheit verpflichtet. Offiziell ist Joel seit Jahren tot und wurde nie eingeliefert. Zu Freys Entsetzen fühlt sich McGray dem Direktor aufgrund dessen Fürsorge für Pansy verpflichtet, was die Suche nach dem Flüchtigen erheblich beeinträchtigt. Wenig später führt eine vielversprechende Spur nach Lancaster und von dort weiter nach Pendle Hill, wo mächtige Hexen ihr Unwesen treiben.

Schwarze Raben, grünes Feuer und vergiftete Kolibris

Die "Kommission zur Aufklärung ungelöster Fälle mit mutmaßlichen Bezug zu Sonderbarem und Geisterhaften" ist die kleinste und unbekannteste Sondereinheit des schottischen CID und wird von McGray geleitet, der seit einigen Jahren ein Faible für Übersinnliches hat. Sein einziger Mitarbeiter Frey kann hingegen dem Thema nichts abgewinnen und so machen sich die beiden ungleichen Ermittler in ihrem zweiten Fall erneut ans Werk; gleichwohl mit unterschiedlichen Ermittlungsansätzen. Es gibt ein Wiedersehen mit der schon erwähnten Familie Ardglass, die bereits beim Debüt Die Schatten von Edinburgh eine wichtige Rolle spielte. In kleinen Nebenrollen wirken erneut der Rechtsmediziner Dr. Reed und die bekannteste Hellseherin Schottlands, Madame Katerina, mit.

"Wo sollen wir anfangen, Nine-Nails? Wir haben einen gefährlichen Geistesgestörten, der frei herumläuft, nicht die leiseste Ahnung, wohin er gegangen sein könnte, müssen zwei Tatorte untersuchen, zwei Personengruppen befragen, Unterlagen lesen, was seine geistige Gesundheit betrifft, eine Leiche untersuchen lassen..."

"Och, hören Sie doch auf! Sie hören sich ja an wie ein Pfau, dem die Eier gequetscht werden."

"Wenn Sie dies mit solcher Überzeugung behaupten, müssen Sie schon eine Menge Vogelhoden in der Hand gehabt haben."

Wie schon beim Vorgänger liefern sich der grobschlächtige Schotte McGray und der dandyhafte Engländer Frey etliche verbale Scharmützel, die zur amüsanten Unterhaltung bestens beitragen. Ansonsten zeigt sich Oscar de Muriel jedoch von seiner gewalttätigen Seite, denn es folgen weitere Morde, Schlägereien und reichlich Action. Das Ganze mit einer mehr als ordentlichen Portion Okkultismus gemengt, so dass man schon ein gewisses Faible für Hexerei haben sollte, damit einem der Plot nicht völlig unrealistisch erscheint. Schwarze Raben fungieren als Brieftauben, grüne Feuer, vergiftete Kolibris, Zauber und Gegenzauber halten die Inspectors auf Trab. Zudem werden diese offenbar selber verzaubert, denn zumindest McGray entwickelt sich zu einer recht unsympathischen Figur, die alle Grundregeln seriöser Polizeiarbeit ad absurdum führt. Nicht nötig zu erwähnen, dass McGray mehr als einmal vom Faustrecht Gebrauch macht, wobei er dieses Mal selbst vor seinem Kollegen nicht zurückschreckt.

Der Fluch von Pendle Hill ist eine gelungene Fortsetzung der Serie, die dieses Mal deutlich dämonischer daherkommt. Wen das nicht stört, darf erneut zugreifen.

Der Fluch von Pendle Hill

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