Die Frauen Gottes

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • , 2017, Titel: 'Die Frauen Gottes', Originalausgabe

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Annette Gloser
Im Sturm der Reformation

Buch-Rezension von Annette Gloser Nov 2017

Franken im Jahr 1511: Ludwig und Anna kehren nach Schnaittach zurück. Anna bekommt eine Anstellung bei der Burggräfin der Rothenburg, Barbara von Egloffstein. Barbara ist eine sehr fromme Frau und unter ihrem Einfluss fasst Annas Tochter Agnes den Entschluss, als Nonne in ein Kloster einzutreten. Die Burggräfin sorgt dafür, dass das aus einfachsten Verhältnissen stammende Mädchen Aufnahme im Nürnberger Klarissenkloster findet. Dorthin schicken sonst nur die Nürnberger Patrizier ihre Töchter, aber Agnes hat mit der Burggräfin und nicht zuletzt mit dem Ratsherrn Anton Tucher einflussreiche Fürsprecher gefunden. Die Äbtissin Caritas Pirckheimer wird für das junge Mädchen zu einer wichtigen Lehrerin und zum Vorbild. Aber während Agnes ihr Leben abgeschieden hinter hohen Mauern verbringt, ändern sich die Zeiten. Immer stärker werden die Ideen der Reformation. Die Nürnberger wollen keine Nonnen mehr in ihrer Stadt dulden. Auf dem Land rotten sich die Bauern zusammen und ziehen gegen Adel und Obrigkeit in den Krieg. Auch Fritzi, Annas ältester Sohn, ruft die Bauern zum Kampf auf. Und Nürnberger Bürger zwingen ihre Töchter, das Kloster zu verlassen 

Gewissensfragen

Katharina A. Down schildert in Die Frauen Gottes Menschen in einer schwierigen Zeit. Alles, woran man glaubte, wird in Frage gestellt. Niemand weiß mehr, ob das, was er gestern für richtig hielt, auch morgen noch richtig sein wird. Die Reformation stellt alles in Frage, was die Menschen bisher für ihr Seelenheil getan haben. Der Autorin gelingt es wunderbar, Konflikte und Denkprozesse der Menschen nachzuvollziehen, die in ihrem Roman eine Rolle spielen. Viele von ihnen sind reale historische Persönlichkeiten, die nun in diesem Roman agieren. So wird verständlich, warum z.B. Nürnberger Patrizier ihre Verwandten gegen deren Willen zwangen, das Kloster zu verlassen, warum wohlhabende Bürger keine Stiftungen mehr machten oder warum bestimmte wohltätige Vereinigungen plötzlich nicht mehr erwünscht waren. Die Autorin hat umfassend recherchiert und bietet ausgesprochen detaillierte Schilderungen sowohl des Lebens in der Stadt und auf der Burg Rothenburg als auch wichtiger Persönlichkeiten. Dabei gelingt es ihr wesentlich besser als im vorhergehenden Roman der Reihe, sich an ihre Protagonisten anzunähern und sie zu charakterisieren. Sie nimmt sich ein wenig mehr Zeit für einzelne Personen, beschreibt sie mit ihren Wünschen und Träumen, auch mal mit ihren kleinen Macken. Als Leser hat man so die Möglichkeit, die Motive für bestimmte Handlungen nachvollziehen zu können und einen oft sehr genauen Blick auf das Leben der Protagonisten werfen zu können. Manchmal sind es scheinbare Kleinigkeiten und uns heute vielleicht auch amüsant erscheinende Dinge, welche die Erzählung lebendig und authentisch wirken lassen.

Fleißarbeit und Fingerspitzengefühl

Man muss der Autorin intensive Recherche bescheinigen, ein Punkt, mit dem bereits der erste Roman der Reihe, Der goldene Harnisch glänzen konnte. Wohl kaum jemand kennt die Geschichte Nürnbergs Anfang des 16. Jahrhunderts so gut wie Katharina A. Down und versteht es noch dazu, die Ereignisse in eine mit viel Elan erzählte und interessante Geschichte zu verpacken. Viele kleine Details verweben sich zu einem großen, bunten Bild. Zitate, z.B. aus Schriften Caritas Pirckheimers, gewähren einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt der Protagonisten. Aber auch die Geschichte der Rothenburg wird zeitgleich erzählt und man versteht als Leser, wie eng die Beziehungen zwischen Burg und Stadt waren, welche Abhängigkeiten bestanden und wie es geschehen konnte, dass der edle Ritterstand immer mehr ins Abseits geriet. Sympathische fiktive Protagonisten wie Ludwig, Anna und Agnes können einem dann beim Lesen schon ans Herz wachsen, auch wenn man vielleicht nie im Leben selbst auf die Idee gekommen wäre, in ein Kloster eintreten zu wollen. Der Autorin ist es jedoch gelungen, Agnes Motivation und ihre Freude an dem ihrer Meinung nach gottgefälligen Leben für den Leser nachvollziehbar darzustellen. Und regelrecht herzzerreißend, ohne die geringste Spur von Kitsch oder Schmalz, ist die Schilderung jener Szene, als die ersten Nonnen von ihren Familien aus dem Kloster geholt werden. Hier hat die Autorin viel Fingerspitzengefühl und Gespür für Dramatik bewiesen.

Eine gelungene Fortsetzung

Die Frauen Gottes ist die gelungene Fortsetzung der Trilogie Die Ritter des Roten Berges. Das Buch steht auch für sich allein, denn es wird eine in sich geschlossene Geschichte erzählt, ebenso wie im ersten Band. Ein umfassendes Personenverzeichnis, in dem reale historische Personen deutlich gekennzeichnet sind, erleichtert dem Leser den Überblick. Das Nachwort der Autorin bietet noch einmal einen Überblick über die historischen Fakten. Und die hintere Innenseite des Covers zeigt eine historische Karte der Herrschaft Rothenberg, so dass man sich auch visuell orientieren kann.

Ein interessanter, spannender Roman, sorgfältig recherchiert, eine berührende Geschichte. Das kann man gut lesen und wenn man Nürnberg und Umgebung auf dem Reiseplan hat, ist das genau die richtige Urlaubslektüre. Für Nürnberger selbst könnte dieses Buch schon fast Pflichtlektüre werden. Nein, das war nur ein Spaß! Aber das Lesen lohnt sich trotzdem.

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