Roter Zorn

  • Droemer-Knaur
  • Erschienen: Januar 2016
  • Droemer-Knaur, 2014, Titel: 'The Beast in the Red Forest', Originalausgabe
Roter Zorn
Roter Zorn
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Carsten Jaehner
88

Histo-Couch Rezension vonNov 2016

Spannender Krimi um den vermissten Pekkala

Zwei Jahre ist es her, dass es in der Ukraine eine Explosion gegeben hat, bei der vermeintlich nicht nur das berühmte Bernsteinzimmer verbrannte, sondern auch Inspektor Pekkala verschwand. Ob das Bernsteinzimmer wirklich vernichtet wurde, lässt sich nicht mehr feststellen, dass Pekkala tot ist, scheint für seinen Chef, den Genossen Stalin, ebenso unklar zu sein, aber von größerem Interesse. Natürlich begreift Stalin das Fortbleiben Pekkalas als Beleidung an ihm selbst und schickt Pekkalas Assistenten Major Kirow los, um Pekkala zu suchen.

Von Stalins Sekretär Poskrjobyschew erhält Kirow einen winzigen Hinweis, und somit nimmt Kirows Abenteuer seinen Lauf. Mit dem Flieger macht er sich auf in die Ukraine, wo sich Pekkalas letzte Spuren verlaufen. Kirow gerät allerdings ungewollt zwischen die Fronten von Partisanengruppen und Deutschen, die sich hinter jedem Baum beschiessen. Dabei tun sich ihm allmählich Dinge auf, die aufzeigen, dass das wahre Ziel der Partisanen nicht die Deutschen sind, sondern dass es im Moskauer Kreml sitzt&

Auf der Suche nach Pekkala

Roter Zorn ist bereits Pekkalas fünfter Fall, und obwohl er zu Beginn des Romans verschollen ist, wird sich der erfahrene Leser denken, dass er früher oder später im Roman auftauchen wird, zumal die Reihe noch weitere Bände hat und man dieses Erfolgsmodell nicht so leichtfertig opfert. Auch dieser Fall besticht durch seine Randfiguren wie Stalin und seinem Sekretär mit dem wundervollen Namen Poskrjobyschew. Überhaupt hat Sam Eastland tiefrussische Namen ausgesucht, die so manchem Leser Schwierigkeiten beim Aussprechen machen dürften. Das ist dann aber auch schon fast der einzige Makel an dem Roman.

Zu Beginn des Romans wird in Briefen und Notizen die Lebensgeschichte einer weiteren Person erzählt, immer im Wechsel mit Kirows Geschichte. Bis sich die beiden Geschichten treffen und wie sie zusammenhängen, braucht eine Weile und fordert dem Leser etwas Geduld ab. Doch wenn sich alles in Logik auflöst, befindet man sich in den Tiefen und Untiefen der ukrainischen Wälder, wo hinter jedem Baum jemand mit einer Waffe lauert, und man nicht sicher sein kann, ob es Freund oder Feind oder sonstwer ist. Kirow, kurzzeitiger stolzer Träger des Smaragdauges, lernt hier mehr als er in Jahren in seinem Büro im Kreml lernen würde.

Wer ist das Biest, und was will es?

Die Gespräche im Wald mit den anderen Soldaten sorgen dann auch dafür, dass man mehr über Pekkala als Privatperson erfährt, was den Roman zu einem sehr persönlichen macht. Doch zugleich sind diese Gespräche auch sehr politisch und teilweise verwirrend, so dass die Spannung des Romans leicht nachlässt und im Mittelteil zeitweise vor sich hinplätschert. Doch auf einmal (wie, soll nicht verraten werden) geht es wieder los und die Spannung wächst und es ist wieder der Eastland und der Pekkala der vorigen Bände. Mit einem Mal wird die Handlung klar und verständlich und zu guter Letzt tickt die Uhr gegen die Zeit, und die Seiten fliegen nur so dahin.

Freunde der Pekkala-Reihe werden Roter Zorn genauso lieben die die vorherigen Bände. Der Roman heisst im Original The Beast in the Red Forest, also Das Biest im Roten Wald, was sehr viel passender den Kern des Romans trifft. Roter Wald wieder dieser Abschnitt der Ukraine genannt, die Frage ist nur, wer ist das Biest, und was genau will das Biest? Ist es der Mann, der in der zweiten Erzählebene vorkommt? Ist es Pekkala selbst? Ist es ein Partisane? Ein Deutscher? Oder jemand ganz anderes? Die Antwort scheint auf jeder Seite eine andere zu sein, wodurch der Roman einen Großteil seiner Spannung bezieht.

Der Roman reiht sich mühelos in die Reihe ein und ist bedenkenlos zu empfehlen. Allerdings empfiehlt es sich, die Vorgängerbände gelesen zu haben, zum einen, weil man es sowieso machen sollte, zum anderen, weil einige Details dann besser zu verstehen sind. Greifen Sie zu, zur ganzen Reihe, sie werden spannende Leseerlebnisse haben.

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