Die Charité - Bd. 1: Hoffnung und Schicksal

Erschienen: Juni 2018

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2018, Titel: 'Die Charité: Hoffnung und Schicksal', Originalausgabe

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Christina Wohlgemuth
Eine spannende Zeitreise in Deutschlands berühmtestes Krankenhaus

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Jan 2019

Berlin, in den 1830er Jahren: In der Hauptstadt Preußens breitet sich die Cholera aus, die Menschen sterben zu Hunderten. In der Charité kämpfen die Ärzte, unter ihnen der Chirurg Dr. Dieffenbach, fieberhaft um die Patienten. Zu dieser Zeit entschließt sich die junge Elisabeth, als Wärterin in der Charité zu arbeiten – sie will unabhängig sein. Die adelige Ludovica sucht den Austausch mit Dr. Dieffenbach und die Hebamme Martha arbeitet im Totenhaus der Charité.

Alle drei Frauen sind Zeugen des medizinischen Fortschritts, müssen aber genauso erleben, dass das Festhalten an alten Konventionen der Heilung und dem Fortschritt allzu oft entgegenstehen: Pfleger werden so schlecht bezahlt, dass der Beruf nur die anzieht, die keine andere Wahl haben. Das Krankenhaus hat zu wenig Platz für zu viele Kranke und Verletzte und die Forschung nach den Ursachen der Krankheiten wird allzu oft als neumodischer Nonsens blockiert.

Frauenschicksale in bewegten Zeiten

Im Jahr 1831, in dem die Geschichte beginnt, steckt der Liberalismus vor allem in Preußen noch in den Kinderschuhen. Nach den überstandenen Napoleonischen Kriegen bemüht man sich in Berlin, die alte, gottgewollte Ordnung wiederherzustellen. Die Standesgrenzen sind undurchlässig und Frauen bleibt neben der Rolle als Hausfrau und Mutter kaum eine ehrenhafte Möglichkeit, ihr Leben zu führen.

Inmitten dieser Zeit begleitet der Leser drei unterschiedliche Frauen, die sich ihren Platz im Leben erkämpfen wollen: Durch Elisabeths Augen erlebt man den Alltag in der Charité, über die Gräfin erhascht der Leser einen Blick in die politischen Hintergründe um die Charité. Auch die historische Figur des Dr. Dieffenbach, der vor allem in der plastischen Chirurgie viele Erfolge verzeichnen konnte, kommt dem Leser nahe, so dass neben den bewegenden Einzelschicksalen auch die Medizingeschichte anschaulich geschildert und ein wichtiger Bestandteil des Buches wird.

Leichter Stil und Charaktere fürs Herz

Bei der beklemmenden Thematik mag manch ein Leser oder eine Leserin fürchten, dass die Geschichte sich zu sehr auf medizinische Details versteift. Das umgeht die Autorin jedoch durch ihre lebendigen und vielschichtigen Figuren, egal ob fiktiv oder historisch belegt. Durch die sich wechselnden Protagonisten, durch deren Augen der Leser die Geschehnisse erlebt, erleichtert die Autorin die emotionale Identifikation mit den Figuren. Abgerundet wird dies durch eine gut verständliche, aber nicht banale Sprache, die auch Einsteigerin im Genre des historischen Romans das Lesen leicht machen wird.

Getrübt wird der sehr gute Gesamteindruck lediglich dadurch, dass einzelne Aspekte nur am Rande behandelt werden – eventuell hätten dem Buch ein paar Seiten mehr oder eine kürzere Zeitspanne, über die es erzählt, gutgetan. So wünscht man sich ab und an, noch ein bisschen mehr Details über die Figuren oder die historischen Hintergründe zu erfahren. Die ein oder andere etwas vorhersehbare Figurenentwicklung ist zwar bedauerlich, aber vor dem Hintergrund, dass hier Geschichten stellvertretend für viele Einzelschicksale erzählt werden sollen, vertretbar.

Doch diese kleinen Schwächen trügen den sehr guten Eindruck dieses ersten Bandes einer Reihe zu keinem Zeitpunkt. Ein rundum empfehlenswerter Roman für alle, die sich medizinhistorisch interessieren und vielleicht auch und besonders für jene, die sich dafür begeistern lassen wollen.

Die Charité - Bd. 1: Hoffnung und Schicksal

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06.11.2018 22:20:14
Nomadenseele

Als das Hörbuch ankam, dachte ich nur *Was hast du getan?* denn ich erwartete insgeheim übelsten Histo-Roman-Kitsch. Weit gefehlt! Es gibt durchaus sogenannte *starke Frauen* seien es Adelige oder einfache Bürgerinnen. Und ja, es gibt auch eine Liebesgeschichte... .
Das aber alles nichts, denn obwohl die Frauen durchaus ihren Mann stehen müssen, sind sie durchaus in den gesellschaftlichen Zwängen ihrer Zeit gefangen und müssen das Beste darauf machen. Die Figuren sind also grundsätzlich immer glaubwürdig.

Ansonsten erfährt man eine Menge über die sonderbaren Heilungsmethoden, die an Grausamkeit zum Teil schon die Menschenversuche in den KZs erinnern. Damit meine ich nicht, dass Operationen ohne Narkose durchgegeben wurden, aber wenn man hören, dass bewusst Geschwüre und Eiterbeulen erzeugt wurden, Quecksilbervergiftungen zur Heilung von Syphilis, dann war es eine geradezu unanständige Quälerei der Patienten. Die ganze Zeit habe ich mich gefragt, warum die Frauen zur Geburt ins Krankenhaus gegangen sind, wo sie, im Gegensatz zu Hausgeburten, wie die Fliegen starben.

Bezeichnenderweise hießen die Angestellten nicht Pflegerinnen, sondern Wärterinnen, und wie Strafgefangene wurden sdie Patienten auch behandelt. Ich musste immer an den Film *Beyaz Melek * denken, wo genau diese Zustände gezeigt wurde, was die Vorstellungen auch nicht gerade angenehmer machte.

Sehr gut hat mir die Sprecherin gefallen, welche auch dann nicht kreischig wurde, wenn sie Dramatik vermittel wollte - bei Frauen nicht selbstverständlich. Insgesamt vermittelte sie die Handlung sehr gut.

Fazit

Wer sich für Medizingeschichte interessiert, der sollte einen Blick riskieren. Da aber alle Geschichten auserzählt sind, weiß ich nicht, wie noch ein zweiter Teil kommen soll. Es sei denn, die Autorin nimmt sich eine andere Epoche vor.

MP3 CD: 2 Seiten
Verlag: Audiobuch; Auflage: 1 (17. Juli 2018)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 9783958620681
ISBN-13: 978-3958620681
ASIN: 395862068X
Größe und/oder Gewicht: 12,6 x 1,3 x 14,3 cm

02.09.2018 20:33:17
Hexelilli

Der Autorin ist es gelungen mit diesem wundervollen, historischen Roman mir die damalige Zeit um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein Stückchen näher zu bringen. Durch die detailgetreue Beschreibung konnte ich prima eintauchen.
Wie schon am Titel und am Cover zu erkennen spielt die Geschichte in Berlin. Rund um das auch heute noch bekannte Krankenhaus Charité. Aber damals ging es nicht unbedingt barmherzig zu. Cholera, Wundbrand, Typhus und Ruhr stellten die Ärzte vor große Herausforderungen. Jede Operation (ohne Narkose) war mit einem Risiko verbunden. Viele Frauen starben bei oder nach der Geburt ihres Kindes. Diese überlebten die heute harmlosen Kinderkrankheiten oft nicht. Dreck und schlechte Luft verpestete die oft überfüllten Krankensäle. Ein Teil der Protagonisten lebte dort zur damaligen Zeit. Unter anderem Dr. Dieffenbach. Die medizinischen Abläufe wurden aus alten Büchern übernommen. Auch geschichtliches fließt mit ein. Die ersten Krankenpflegeschulen wurden gegründet. Der Adel hatte das Geld, wer arm war, selten genug zum Leben. Die damaligen Krankenschwestern (Wärterinen) kamen oft von der Straße und pflegten die Kranken nur wieder willig für Essen und Unterkunft. Die junge Elisabeth ist eine seltene Ausnahme. Sie ist fleißig, gütig klug und sehr wissensdurstig. Zusammen mit der ehemaligen Hebamme Marta spielt sie eine der weiblichen Hauptrollen in dem Buch. Auch die Liebe kommt nicht zu kurz.
Mir hat der Roman sehr gut gefallen und ich vergebe die volle Punktzahl. Eine Empfehlung für alle Leserinnen dieses Genere.

22.07.2018 16:27:01
PMelittaM

1831: Berlin leidet unter einer Choleraepidemie, vor allem die Menschen in den ärmeren Viertel sterben wie die Fliegen und in der Charité rätseln die Ärzte über den Ansteckungsweg der Krankheit. Auch in den folgenden Jahren ist es für die Menschen, die in der Charité arbeiten, nicht immer leicht, ihren Patienten zu helfen.

Die Charité ist wohl das bekannteste Krankenhaus Deutschlands, jeder dürfte sie zumindest dem Namen nach kennen. In der Charité wurde mehr als einmal Medizingeschichte geschrieben, auch in diesem Roman darf der Leser bei neuartigen Methoden dabei sein und den Kampf mancher Ärzte begleiten, die zunächst noch von Standesgenossen verlacht werden. In den vergangene ca. 200 Jahren hat sich die Medizin sehr gewandelt, heutzutage kann man sich kaum noch vorstellen, unter welchen Bedingungen damals, noch ohne Narkose, operiert wurde oder wie die Zustände in den Krankensälen aussahen. Krankenschwestern kannte man 1831 noch nicht, die Arbeit in den Krankensälen übernahmen sogenannte Wärter und Wärterinnen, die oft aus schlechten Verhältnissen, zum Teil aus dem Gefängnis oder von der Straße kamen, denn die Arbeit war sehr schlecht bezahlt.

All das hat die Autorin in ihren, gut recherchierten, Roman eingearbeitet und als Leser ist man froh, so viel später geboren worden zu sein. Ihre Protagonisten hat sie gut ausgewählt, durch sie kann sie dem Leser vieles nahebringen. Da ist zum Beispiel Dr. Dieffenbach, Arzt an der Charité, aber auch Forscher und Pionier – und historische Persönlichkeit. Der Leser begleitet ihn nicht nur zu seinen Patienten und in den OP-Saal, sondern auch in sein Privatleben.

Neben diesem männlichen Protagonisten sind es vor allem drei Frauen, die den Roman tragen. Elisabeth Bergmann tritt 1831 ihre Stelle als Wärterin in der Charité an, und zeigt, dass man den Patienten auch mit Freundlichkeit und Verständnis entgegentreten kann, sie ist aufgeweckt und wissbegierig. Die Stadthebamme Martha Vogelsang muss ein paar Entscheidungen treffen, die ihr Leben auf den Kopf stellen und auch sie an die Charité führen werden. Gräfin Ludovica von Bredow gehört zwar der gehobenen Schicht an, doch als sie schwanger wird, sind die Prognosen eher schlecht und ihr hypochondrischer Gatte hat nur sich selbst im Kopf. Etwa zehn Jahre begleitet der Leser diese und weitere Menschen, die mit der Charité verbunden sind, im Epilog sogar noch darüber hinaus.

Mich hat der Roman von der ersten Seite an gepackt, der historische Hintergrund, nicht nur der medizinische, auch der soziale und politische, sind perfekt integriert. Der Autorin ist es sehr gut gelungen, (Medizin)Historie und (zum Teil) fiktives Privatleben zu verbinden und einen sehr lesenswerten, spannenden Roman entstehen zu lassen.

Einen Kritikpunkt habe ich allerdings, dieser betrifft die Liebesgeschichte rund um Gräfin Ludovica, auf diese hätte ich sehr gut verzichten können, wirklich notwendig für die Geschichte scheint sie mir auch nicht zu sein. Im späteren Verlauf hat sie mich regelrecht sauer gemacht und Ludovica, die eigentlich eine interessante (fiktive) Figur ist, in meinen Augen immer unsympathischer werden lassen. Und wenn ich schon bei den Liebesgeschichten bin (es gibt im Roman noch eine zweite), diese waren manches Mal sehr nahe daran, übertrieben kitschig zu sein, auch durch die Wortwahl, die ich mir allerdings als in die Zeit passend erklärt habe und somit tolerieren konnte. Zum Glück nehmen die Liebesgeschichten nur einen relativ geringen Raum ein, so dass diese in den vielen interessanten Szenen untergehen und wenig ins Gewicht fallen.

Wie es sich für einen guten historischen Roman gehört, gibt es auch ein paar Extras, hier eine Karte des Charitégeländes und ein interessantes Nachwort der Autorin.

Insgesamt ist der Roman sehr lesenswert, vor allem, wenn einen Medizingeschichte interessiert. 89° sowie eine Leseempfehlung.

18.07.2018 08:55:10
anyways

1710 wird der Grundstein für eines der größten und berühmtesten Krankenhäuser der Welt gelegt. Aus dem ehemaligen Pesthaus wird ein Bürger-Lazarett aus diesem wiederrum entsteht die Charité. Als 1831 die Cholera-Epidemie Berlin erreicht, ruft das die staatliche Gesundheitsfürsorge auf den Plan, und in der Charité werden nicht nur die Toten obduziert, die Erkrankten behandelt sondern auch die Leichen vor den Toren des Krankenhauses bestattet. In dieser Zeit siedelt die Autorin ihre Geschichte um die junge Krankenwärterin Elisabeth an.
Der erste Tag in einem neuen Leben, mit neuer Arbeit und auch Heimstadt. Die junge Elisabeth tritt eine Stelle als Krankenwärterin an der Charité an. Die drei und der junge Subchirurg Heydecker werden in dem imposanten Gebäude herumgeführt. Dort erfahren die vier auch von dem Gerücht, dass einer der Patienten angeblich an der Cholera gestorben sein soll. Eine Erkrankung die vor fast 200 Jahren den sicheren Tod für alle bedeutet die sich mit ihr infizierten. Eine tückische Erkrankung die sich zu einer Epidemie ausweitet, zumal man damals den Erreger nicht kannte und eher vermutete das diese Erkrankung durch Miasmen (schlechte Gerüche) entstehen. Eigens dafür eingestellte Räucherfrauen sollten die Luft von schlechten Gerüchen reinigen.
Das für mich faszinierende an historischen Romanen ist ihr geschichtlicher Wert. Vieles beruht auf Tatsachen, man kann vieles nachlesen und man erfährt einige erstaunliche Sachen. Zum Beispiel, das der Professor Dieffenbach, von dem im Klappentext die Rede ist, nicht nur eine verbriefte historische Persönlichkeit ist, sondern, das dieser auch ein paar Jahre in meiner Heimatstadt studierte. Das die Charité nicht nur eine der ersten und größten Heilstätten der Welt war/ist, sondern das sie ursprünglich als Lehranstalt für Militärärzte diente.
Ulrike Schweikert hat einen fesselnden Roman über die frühe Geschichte der modernen Medizin geschrieben. Einen Roman der die recht grausamen „Heilungsmethoden“ verschiedener Erkrankungen wie Syphilis, Schizophrenie und Wochenbettdepression ebenso wie die oft bahnbrechenden chirurgischen Eingriffe zwar etwas nüchtern aber doch faszinierend genug für mich beschreibt. Die Geschichte ist ganz nah an historische Fakten angelegt, die fiktiven Persönlichkeiten und deren Geschichte unterfüttern diese sehr gut recherchierte Story, und machen sie sehr lesenswert.
Ein Buch das ich kaum aus den Händen legen konnte.

05.07.2018 12:04:47
leseratte1310

Wer kennt sie nicht, die berühmte Berliner Charité?
Die junge Elisabeth fängt in dieser Klinik als Krankenwärterin an. Dann kommt mit einem Spreewaldkahn eine Krankheit nach Berlin, die sich zu einer Epidemie auswächst, nämlich die Cholera. Während Elisabeth die Kranken versorgt, versucht der Arzt Johann Friedrich Dieffenbach mit seinen Kollegen den Überträger zu lokalisieren und ein Mittel gegen diese Krankheit zu finden.
Das Buch liest sich einfach wundervoll. Mich hat diese Geschichte sehr gut unterhalten.
Die sympathische Elisabeth möchte selbst über ihr Leben bestimmen und sich nicht von einem Mann abhängig machen. Daher nimmt sie die harte Arbeit in der Charité auf sich. Obwohl sie gerade erst ihren Dienst angetreten hat, macht sie sich zu allem was dort geschieht ihre eigenen Gedanken. Sie ist wissbegierig und interessiert sich für die Medizin. Sie setzt sich sehr für ihre Patienten ein, auch wenn sie damit aneckt. Sie verliebt sich in einen jungen Arzt, was nicht sein darf.
Neben Elisabeth geht es in dieser Geschichte noch um zwei weitere Frauen. Gräfin Ludovica ist mit einem Hypochonder verheiratet und sie sucht Trost und Kraft in den Gesprächen mit dem Arzt Dieffenbach. Sie nutzt ihre Möglichkeiten, damit eine Krankenpflegeschule eingerichtet wird. Dann gibt es da noch die Hebamme Martha, die alles tut, um ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen, selbst im Totenhaus der Charité arbeiten.
Im Jahr 1831 ist die Medizin natürlich nicht so weit fortgeschritten und die Methoden in den Kliniken sind mit unseren heutigen Maßstäben überhaupt nicht zu vergleichen. Man wusste noch nicht, wie man Wunden steril hält, um Entzündungen zu vermeiden und die Operationen ohne Narkose mag man sich nicht vorstellen. Aber ich finde es interessant, darüber zu lesen.
Aber auch die Standesunterschiede werden in dieser Geschichte sehr deutlich. Während die Epidemie an den Betuchten weitestgehend vorbeigeht, wütet die Cholera schrecklich unter denen, die sowieso schon im Elend leben.
Obwohl es in dieser Geschichte auch um drei Frauen geht, die ihren Lebensweg suchen, spielt die Charité in diesem Roman die Hauptrolle. Es ist ein sehr realistisch gezeichnetes Bild über das damalige Leben.
Ich kann diesen Roman nur empfehlen.

30.06.2018 09:36:13
buchleserin

Die Charité, das Berliner Krankenhaus 1831. Eine Geschichte über die Medizin und den Alltag in diesem Krankenhaus und über die Menschen, die dort arbeiten. Herr Doktor Dieffenbach und seine Kollegen versuchen mit ihrem Können und den damaligen Mitteln, die zur Verfügung standen, die Menschen dort von ihren Krankheiten zu heilen, was jedoch nicht immer gelingt. Die ehrgeizige junge Pflegerin Elisabeth kümmert sich aufopfernd und liebevoll um die Patienten und gerät immer wieder in Streit mit dem jungen Unterchirurg Alexander Heydecker. Nicht alle Wärterinnen sind so hilfsbereit und freundlich zu den Patienten. Die Hebamme Martha arbeitet inzwischen auch dort, jedoch im Totenhaus der Charité. Jeder hat seine eigenen Beweggründe dort zu sein.
Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Die Handlung zieht einen gleich in ihren Bann, interessant, spannend und unterhaltsam. Elisabeth war mir gleich sehr sympathisch und auch die anderen Charaktere haben mir gut gefallen. Der Alltag dort im Krankenhaus ist sehr anschaulich beschrieben, so dass ich mir alles bildlich gut vorstellen konnte. Die Zustände damals waren schon ziemlich krass. Und die Pflegerinnen arbeiten dort für sehr wenig Lohn wirklich sehr hart und die Arbeitstage sind lang. Die Ärzte versuchen so viele Leben wie möglich zu retten. Dr. Dieffenbach arbeitet auch als plastischer Chirurg und wird von der Gräfin Ludovica bewundert.
Das Buch ließ sich sehr flüssig lesen. Man taucht sofort ein in die Geschichte. Die Handlung wechselt zwischen den verschiedenen Charakteren und Handlungsorten hin- und her. Die Operationen und Sektionen wurden teilweise sehr bildhaft beschrieben. Operationen ohne Narkose, da mussten die Menschen einiges aushalten. Frauen durften damals nur als Wärterinnen im Krankenhaus arbeiten, einige wurden dann als Schwestern ausgebildet. Medizin durften sie damals noch nicht studieren. Nicht alle Ärzte waren talentiert, doch Professor Dieffenbach war ein berühmter Arzt in der Charité und später wurde er Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik und ist Autor des Buches „Die Operative Chirurgie“.
„Die Charité – Hoffnung und Schicksal“ ist ein gelungener historischer Roman, der von mir eine Leseempfehlung bekommt.

26.06.2018 21:10:01
Bettina Hertz

Die Charité
Autor: Ulrike Schweikert

Berlin, 1831. Seit Wochen geht die Angst um, die Cholera könne Deutschland erreichen. Jeder hofft, dass man verschont bleibt. Als mitten in Berlin auf einem Spreekahn ein Schiffer unter grauenvollen Schmerzen stirbt, nimmt das Schicksal in Berlin seinen Lauf. Die Cholera ist angekommen. In der Charité versuchen Professor Dieffenbach und viele seiner Kollegen inkl. sonstiges Personal, der Lage Herr zu werden und vor allem Überträger und Heilmittel auszumachen. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Während die Ärzte um das Überleben von Tausenden kämpfen, führen drei Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, ihren ganz persönlichen Kampf: Gräfin Ludovica, gefangen in einer Ehe mit einem Hypochonder, findet Trost und Kraft in den Gesprächen mit Professor Dieffenbach. Hebamme Martha versucht, ihrem Sohn eine bessere Zukunft zu ermöglichen und die junge Pflegerin Elisabeth entdeckt die Liebe zur Medizin, die zu dieser Zeit nur Männern vorbehalten ist und die Liebe – verbotenerweise – zu einem jungen Arzt.

Ulrike Schweikert entführt uns in ihrem Roman Die Charité ins wohl berühmteste Krankenhaus Deutschlands und lässt viele historische Größen aus der Medizin im damaligen Berlin zum Leben erwachen. Der Schreibstil ist sehr flüssig, bildhaft, spannend und seiner Zeit angepasst. Man fühlt sich praktisch in eine andere Zeit mitten in Berlin hineinversetzt.

Das Buch nimmt einen großen medizinischen Teil ein, die Beschreibungen verschiedener Operationstechniken, Pflegemöglichkeiten und hygienischen Bedingungen sind ihr überaus gut gelungen, ohne dass es zu langatmig und lehrhaft wirkt. Allein die Beschreibungen der Operationen, da hielt ich echt die Luft an. Allein der Gedanke, eine Operation ohne Narkose sowohl als Patient oder auch als Arzt zu erleben, ließ mich innerlich erschauern. Wie gut haben wir es doch in unserer heutigen Zeit, einen enorm fortschrittliche medizinische Versorgung zu genießen.

Die Protagonisten haben mir sehr gefallen, sie sind authentisch dargestellt. Professor Dieffenbach und viele andere medizinische Größen aus seiner Zeit erleben hier ihre ersten großen Fortschritte. Zwischen den historisch belegten Personen, fädelt Ulrike Schweikert geschickt einige fiktive Figuren ins Geschehen ein – kombiniert mit einer tollen Story bzw. Liebesgeschichte, kommt die Unterhaltung auf keinen Fall zu kurz. Die Hebamme Martha, Pflegerin Elisabeth und der angehende Arzt Alexander sind mir dabei sehr ans Herz gewachsen.

Insgesamt hat mir Die Charité super gefallen und ich vergebe fünf Sterne.