Inspector Swanson und das Schwarze Museum

Erschienen: Januar 2017

Bibliographische Angaben

  • Dryas, 2017, Titel: 'Inspector Swanson und das Schwarze Museum', Originalausgabe

Couch-Wertung:

70
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Jörg Kijanski
Mord im Umfeld der Freimaurer

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2017

London, Anfang 1894. Neben der Eröffnung des "Schwarzen Museums", dem Kriminalmuseum von Scotland Yard, steht noch ein weiteres "Großereignis" an: der Jahresurlaub von Chief Inspector Swanson. Ganze vierzehn Tage am Stück will Swanson mit seiner Frau Annie und den beiden Kindern in seiner schottischen Heimat verbringen. Hierfür nutzen sie den Zug um 16 Uhr 50 ab Paddington, der sie zunächst von London nach York bringen soll. Doch aus der gemeinsamen Reise wird erst einmal nichts, denn ein unvorhergesehener Halt auf freier Strecke hat Folgen. In einem Abteil wurde eine Leiche entdeckt, deren Todesursache äußerst seltsam erscheint. Eine Taschenuhr explodierte, doch das in der Brust steckende Stilett zeigt die wahre Todesursache. Und obwohl noch weitere Fahrgäste im Abteil saßen, kann der Mörder entkommen. Notgedrungen übernimmt Swanson die Ermittlungen und lässt seine Familie alleine weiterfahren.

 

"Es ist nur so, dass ich es für völlig absurd halte, gleich bei meinem ersten Aufenthalt in England in einen scheußlichen Mord verwickelt zu werden. Sehen Sie, ich komme aus einem Land, wo jedermann eine Waffe trägt, weil er Angst davor hat, jemand könne ihm nach dem Leben trachten. Vor meiner Abreise versicherte man mir, England sei anders. England sei sicher."

 

Die Recherchen führen zu einigem Durcheinander, welches schon bei der Identität der Leiche beginnt. Ein bei dem Toten gefundenes Schreiben zeigt zudem, dass der Ermordete offenbar ein Freimaurer war, was dazu führt, dass Swanson - selbst ein Bruder - in den eigenen Reihen ermitteln muss. Zu allem Übel steht ihm dabei ein Journalist im Weg, der die Freimaurer hasst und daher vermutet, dass Swanson die Ermittlungen nicht vorantreiben will ...

Als Nebenfiguren geben sich Arthur Conan Doyle und Abraham Stoker die Ehre.

Der neueste Fall für Inspector Swanson verläuft in den vertrauten Bahnen und mit den üblichen Polizisten an seiner Seite. Auf diese kann er sich verlassen, was sich als äußerst hilfreich herausstellen soll, da Swanson im Lauf der Ermittlungen selber unter Mordverdacht gerät. Zunächst gerät jedoch aus ganz anderen Gründen ein gewisser Abraham Stoker unter Verdacht, der mitten in der Nacht auf dem West Highgate Friedhof für seinen Roman recherchiert, der die literarische Welt aus den Angeln heben soll. Ähnlich nett auch die Gastauftritte von Arthur Conan Doyle, der darunter leidet, dass er mit seinen aktuellen Werken kaum Erfolg hat. Vielleicht hätte er Sherlock Holmes doch nicht in den Reichenbachfällen verschwinden lassen sollen.

 

"Also ich würde auf jemanden tippen, den der arme Kerl kannte."

"Was Sie nicht sagen, Sir."

"Sherlock Holmes würde ebenfalls auf jemanden tippen, der den armen Kerl kannte."

"Das dachte ich mir, Sir."

"Ich möchte mich nicht aufdrängen, Sergeant. Allerdings glaube ich, ein, zwei Dinge deduzieren zu können."

 

Die Spannungskurve ist ansprechend, die Auflösung enthält jedoch ein altbekanntes Muster. Reizvoller ist hingegen, dass es dieses Mal kleinere, wohldosierte Einblicke in die Welt der Freimaurerlogen gibt. Hier gibt es einerseits Aufklärungsbedarf, da nicht wenige Menschen mit den Freimaurern eine okkulte Sekte verbinden, andererseits ist es den Brüdern verboten, mit Profanen (Nicht-Freimaurern) über Interna zu reden. Insgesamt setzt der vierte Teil die Serie in bekannter Manier fort und verweist an manchen Stellen auf den Vorgänger (...und der Magische Zirkel). Mehr historisches Flair würde der Reihe nach wie vor gut bekommen.

Inspector Swanson und das Schwarze Museum

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