Der einsame Reiter

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2015, Titel: 'Master of War: Gate of the Dead', Originalausgabe

Couch-Wertung:

93
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Annette Gloser
Verfemt und loyal

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2017

1358, irgendwo in der Toscana. Thomas Blackstone und seine Männer haben sich als Söldner verdingt. Sie verteidigen die Interessen der Stadt Florenz gegen die Machtansprüche anderer Stadtstaaten, allen voran Mailand, wo die Herzöge Visconti ein grausames Regime führen. Da erreicht Thomas eine seltsame Nachricht, die ihn nach England ruft. Schnell stellt sich heraus, dass diese Nachricht weder vom König selbst noch vom Schwarzen Prinzen stammen kann. Dennoch macht sich Thomas mit wenigen Getreuen auf den Weg in die Heimat, denn er ahnt, dass seine Dienste gebraucht werden. Aber mit den Visconti-Herzögen hat er sich Feinde gemacht, und diese Feinde schicken einen skrupellosen Mörder auf seine Spur. Thomas weiß, dass er verfolgt wird, aber er ahnt nicht, wer der Mörder ist. Und er ahnt auch nicht, wie grausam ihn die Rache der Visconti treffen wird.

Viel Feind, wenig Ehr

Mit Der einsame Reiter führt David Gilman seine Leser zunächst mitten hinein in die blutige Welt der aufziehenden italienischen Renaissance. Rücksichtslose Condottieri tragen die Machtstreitigkeiten der Stadtstaaten auf dem Rücken der wehrlosen Landbevölkerung aus, bereichern sich an allem, was das Unglück hat in ihre Nähe zu kommen. Der Autor schafft hier einen gnadenlosen Einblick in diese Welt voll Blut und ohne Gewissen. Viele Feinde sind zu bekämpfen, wenig Ehre zu gewinnen. Als Thomas Blackstone Italien verlässt, verlagert sich der Schauplatz des Romans zunächst nach England, später wieder nach Frankreich. Dort jedoch tobt nicht nur der Krieg zwischen England und Frankreich, sondern auch ein blutiger Bauernaufstand, die Jaquerie, in dessen Wirren Blackstones Frau Christiana um ihr eigenes und das Leben ihrer Kinder kämpft. Als Leser lernt man kluge, politisch weit voraus denkende Persönlichkeiten kennen, insbesondere in der englischen Königsfamilie. Ebenso jedoch wird man mit Brutalität und Machtgier konfrontiert. Zugleich ist dem Autor daran gelegen, sehr deutlich zu zeigen, unter welchen schweren Bedingungen Blackstone und seine Elitetruppe kämpfen. Dies gelingt ihm mit sparsamen und dennoch sehr intensiven Beschreibungen der einzelnen Szenerien. Weniger sparsam, jedoch nicht minder eindrucksvoll schildert Gilman Schlachten und Zweikämpfe. So entsteht eine enorme Spannung, die der Autor von den ersten Seiten bis zur letzten aufrecht erhalten kann und die dafür sorgt, dass man beim Lesen schon mal die Zeit vergisst.

Ein Familienmensch

Ein wichtiger Dreh-und Angelpunkt des Romans sind Blackstones Trennung von seiner Familie und seine Sehnsucht nach Frau und Kindern. Der erbitterte Krieger ist ein Familienmensch, der alles Menschenmögliche tut, um seine Familie vor Gefahren zu schützen. Dies ist ein Teil seiner Persönlichkeit, den man auch aus den vorhergehenden Romanen der Reihe kennt, der hier jedoch noch einmal eine neue Komponente bekommt. Dabei wirkt Blackstone nicht als überhöhter guter Held. Er hat eben nur seine Prinzipien, an die er sich hält, die ihn sympathisch machen und die dafür sorgen, dass man als Leser bereit ist, mit ihm zu fühlen. Bereits bekannte Protagonisten aus den früheren Romanen begleiten Blackstone auch diesmal in seine Kämpfe. Deren Charaktere werden ebenso vertieft wie der des Haupthelden. In Der einsame Reiter wirft Gilman jedoch auch einen etwas genaueren Blick auf die Plantagenets und man bekommt als Leser eine gute Vorstellung davon, welche Charaktere Edward III. und der Schwarze Prinz gewesen sein könnten. Natürlich ist dies die Sicht eines Romanautors, aber Gilmans Sicht ist in sich stimmig, so dass beim Leser dieses So-könnte-es-gewesen-sein-Gefühl entsteht, das uns einen wirklich guten historischen Roman erkennen lässt.

Eine großartige Romanreihe

Der einsame Reiter ist nunmehr der dritte Band der bisher wirklich großartigen Romanreihe "Legenden des Krieges". Die vorhergehenden Bände sollte man wirklich gelesen haben bevor man zu diesem Buch greift, denn zum Einen lohnt es sich inhaltlich, zum Anderen baut die Handlung auf den Vorgänger-Bänden auf und viele Geschehnisse werden erst dann wirklich verständlich. David Gilmans Nachwort ist interessant geschrieben und geht noch einmal dezidiert auf die realen historischen Ereignisse ein. Sehr lesenswert.

Der einsame Reiter bietet ein großartiges historisches Panorama, eine authentisch anmutende Atmosphäre, einen sympathischen Helden und viel Blut, Schweiß und Tränen. Ein spannender, intensiver und gut recherchierter Roman für alle, die sich für den Hundertjährigen Krieg interessieren. Und ein Roman, der einen nicht mehr los lässt, wenn man die ersten Seiten gelesen hat.

Der einsame Reiter

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