Madame Picasso

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • Aufbau, 2014, Titel: 'Madame Picasso', Originalausgabe

Couch-Wertung:

93
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Rita Dell'Agnese
Versöhnung mit einem schwierigen Künstler

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Mär 2015

Eva Gouel ist jung und lebenshungrig. Anstatt den von ihren Eltern vorgesehenen Mann zu heiraten, flüchtet die junge Frau aus der Provinz nach Paris. Durch ihre Freundin, eine junge Tänzerin namens Sylvette, auf eine freie Stelle als Näherin beim Moulin Rouge aufmerksam gemacht, kann sich Eva Gouel, die sich in Paris Marcelle Humbert nennt, unentbehrlich machen. Durch ihre Verbindung zum Star der Tanzshow, Mistinguett, kommt Eva  1911 in den Gesellschaftskreis, in dem sich auch der junge, aufstrebende Künstler Pablo Picasso bewegt. Eva verliebt sich unsterblich in den faszinierenden Mann, in dem sie eine dunkle, unglückliche Seele wahrnimmt. Sie versucht, ihm auszuweichen, als sie erfährt, dass er seit Jahren mit der faszinierenden Fernande Olivier zusammen ist. Doch die Anziehung zwischen den beiden ist zu groß. Erst recht, als sich zwischen Fernande und Picasso eine Trennung abzeichnet. Doch Eva Gouel wird von den Freunden Picassos nicht willkommen geheißen. Nur wenige können seinen Bruch mit Fernande verstehen und akzeptieren. Doch Eva obwohl zielstrebig immer liebreizend vermag es nach und nach, ihre Stellung zu festigen. Doch da bricht ihre Welt in sich zusammen Eva wird krank und befürchtet, Picasso nicht mehr fesseln zu können.

Viel Fiktion, aber schlüssig erklärt

Anne Girard hat sich für ihren Roman um die zweite Frau in Picassos Leben sieht man mal von zahlreichen Geliebten ab viele künstlerische Freiheiten genommen. Unter anderem verändert sie auch das Krankheitsbild, unter dem Eva litt. Allerdings hat sie eine schlüssige Erklärung bereit, weshalb in den öffentlich zugänglichen Quellen von Tuberkulose gesprochen wird. Hier wird der Leser nie ganz gewiss sein können, ob es Anne Girard bei ihren umfangreichen Recherchearbeiten gelungen ist, eine authentische Version der Ereignisse aufzustöbern oder ob die Veränderung des Krankheitsbildes wie auch viele andere Details rein auf künstlerischer Freiheit fußt.

Fürsorglicher Egoist

Pablo Picasso wird von Anne Girard als ein ganz anderer Mensch dargestellt, als er in der Öffentlichkeit heute wahrgenommen wird. Zwar verschweigt sie die vielen Eskapaden des Malers ebenso wenig, wie die dunkle Seite seiner Seele, die ihn zwar immer wieder in eine Schaffensphase zwingt, ihn aber gleichermaßen zu einem Egoisten macht.  Doch zeigt sie auch eine andere Seite von ihm auf, eine fürsorgliche und großzügige. Denn so, wie Anne Girard die Liebesgeschichte zwischen Eva und Picasso skizziert, so will man sie wohl am liebsten glauben. Es ist eine Liebe, die ganze Welten verschiebt, die den rastlosen Künstler zu einem zielstrebigen Charakter macht und der kleinen Eva Gouel oder Marcelle Humbert viel Kraft verleiht. Damit schafft Anne Girard, was sie Eva im Laufe des Romans zuschreibt: Die Versöhnung mit einem schwierigen Künstler. Auch wenn die Überlieferungen bei vielen Interpretationen von Anne Girard ernsthafte Zweifel aufkommen lassen, so erzählt sie dennoch eine wundervolle Liebesgeschichte, die unabhängig von der Berühmtheit der Charaktere bemerkenswerten Lesestoff bereit hält.

Wunderschöne Charakterzeichnung

An sich steht Eva Gouel im Zentrum des Romans. Und doch ist es auch hier so, dass ihr Picasso selber fast ein wenig die Show stiehlt. Lange mag sich der Leser fragen, wie es dem Mädchen gelingt, zur Näherin, die aus der Provinz nach Paris gekommen ist, zur Lebenspartnerin eines der bedeutendsten Künstler aufzusteigen. Dies erst recht zu einer Zeit, in der es nicht einfach war, die herrschenden Gesellschaftsnormen zu durchstoßen und den Sprung nach oben zu schaffen. Anne Girard verwöhnt ihre Leserinnen und Leser aber auch mit einer Fülle von bekannten Künstlern des Paris in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. So erzählt sie mit ihrer Liebesgeschichte gleichzeitig sehr viel von Leuten wie Leo und Gertrude Stein, Georges Braque, Matisse, Max Jacob oder Guillaume Apollinaire. Sie alle bekommen durch die Erzählung von Anne Girard eine wundervolle Lebendigkeit.

Gelungene Hörbuchfassung

Zum Roman aus dem Aufbau-Verlag ist mehr oder weniger zeitgleich auch das Hörbuch des Verlags D-A-V erschienen. Ulrike Hübschmann liest eine gekürzte, wenn auch 511 Minuten dauernde Fassung. Dies in einer so gekonnten sprachlichen Umsetzung, dass sie Girards Roman zusätzliche Tiefe verleiht. Wermutstropfen ist einzig die Kürzung es geht gegenüber dem geschriebenen Roman die eine oder andere Szene verloren, um die es schade ist. Die Sprecherin ist allerdings eine glückliche Wahl für diese Liebesgeschichte und vermag es insbesondere, der Protagonistin Eva einen ganz speziellen Zauber zu verleihen. So wird auch der Hörbuch-Fan nicht nur auf seine Kosten kommen, sondern über acht Stunden in eine ganz besondere Welt eintauchen können.

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