Die dunklen Krieger

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2015, Titel: 'Warriors of the Storm', Originalausgabe

Couch-Wertung:

95
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Carsten Jaehner
Kämpfe für und mit der Familie

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mai 2016

Uhtred von Bebbanburg ist an der Nordgrenze des Landes, das von Ragnall Ivarson bedroht wird. Ragnall fällt in das Land ein und will es erobern, und er hat ein großes Heer und viele Krieger, die für ihn in den Kampf ziehen. Uhtred hingegen hat nicht viele Krieger, untersteht dafür aber seiner Herrin Æthelflæd, Tochter von König Alfred und Herrscherin über Mercien. Ragnall hat einen Bruder, Sigtryggr, der er allerdings sein Feind ist. Und Sigtryggr hat eine Frau. Stiorra heißt sie und ist die Tochter von Uhtred von Bebbanburg.

Zwar ist klar, dass Ragnall angreifen wird, doch nicht wann und von wo. Uhtred sendet seine Boten aus, um festzustellen, was Ragnall vorhat. Als die ersten Kämpfe gekämpft sind und Ragnalls Herr dezimiert, aber immer noch übermächtig ist, beschliesst Uhtred, nach Irland zu gehen und dort Sigtryggr und seine Tochter Stiorra zu holen - gegen den Willen seiner Herrin Æthelflæd. Er stellt fest, dass Ragnall seine Männer erpresst und sie keineswegs folgsam wären, wenn sie die Wahl hätten. So erweitert Uhtred sein Heer um in den Kampf gegen Ragnall zu ziehen.

Große Erzählkunst

Bereits zum neunten Mal schickt Bernard Cornwell seinen Helden Uhtred von Bebbanburg in die Schlacht(en), und so mancher Leser vermutet, dass dies doch langweilig sein müsse, immer dieselben Leute metzeln sich durch die Schlachtfelder, der Gute siegt, es fliesst reichlich Blut, Frauen haben nichts zu sagen und am Ende wird durchgeatmet und sich auf die nächste Schlacht vorbereitet. Am Ende der Buchreihe, deren finaler Band noch nicht in Sicht ist, steht die große Vereinigung der Britischen Lande, ein England, oder Englaland, wie Alfred es sich erträumt hat. Man muss sagen, die Leser, die das vermuten, haben Recht.

Denn genau das ist es, was die Romane der Uhtred-Saga von Bernard Cornwell auszeichnet. Er erzählt aus der Sicht eines Kämpfers, wie England entstand, und das tut er ausführlich, detailgetreu und dabei äusserst unterhaltsam. Immer wieder lernt der Leser viel über die Zeit und die Sitten und Gebräuche der Sachsen, Dänen und Nordmänner, vor allem auch über die Nordischen Götter und die Christen mit ihrem einen genagelten Gott, und schon fühlt man sich hineinversetzt in das 9. Jahrhundert in Britannien, als das Leben noch so ganz anders war als heute.

Taktik und Schlachtengeschehen

Cornwells Beschreibungen von Schlachten oder auch nur kleinen Kämpfen sind eher Beschreibungen von Taktik und Überlegungen und kommen natürlich nicht ohne die eine oder andere blutige Nase (unter anderem) aus. Doch ist dies immer ein Mittel, sich in die Kämpfer hineinzudenken und nachzuvollziehen, was in Ihnen vorgeht, bevor sie sich in die Schlacht stürzen. Somit entzieht der Autor der Schlacht zwar nicht das Grauenvolle, aber er macht es persönlicher und damit verstehbarer.

 

"Wir schrecken vor der Schlacht zurück, Angst schlägt ihre Krallen in uns, die Zeit scheint stehen zu bleiben, über allem liegt eine Stille, obwohl tausend Mann brüllen, und in diesem Moment, wenn wildes Entsetzen das Herz anfällt wie ein in die Enge getriebenes Tier, muss man sich in all das Grauen stürzen.

Denn der Gegner fühlt genauso."

 

Die dunklen Krieger ist bislang der wohl familiärste Band der Reihe. Neben seinem Sohn, der auch Uhtred heisst und der tapfer mitkämpft, kehrt auch Uhtreds jüngster Sohn wieder ins Geschehen zurück. Einst verstossen, weil er Christ und zudem Priester wurde und nun Pater Oswald heisst (statt Uhtred), ist er trotzdem sein Sohn, und wenn die Zauberin Brida, einst Geliebte Uhtreds, sich des Jungen Priesters angenommen hat und ihn gequält hat, ist es an der Zeit für den Vater, sich um seinen Sohn zu kümmern und um dessen Peinigerin, jeder so, wie sie bzw. er es verdient.

Die Familie

Neben den Söhnen schart Uhtred auch seine Tochter Stiorra und seinen Schwiegersohn Sigtryggr um sich, beide haben auch eine Tochter, und was gäbe es für einen wichtigeren Grund zu kämpfen als die Familie, und das tut Uhtred ausgiebig. Zur Hilfe steht ihm wie schon so oft Finan, der tapfere Krieger, und auch sonst trifft man immer wieder alte Bekannte, die nur zu gerne ihr Schwert für den Großen Uhtred ziehen und den Nordmännern um Ragnall zu zeigen, wer Herr im Lande ist.

Mit Die dunklen Krieger hat Cornwell einen intensiven neunten Band seiner Saga geschrieben, der Fans wieder begeistern dürfte und Neugier auf den zehnten Teil macht. Die üblichen Beigaben wie Karten, Namensregister und einem erklärenden, hochinteressanten Nachwort ergänzen den hervorragenden Roman, den man sich als Cornwell-Fan und auch generell als Fan gut geschriebener historischer Romane nicht entgehen lassen sollte. 

Die dunklen Krieger

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