Das Fest der kleinen Wunder

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Rütten und Loening, 2018, Titel: 'Das Fest der kleinen Wunder', Originalausgabe

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Ostpreußen, Winter 1925: Während im Reich alles im Umschwung ist, lebt man auf den Gütern in der ostpreußischen Provinz ein Leben mit den Jahreszeiten. Für Frederike ist es das letzte Jahr auf Gut Fennhusen, bevor sie eine höhere Töchterschule besuchen wird. Sie genießt es, mit ihrem Pony über die abgeernteten Felder zu reiten, den ersten Schnee zu riechen und an den Vorbereitungen für die große Jagd teilzuhaben. Nur Caramell, ihr Lieblingspferd, macht ihr Sorgen - es lässt sich plötzlich nicht mehr reiten. Dann taucht der Besitzer des Nachbarguts auf und möchte es kaufen. Jetzt muss schon ein kleines Wunder geschehen, dass es noch ein fröhliches Weihnachtsfest wird ...

Das Fest der kleinen Wunder

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Letzte Kommentare:
22.10.2020 17:13:29
MarySophie

Handlung
Ostpreußen, Winter 1925
Für Frederike steht der letzte Winter auf Gut Fennhusen bevor, im nächsten Jahr beginnt sie die höhere Töchterschule und muss dafür in eine andere Stadt ziehen. Umso mehr genießt sie die bevorstehende Herbst- und Winterzeit und saugt jeden einzelnen Moment in sich auf: die Ausritte mit ihrem Pferd, den ersten Schnee, die große Jagd und die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest. Es könnte alles perfekt sein, wäre da nicht ein kleiner Wermutstropfen: Caramell, ihr Lieblingspferd möchte sich nicht mehr reiten lassen und scheint immer aggressiver auf Menschen zu reagieren. Als der Besitzer eines benachbarten Gutes auftaucht und die Stute kaufen will, überlegt ihr Stiefvater ernsthaft, auf den Deal einzugehen. Frederike hofft auf ein Weihnachtswunder...

Meinung
Ich finde das Cover in Ordnung, vor allem passt es zu perfekt zu der Handlung. Im Vordergrund ist eine Dame zu sehen, die sehr schick und der Mode um 1925 entsprechend gekleidet ist. Ihre Haltung und die Kleidung wirken sehr fein und edel, man kann sich bei ihrem Anblick schon ein wenig denken, dass sie aus einer wohlhabenderen Familie kommt. An ihr habe ich mich bei der Darstellung Frederikes orientiert. Mich stört ein wenig, dass sie dem Betrachter ihr Gesicht so offen zuwendet, davon bin ich nur ganz selten ein Freund, hier mag ich es leider nicht.
Im Hintergrund gibt es eine weite Landschaft, die voller Schnee ist und einem wahren Winterparadies entspricht. Dazu sind zwei Pferde zu sehen, hier wird eindeutig auf die Geschichte Bezug genommen. Am oberen Rand ist noch ein Mistelzweig zu sehen, dieser füllt den Platz dort perfekt aus und passt sehr gut zu der weihnachtlichen Handlung. Insgesamt ein nettes und schön anzusehendes Bild, welches mir, bis auf die Darstellung der Dame, mit ihrem so sichtbaren Gesicht, gut gefällt.

Im September hatte ich ja schon einmal einen winterlichen Roman aus dem Aufbau Verlag vorgestellt, welcher mich Anfang des Jahres ganz überraschend erreicht hat. In dem Paket war außerdem dieser kleine Weihnachtsroman von Ulrike Renk und ich hatte bereits auf Instagram gepostet, dass ich mir fest vorgenommen habe, auch diesen noch vor Weihnachten zu lesen. Und jetzt war es Zeit dazu, ich hatte sehr viel Lust auf die Geschichte und war auf einen ersten Eindruck der Charaktere gespannt, die auch in der Ostpreußen-Saga vorkommen, eine Reihe, die ich mir letztens erst gekauft habe.

Vor dem Beginn der Handlung gibt es eine Auflistung der handelnden Personen. Das ist ja eh etwas, was ich immer richtig gerne mag und hier fand ich es wirklich angebracht. Nicht mal unbedingt wegen den Namen, sondern eher wegen den zahlreichen Dienstboten, die auf Fennhusen angestellt sind. Den anhand eines schnellen Blickes in das Personenverzeichnis hat man wieder sofort im Gedächtnis, welche Person welche Rolle einnimmt und für was sie auf dem Gut verantwortlich sind. Und weil ich es immer mag, wenn die Dienstboten oft auftreten und man dadurch das Zusammenleben mit der Herrschaft nachvollziehen kann, war ich umso gespannter auf die Geschichte.

Im Grunde wurde der Roman recht kurzweilig gehalten. Die Kapitel erzählen jeweils einzelne Episoden, die stets unterhaltsam sind und entweder einen Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest oder einen Einblick in die Tätigkeiten verschiedener Personen geben oder die für die kommende Handlung von Bedeutung sein könnten. Es gibt an keiner Stelle irgendwelche Längen und ich hatte auch nie das Gefühl, das eine Szene zu viel oder zu wenig vorhanden war. Im Gegenteil: alles hat gepasst und es entsteht am Ende eine runde und in sich geschlossene Geschichte, die wunderbar für ein paar schöne Lesestunden geeignet ist und die gleichzeitig auch viel Lust auf die Ostpreußen-Saga macht!

Anfangs ist mir der folgende Punkt gar nicht so aufgefallen, später hat sich dafür der Eindruck verstärkt. Ich bin nicht so ein großer Fan von dem Schreibstil. Er hat mir zwar trotzdem ein flüssiges und angenehmes Lesen ermöglicht und ich konnte mir die Szenen hervorragend vorstellen. Aber ich konnte mich damit nicht wirklich anfreunden. Manchmal wirkten mir die Ereignisse zu hektisch geschildert, bei manchen Sätzen hatte ich das Gefühl, dass sie sich wiederholen und man ihn schon einmal so in dem Roman lesen konnte. Dadurch hatte ich ab und an das Gefühl, dass es einige Wiederholungen gab. Ich war nicht ganz glücklich mit dem Schreibstil, obwohl ich trotzdem überraschend gut und flüssig durch die Handlung gekommen bin.
Was ich manchmal als sehr interessant, manchmal als etwas zu langatmig und ausführlich empfand: die Speisepläne, die regelmäßig vorgestellt wurden. Zwar erhielt man so einen Einblick auf typische Gerichte für die Region oder für Menschen, die mit der Landwirtschaft und Viehzucht ihren Lebensunterhalt bestreiten. Vieles davon war mir unbekannt, doch mich hat es nicht unbedingt zwingend interessiert, was tagtäglich auf dem Tisch stand und welche Gerichte für die folgenden Tage geplant waren.
Oft wird ein ostpreußischer Dialekt genutzt, den vor allem die Dienstboten nutzen. Ich mochte dies sehr gerne, es bringt nicht nur Authentizität in den Roman, sondern auch Bodenständigkeit und es ist ein nettes Detail. Zudem wurde die Waage zwischen Hochdeutsch und Dialekt wirklich gut getroffen, es entsteht am Ende eine bunte Mischung und an vielen Stellen wird die Handlung dadurch leicht aufgelockert. Und auch als Leser, der mit Dialekten nicht so vertraut ist, kann man der Handlung gut folgen und ich hatte nie Probleme damit, den Sinn von Aussagen zu erkennen. Der Lesefluss wird also definitiv nicht negativ beeinflusst und ich finde es richtig gut, dass die ostpreußische Mundart so stark mit einbezogen wurde.

Man erlebt alle Geschehnisse aus der Sicht von Frederike mit. Sie agiert eindeutig als Hauptperson und sie ist außerdem der einzige Protagonist, wo man direkte Einblicke in die Gedanken-, aber auch Gefühlswelt bekommt. Dadurch baut man als Leser zu ihrem Wesen die stärkste Bindung auf und ihr Charakter erscheint am Ende am vertrautesten. Zudem liest man häufig von ihrem Tagesablauf, den Aufgaben und Erziehungsmaßnahmen, was ich wirklich interessant fand und mir vorher ziemlich unbekannt war.

Als Setting dient das Gut Fennhusen, sowie das dazugehörige traumhafte Umland. Hier kann die Geschichte stark punkten, die Landschaft lädt sehr zum Träumen ein und versprüht ihren ganz eigenen Charme. Es gibt wundervolle Beschreibungen von ihr und ich habe es sehr genossen, mir die Gegend, mitsamt dem Gutshof vorzustellen. Und gerade die winterlichen Beschreibungen mit allerhand Schnee und einer unendlichen Weite waren sehr verlockend und lassen die Freude auf die Winterzeit wachsen.

Es gibt eine Vielzahl an Protagonisten die alle Eigenarten und besondere Charakterzüge erhalten haben. Sie haben Wiedererkennungsmerkmale erhalten, die sie einzigartig wirken lassen und aus denen man herauslesen kann, wie viele Gedanken sich die Autorin um jeden Einzelnen gemacht hat. Mir gefällt besonders die Dynamik und das Zusammenspiel zwischen Herrschaft und Dienstboten, man merkt, dass der Umgang respektvoll ist und man sich gegenseitig schätzt.

Fazit
Ich mochte die Geschichte wirklich gerne und freue mich nun sehr auf die Ostpreußen-Saga, die, wie ich schon erwähnt hatte, bereits in meinem Regal steht und darauf wartet, gelesen zu werden. Mir waren die Protagonisten sympathisch, ich mochte das Setting sehr und mir haben die Einblicke in zahlreiche verschiedene Arbeiten und Abläufe in einem Gutshaus sehr gefallen. Hier konnte ich viel neues lernen und ich war sehr froh darüber, dass man auch kleine Einblicke in das Leben der Dienstboten erhält.
Einen kleinen Kritikpunkt habe ich, für den ich auch einen halben Stern abziehen werde. Mir zunehmender Handlung sind mir öfter Wiederholungen bei der Sprache aufgefallen und manche Sätze scheinen sich gedoppelt zu haben. Zudem wurden mir manche Abschnitte etwas hektisch beschrieben, bei diesen hätte ich mir mehr Ruhe gewünscht.
Ansonsten habe ich nichts zu beanstanden und ich fand die Einblicke in Frederikes Leben sehr interessant. Ich kann das Buch wirklich empfehlen, es beherbergt eine niedliche kleine Geschichte, die sich sehr gut dafür eignet, in einem Rutsch gelesen zu werden!

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

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