Das blutige Schwert

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2013, Titel: 'Master of War: A Legend forged in Battle', Originalausgabe

Couch-Wertung:

95
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Annette Gloser
Die Männer mit der Wunderwaffe

Buch-Rezension von Annette Gloser Jul 2017

England, 1346. Thomas Blackstone ist Freisasse und steht in der Gunst seines Herrn. Die Mutter starb bei der Geburt seines jüngeren Bruders, der Vater bei einem Unfall im Steinbruch. Jetzt ist Thomas sechzehn und sorgt alleine für sich und seinen tauben Bruder Richard. Aber dann kommt der Morgen, an dem Richard und Thomas verhaftet werden weil man Richard vorwirft, er habe ein Mädchen ermordet. Hängt man den Jungen für diesen Mord, dann hängt man auch Thomas, denn er ist der Vormund seines Bruders und für ihn verantwortlich. Doch Lord Marldon ist dem toten Vater der Brüder zu Dank verpflichtet und versucht, die beiden zu retten. Zwar gelingt das mit Hilfe einer List, doch die Jungen haben ihr Land verloren und kein Zuhause mehr. Zudem müssen sie verschwinden. Da trifft es sich gut, dass beide treffsichere Bogenschützen sind. Englands König braucht genau solche Männer in seinem Heer, denn er will seine Ansprüche auf französisches Gebiet durchsetzen. Und so landen Thomas und Richard ohne viel Federlesens in Frankreich, der eine gerade vierzehn, der andere sechzehn Jahre alt. Bald stehen sich das englische und das weit überlegene französische Heer in Crécy gegenüber. Und danach wird für Thomas nichts auf dieser Welt mehr so sein, wie es einmal war.

Ein großes Panorama

Legenden des Krieges: Das blutige Schwert ist der erste Band einer Romanreihe über den 100jährigen Krieg. Autor David Gilman ist ein Mann mit Lebenserfahrung und das merkt man diesem Buch auch an. Hier wird eine großartige Geschichte großartig erzählt. Dabei geht es nicht nur um Krieg und Schlachtenlärm. Es sind die vielen kleinen Details, welche die Protagonisten lebendig werden lassen und der Erzählung Farbe geben, die das große Panoramagemälde füllen und ihren Eindruck beim Leser hinterlassen. Sehr schnell wird klar, dass der Autor nicht allein den Verlauf des 100jährigen Krieges und die Waffentechnik erforscht hat, sondern auch das Leben jener Menschen, die in diesem Krieg gekämpft haben. Selbstverständlich treten auch gelegentlich die großen Namen auf, aber Thomas Blackstone ist ein Protagonist aus dem Volk, aus den untersten Schichten, kein Ritter mit geschliffenem Benehmen. Zieht man mit ihm und den anderen Bogenschützen in den Krieg, dann wird gerülpst und gefurzt, dann gibt es derbe Witze und ungezügelte Triebe. Man bekommt eine sehr deutliche Vorstellung davon, welche Menschen hier ihre Haut zu Markte getragen haben um ihrem König ein Land zu gewinnen, wie diese Menschen lebten, wovon sie träumten.

Allerdings kommt auch die Welt der Ritter nicht zu kurz und der Unterschied zu den Bogenschützen ist eindrucksvoll. Für seinen Roman hat David Gilman wunderbare Charaktere geschaffen, beeindruckende und starke Persönlichkeiten, selten geradlinig, immer vielschichtig und auch widersprüchlich. Diese Protagonisten wirken glaubhaft und lebendig, bis in die Nebenrollen hinein. Dabei wird auch die Atmosphäre an den einzelnen Schauplätzen des Romans sehr intensiv und realitätsnah geschildert. Nie hat man das Gefühl, hier habe der Autor übertrieben oder seiner Phantasie die Zügel schießen lassen.                               

Spannend bis zur letzten Zeile

David Gilman erzählt mit Wucht und einer gewissen Gnadenlosigkeit. Hier gibt es kein Pardon für zartbesaitete Leserseelen, allerdings auch jede Menge Spannendes abseits des großen Schlachtengetümmels. Hier wird Spannung bereits auf der ersten Seite aufgebaut und letztendlich ohne Längen und ohne abzuflachen bis zur letzten Zeile gehalten. Die historisch belegten Fakten sind das Grundgerüst, in das eine fiktive Geschichte mit ebenso fiktiven Protagonisten nahtlos eingebettet ist. Und selbst wenn man mit dem Verlauf des 100jährigen Krieges vertraut ist, selbst wenn man weiß, wie die Schlacht von Crécy ausgegangen ist, so bleibt der Roman trotzdem spannend. Zudem ist diese Schlacht ja nur eine von vielen in diesem Krieg. Was aber passierte dazwischen? Wie entwickelte sich die Lage in Frankreich? Wie verhielten sich die Menschen? Mögliche Antworten darauf findet man in diesem Roman.

Bestes Lesefutter

Legenden des Krieges: Das blutige Schwert ist einer von den Romanen, denen man hemmungslos verfallen kann. Einmal angefangen, mag man das Buch nicht mehr aus den Händen legen und verzichtet vielleicht sogar auf die eine oder andere Stunde Schlaf, nur um zu erfahren, wie die Geschichte denn nun weiter geht. Allerdings sollte man schon ein Faible für blutige Schlachten, hartes Soldatenleben und einen Schuss Romantik haben. Der Roman ist intensiv und atmosphärisch dicht, dazu erstklassig recherchiert, mit einem sympathischen Haupthelden, der erstmal so gar nichts Glanzvolles an sich hat.

Der Rowohlt Taschenbuch Verlag hat hier eine wirklich aus der Masse herausragende Romanreihe im Programm und es bleibt zu hoffen, dass die Folgebände ähnliche Qualität haben wie dieser erste Band der Reihe.

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