Brombeerblut

Erschienen: Dezember 2015

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2015, Titel: 'Brombeerblut', Originalausgabe

Couch-Wertung:

73
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Amandara M. Schulzke
Liebe im Dunkel irischer Stammeskriege

Buch-Rezension von Amandara M. Schulzke Mai 2019

982: Ceara ist mit 16 längst heiratsfähig, doch lebt sie weit von ihrer Heimat entfernt. Ihr Vater, König von Ifernan im heutigen Irland, hat sie gemeinsam mit ihrer Mutter Orla verstoßen, weil er vermutete, dass sie ein Bastard ist. Zu ihrem Schutz schickte ihre Mutter sie in die Normandie, in der sie von norwegischen Wikingern groß gezogen wurde. Eógan, ihr Vetter, erscheint überraschend, um sie an den königlichen Hof zurückzuholen. Der Vater braucht sie, um sie zu verheiraten und Bündnisse zu schmieden. Ausgerechnet der Bündnispartner stellt sich als brutaler Verräter heraus und Ceara flieht vor ihm und seinen Schergen.

Europa kurz vor der Jahrtausendwende ist ein unruhiges Völkergemisch, in dem sich die frühchristlichen Königreiche, heidnische Stämme und Stammesverbände ihre Plätze und Verbindungen sichern müssen. Die großen Raubzüge der Wikinger sind vorbei, sie haben sich nicht nur in ihre Ursprungsgebiete zurückgezogen, sondern siedeln auch in den ehemals bekriegten Gebieten und haben sich mit den Einheimischen versippt, verschwägert und verbrüdert. Letzteres gilt ebenso für die letzten keltischen Stämme, die  zwar christianisiert wurden, trotzdem an einem Teil ihres heidnischen Glaubens und ihrer Rituale festhalten.

Ausgezeichnet recherchiert

In diese aufregende Zeit packt Cornelia Briend ihren Debütroman, deren historischen Hintergrund sie ausgezeichnet recherchiert hat. Mühelos ist es anfangs als Leser nicht, die komplizierten politischen Verhältnisse zu durchblicken. Neben dem ausführlichen Personen- und Ortsregister und zusätzlichen Informationen hätte eine Landkarte das Verständnis weiter vereinfachen können.

Die Autorin schreibt locker und flüssig und verblüfft an vielen Stellen durch wortgewaltige, reizvolle, ja sogar poetische Bilder. Die Landschaft Irlands entsteht fabelhaft vor dem geistigen Auge des Lesers. Briend lässt die Lebensweise der Zeit lebendig werden. Mit Sachverstand und Liebe erfährt der Leser viele Dinge scheinbar nebenbei, die den Alltag ausgemacht haben wie zum Beispiel das Leben in einem Spital und Einzelheiten über die Heilkunde. Der Leser bekommt einen Einblick in das Rechtssystem, nicht in Form aufgesetzter Belehrungen, sondern organisch in die Handlung des Romans eingebunden.

„In diesem abscheulichen Krieg will sich jeder ständig für etwas rächen, was der andere getan hat, und irgendwann weiß niemand mehr, wer eigentlich angefangen hat und warum.“

Ceara ist eine junge mutige Frau, die nicht so recht weiß, wo sie hingehört. Ihren Weg, zu sich selbst und ihren Platz zu finden, Verletzungen und Verrat zu erleiden und zu genesen, davon handelt empathisch dieses Buch. Allerdings scheint die seelische Heilung zu mühelos und zu schnell, als hätte die Protagonistin nicht ein schweres Traumata erlitten. Das wirkt trotz aller Liebe etwas unglaubwürdig.

Einfühlsame Beschreibungen

Die Nebencharaktere, die ihr zur Seite stehen, und ihre Entwicklung beschreibt die Autorin einfühlsam. Allen voran die des Clanchefs und Heilers Finn, der zwei gegensätzlichen Rollen gerecht werden muss, zwischen zwei Berufen hin- und hergerissen ist und ein trauriges Geheimnis in sich trägt. Die Handlungsweise ihrer Mutter bleibt unverständlich.

Schnelle Handlungen und Ereignisse wechseln sich ab mit ruhigeren Passagen. „Brombeerblut“ lässt den Leser oft den Atem anhalten und beschert ihm Albträume genauso wie romantische und zu Herzen gehende Momente. Ein Wermutstropfen findet sich im Klischee zu oft gelesener und bedienter Umstände wie das Verhalten des Vaters und Königs und die Brutalität der Verräter.

Fazit:

Für Freundinnen einer in ein historisches Umfeld eingebetteten Liebesgeschichte ist der Roman unbedingt empfehlenswert. Im März 2019 ist „Raureifzeit“, der zweite Band, erschienen. Der erste Teil endet ungewöhnlich und inspiriert, Cearas Geschichte weiter zu verfolgen.

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