Die Gentlemen vom Sebastian Club

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Dryas, 2018, Titel: 'Die Gentlemen vom Sebastian Club', Originalausgabe

Couch-Wertung:

72
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Eva Schuster
Solider viktorianischer Cozy-Krimi

Buch-Rezension von Eva Schuster Mär 2018

London im Jahr 1895: Innerhalb kurzer Zeit werden drei Männer ermordet; vor ihrem Tod wurden sie gefoltert. Da alle drei aus unterschiedlichen Schichten stammen und nichts miteinander zu tun haben scheinen, findet Scotland Yard keinen Zusammenhang und somit keine Spur zum Täter.

Hier kommt der Sebastian Club ins Spiel. Fünf Mitglieder des vornehmen Herrenclubs haben es sich zum Ziel gemacht, Verbrechen aufzuklären, bei denen die Polizei nicht weiterkommt so wie in diesen drei Fällen. Neu in diesem illustren Kreis ist der junge Freddie Westbrook, eingeführt durch seinen Onkel Lord Philip Dabinott. Die anderen Mitglieder ahnen allerdings nicht, dass Freddie tatsächlich eine clevere junge Frau ist.

Die Mitglieder ermitteln bald, dass der Mörder offenbar ein kostbares Juwel sucht und bei seinen Opfern mittelalterliche Foltermethoden anwendet, um an Informationen zu kommen. Die Nachforschungen werden allmählich vor allem für Freddie gefährlich, die mehr Risiko eingeht, als ihrem Onkel lieb ist ...

Vier echte und ein Pseudo-Gentleman

Originell ist es natürlich nicht, eine als Mann verkleidete Frau zur Protagonistin eines historischen Romans zu machen. Angenehmerweise nimmt diese Scharade aber keine allzu große Rolle in der Handlung ein. Sophie Olivers Die Gentlemen vom Sebastian Club ist in erster Linie ein leichter viktorianischer Krimi, der zwischen solider Spannung und Amüsement hin und her pendelt.

Die Idee von fünf Amateurermittlern aus vornehmen Kreisen wird recht gelungen umgesetzt, wenngleich bei den Charakteren noch Luft nach oben in Sachen Vertiefung gewesen wäre. Im Mittelpunkt steht das interessante Gespann Frederique "Freddie" Westbrook und ihr junger charmanter Onkel Philip. Freddie wurde bereits als kleines Mädchen zur Vollwaise, erlebte eine abenteuerreiche Kindheit und Jugend bei ihrer Tante in Hongkong und wird nun in die Londoner Gesellschaft eingeführt. Freddie ist allerdings keine typische viktorianische Lady; mehr als steife Korsetts und elegante Kleider schätzt sie intelligente Gespräche und aufregende Unternehmungen, was ihr als Frau natürlich kaum gestattet wird. Da kommt es ihr nur recht, dass ihr Onkel ihre unkonventionellen Interessen unterstützt und sie als seinen Neffen ausgibt was natürlich trotz Freddies dunkler Stimme und ihrer knabenhaften Figur ein riskantes Unterfangen ist.

Freddie ist freilich keine außergewöhnliche Figur, sondern reiht sich ein in die Riege ähnlicher Protagonistinnen, die ihrer Zeit voraus sind und sich in einer männerdominierten Gesellschaft behaupten. Sie ist kein unvergesslicher Charakter, ebensowenig ihr sympathischer Onkel, ihre klatschfreudige Freundin Mabel oder der junge Anwalt und Ermittlungs-Kollege Crispin, der Freddie allzu gut gefällt. Aber es sind solide Figuren, deren Abenteuer man gerne verfolgt, und auch der Humor kommt in ihren Dialogen nicht zu kurz.

London im ausgehenden 19. Jahrhundert

Die Lebensgewohnheiten der oberen und unteren Schichten des viktorianischen Englands werden anschaulich geschildert. Mal sind der ehrwürdige Club, der weitläufige Hyde Park und vornehme Häuser die Schauplätze, andere Male die finsteren Gassen und heruntergekommenen Mietshäuser in den Armenvierteln in East London. Es gibt Einblicke in das gesellschaftliche Leben der Reichen und Schönen, ganz nebenbei fließen auch allerlei Informationen zur damaligen Technik, zur Kleidung, zu Recht und Gesetz ein. Ein wenig zu kurz kommen zeitgenössische Ereignisse, selten werden solche mal en passant erwähnt - etwa die Mordserie Jack the Rippers und der Prozess gegen Autor Oscar Wilde.

Der Kriminalfall ist recht unterhaltsam, Hochspannung wird jedoch nicht geboten. Die Ermittlungen gehen die meiste Zeit gemächlich voran, ergänzt durch die eine oder andere riskante Aktion von Freddie, ihrem Onkel und Crispin. Im letzten Viertel entwickelt sich die Handlung etwas dramatischer, ein Pageturner ist der Roman aber nicht, und auch die Auflösung ist keine extreme Überraschung.

Unterm Strich bieten Die Gentlemen vom Sebastian Club charmante Krimiunterhaltung der ruhigeren Art. Der nächste Fall der Amateur-Ermittler wird schon am Ende angedeutet - und auf ein Wiedersehen mit Freddie und ihrem Onkel hat der Leser nach der Lektüre durchaus Lust.

Die Gentlemen vom Sebastian Club

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