Tausend Teufel

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • dtv, 2017, Titel: 'Tausend Teufel', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Ein Ermittler zwischen den Fronten

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2017

Februar 1947. Minus sieben Grad tagsüber, über zwanzig Grad minus in der Nacht. Doch nicht alleine die eisige Kälte macht den Menschen im zerbombten Dresden das Leben schwer. Es fehlt fast alles, vor allem Nahrung, Kleidung und Brennmaterial. So sind Überfälle und sogar Morde in der von der Roten Armee besetzten Stadt keine Seltenheit. Ein ermordeter sowjetischer Offizier ist dennoch etwas Besonderes und so ist Oberkommissar Max Heller nur wenig verwundert, dass sich bei seinem Eintreffen die Leiche bereits auf einem russischen Militärlaster befindet. Dennoch entdecken er und sein Mitarbeiter Werner Oldenbusch in unmittelbarer Nähe des Tatorts einen Rucksack, der einen abgetrennten Kopf beinhaltet. Kurz darauf erfährt Heller von Generalleutnant Igor Medvedev, dem Leiter des SMAD, dass bereits vier Tage zuvor ein weiterer russischer Offizier ermordet wurde.

 

"Habt ihr gehört, sie wollen die Semperoper sprengen."

"Aber sie ist doch schon zerstört."

"Sie soll ganz weg, hieß es. Man braucht Platz für Neues."

"Zeit, dass dieser alte herrschaftliche Protz fortkommt."

"Also hör mal, sie ist doch ein Wahrzeichen."

"Ist das denn wichtig, bei all der Wohnungsnot?"

 

Dann überschlagen sich die Ereignisse, denn kurz hintereinander gibt es Anschläge auf eine Veranstaltung für die Opfer der Faschisten und die Gaststätte "Schwarzer Peter", ein beliebter Treffpunkt russischer Offiziere, in dem nicht nur Getränke angeboten werden. Ein Treffen mit Oberst Ovtscharov vom MWD lässt Heller endgültig zwischen die Fronten geraten&

Max Heller ermittelt in der russischen Besatzungszone

In seinem zweiten Fall nach dem fulminanten Debütroman Der Angstmann (spielt 1944/45) ermittelt Oberkommissar Max Heller in Dresden, welches im Februar 1947 von der Roten Armee besetzt ist. Das ehemalige Justizministerium ist nun offizieller Sitz der Stadtkommandantur der sowjetischen Militäradministration Deutschlands (SMAD), wo sich Generalleutnant Medvedev der Dienste Hellers versichert. Aber auch das MWD, das Ministerium für innere Angelegenheiten mit Oberst Ovtscharow, greift auf Keller zu, dessen Fähigkeiten als Ermittler sich herum gesprochen haben. Zu dessen Leidwesen ist allerdings auch bekannt, dass er noch immer nicht der SED, dem Zusammenschluss aus SPD und KPD, beigetreten ist, was ihn verdächtig macht. Doch Heller war noch nie in einer Partei, auch nicht vor 1945. Für ihn geht es ausschließlich um den Dienst am Land, womit er weitgehend alleine steht. Denn die Notlage der Menschen ist enorm, nicht zuletzt, weil die russischen Besatzer die Bevölkerung hungern lassen. Die Entnazifizierung ist noch nicht abgeschlossen und wird nicht überall konsequent betrieben, wie sich am Beispiel des neuen Staatsanwaltes zeigt, einem Nazi der ersten Stunde.

 

"All diese Menschen da draußen, diese dummen verbohrten Menschen, Egoisten, ohne jeden Anstand. Sie fühlen sich alle als Opfer, keiner, kein Einziger will ein Täter gewesen sein. Dabei haben sie sich gegenseitig verraten, sich bestohlen und umgebracht. Die schlimmsten Verbrecher sitzen schon wieder in den Ämtern und bekleiden die hohen Posten. Und genau diese Leute haben einen Mörder zu ihrem Anführer gewählt, sitzen auf ihren Lebensmitteln und werden fett, während die Kinder im Wald zugrunde gehen."

 

Frank Goldammer gelingt auch in seinem zweiten Roman ein eindrucksvoll-beklemmendes Bild seiner Heimatstadt, die von den Folgen des Krieges und der Besatzung schwer gezeichnet ist. Während ein neuer Zeitgeist versucht Einzug zu halten, zeigt sich, dass nicht wenige Deutsche noch immer vom alten System angetan sind. So vermutet Oberst Ovtscharow hinter den Anschlägen deutsche Wehrwölfe, die vom Ende des Bolschewismus träumen. Doch womöglich sind diese auch fungiert, um das mitunter harte Durchgreifen der Roten Armee zu rechtfertigen. Die Lage in der Stadt und die politischen Verhältnisse werden lebendig geschildert, die einzelnen Vorkommnisse (Morde, Anschläge) später gekonnt miteinander verbunden und nicht zuletzt gibt es auch im Privatleben des Protagonisten neue Entwicklungen. Heller versucht nicht nur verzweifelt seiner schwer erkrankten Nachbarin die dringend benötigten Medikamente zu besorgen, sondern wartet - gemeinsam mit seiner Frau Karin - sehnsüchtig auf die Heimkehr seines Sohnes Klaus aus der russischen Gefangenschaft.

Alles zusammen bietet Tausend Teufel einen packenden Einblick in die Nachkriegszeit. Auf den dritten Fall, der im Juni 2018 erscheinen und im Sommer 1948 spielen wird, darf man gespannt sein. Bis zur Gründung der DDR ist es dann bekanntlich nicht mehr lange hin.

Tausend Teufel

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Letzte Kommentare:
15.01.2020 16:08:24
Blackfairy71

Dresden, Februar 1947. Zwei Jahre sind vergangen seit der Bombennacht, in der Polizist Max Heller sein Zuhause verloren hat. Mit seiner Frau ist er bei einer Nachbarin untergekommen. Es ist eine harte, entbehrungsreiche Zeit. Die Alliierten haben Deutschland unter sich aufgeteilt, Dresden gehört zur sowjetischen Besatzungszone.
Als Kriminaloberkommissar der neu gegründeten Volkspolizei soll Max Heller im Fall zweier ermordeter Rotarmisten ermitteln und gerät dabei in einen gefährlichen Interessenskonflikt mit seinen sowjetischen Vorgesetzten. Denn bevor er die erste Leiche untersuchen kann, wird diese bereits von den Sowjets weggeschafft. Dann wird in einem herrenlosen Rucksack ein abgetrennter Kopf gefunden und Heller erwischt ein junges Mädchen dabei, wie sie mit dem Rucksack abhauen will. Hängen die Fälle zusammen?
Trotz der Umstände versucht Heller, seinen Prinzipien treu zu bleiben und möglichst neutral zu ermitteln.
Zwischendurch plagt ihn allerdings auch das schlechte Gewissen, da er aufgrund seiner vielen Arbeit seine Frau ziemlich allein lässt mit den Problemen in der Nachkriegszeit und in diesem eiskalten Winter. Außerdem warten sie immer noch auf Nachricht ihres Sohnes, der auf dem Weg von Russland nach Hause sein müsste.

"Tausend Teufel" ist nach "Der Angstmann" der zweite Fall für Max Heller. Wie schon im ersten Band, der 1945 in Dresden spielt, ist auch diese Geschichte spannend, sehr lebendig und realistisch geschrieben. Das zerstörte Dresden, die Trümmerwüste konnte ich beim Lesen direkt vor mir sehen, die klirrende Kälte fast fühlen. Auch die Verzweiflung der Menschen ist greifbar und nachvollziehbar. Neben der Handlung, in der es um die Ermittlung in den Mordfällen geht, gibt es auch sehr emotionale Momente. Ich habe gemerkt, dass ich manchmal eine Pause brauchte, da einige Szenen ziemlich deprimierend waren, um so mehr, da es damals wirklich so gewesen ist.
Max Heller ist und bleibt ein prinzipientreuer Mann, der versucht, sich in seiner Arbeit nicht beeinflussen zu lassen. Auf die Frage, ob er denn nun ein Nazi oder ein Kommunist sei, sagt er: "Ich bin Max Heller".
Zum Ende wird es noch einmal richtig spannend und ich muss sagen, diesen Täter hatte ich nicht auf dem Schirm.

Fazit: Ein fesselnder Krimi vor dem Hintergrund des zerstörten Dresden im klirrend kalten Nachkriegswinter mit einem sympathischen Helden, der gar keiner sein will.