Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2018, Titel: 'Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe', Originalausgabe

Couch-Wertung:

92
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Rita Dell'Agnese
Das Geheimnis von Chanel Nummer 5

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Feb 2018

Wie kam es zur Kreation des Parfums "Chanel Nummer 5", das in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts seinen Siegeszug um die Welt antrat? Die deutsche Autorin Michelle Marly hat sich auf Spurensuche gemacht. Gefunden hat sie eine junge Frau namens Gabrielle Chanel, die nach dem frühen Tod ihrer Mutter unter der strengen Herrschaft eines Frauenklosters in der Auvergne aufwuchs. Gabrielle, die schon früh ihr Talent für das Schneiderhandwerk entdeckt, verlässt das Kloster, kaum dass sie volljährig ist, um dank ihres handwerklichen Geschicks zu überleben. Doch Gabrielle hat nicht nur den Wunsch, sich mit schönen Dingen zu umgeben und Mode zu kreieren, sie fühlt sich auch zu jungen Männern hingezogen. Über einen Freund lernt sie Boy kennen und verliebt sich unsterblich in den wohlhabenden Mann. Boy verspricht Gabrielle zwar die Ehe, heiratet später jedoch eine Frau, die vom Stande her besser zu ihm passt. 

Dennoch will Gabrielle, die sich dank einer Starthilfe inzwischen unter dem Namen Coco Chanel ein Modeimperium aufgebaut hat, nicht von Boy lassen. Sie plant mit ihm einen weiteren Coup: das Paar will ein Parfum kreieren. Doch dann kommt unvermittelt die Nachricht vom Tode Boys. Coco stürzt in ein tiefes Loch, verliert jeden Lebensmut. Ihre Freundin Misia versucht alles, um Coco aufzurichten. Sie rät Coco, ein Parfüm als Andenken an die Liebe zu Boy zu kreieren. Coco macht sich auf die Suche nach den Duftstoffen für Ihr Parfum. Dabei begegnet sich auch Männern von Format. Mit dem Komponisten Igor Strawinsky geht Coco Chanel eine Liaison ein, in Dimitri Pawlowitsch Romanow verliebt sie sich ernsthaft. Doch der junge Russe, der Cocos Liebe erwidert, hat Anspruch auf den Zarenthron. Eine Verbindung mit der Frau seines Herzens, die von niederer Herkunft ist, scheint ausgeschlossen.

Eindrückliche Gefühlswelt

Michelle Marly geht ganz nahe an ihre Protagonistin heran. Zunächst zeichnet sie das Bild eines jungen Mädchens, das von Träumen beseelt ist und den fast schon rebellischen Wunsch hegt, aus dem ärmlichen Leben auszubrechen, in das die Umstände sie gezwungen haben. Schritt für Schritt erlebt der Leser, wie aus dem Mädchen mit den Träumen eine leidenschaftlich liebende Frau wird, die mit einer unglaublichen Energie ihre Träume umzusetzen vermag. Geschickt setzt die Autorin dramaturgische Höhepunkte. Coco Chanel, auf dem Höhenflug ihres erfolgreichen Unternehmens, stürzt durch den Tod ihres Liebhabers in eine tiefe Depression. Auch hier sind die Gefühle wieder so intensiv hervorgearbeitet, dass der Leser sich der dumpfen Verzweiflung der Protagonistin nicht verschließen kann. Sehr schön kommt auch die stetige Rebellion der jungen Frau zum Ausdruck. Zusammen mit ihrer Freundin Misia, die nicht hinnehmen mag, dass Coco Chanel nach wie vor in einigen Kreisen nicht akzeptiert ist, trumpft Coco auf. Alle Facetten dieser Gefühle sind gut nachvollziehbar und überzeugend dargestellt. Obwohl Coco Chanel eine Frau mit Ecken und Kanten ist, wird sie als Protagonistin zu einer Identifikationsfigur, der man sich kaum entziehen kann.

Der Wunsch nach dem Duft

Der exzessive Wunsch Cocos, den wahren Duft ihrer Liebe zu Boy in einem Parfüm wahr werden zu lassen, löst bei den Lesern das dringende Bedürfnis aus, diesen Duft selber zu riechen. Quasi auf leisen Sohlen führt Michelle Marly die Leser in die Welt der Düfte und der Mode ein. Es sind aber weder die illustren Namen noch die Welt des Glamours, die den Roman zu etwas ganz Besonderem machen. Es sind die direkten Gefühle einer leidenschaftlichen Frau, die letztlich festhalten und den Leser zum Schluss mit Wehmut das Buch weglegen lassen. Mit Wehmut deshalb, weil es keine Fortsetzung geben wird, weil man die Figur ziehen lassen muss und einzig die Möglichkeit hat, den von der Protagonistin entworfenen Duft als Erinnerung an Coco Chanel zu behalten.

Ein wunderbarer Roman aus einer geübten Feder, der nicht nur eine schillernde Persönlichkeit präsentiert, sondern eine ganze Epoche lebendig werden lässt.

Mademoiselle Coco und der Duft der Liebe

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