Germania

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Droemer-Knaur, 2013, Titel: 'Germania', Originalausgabe

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Jörg Kijanski
Ein jüdischer Kommissar auf Serienmörderjagd - im Frühsommer 1944

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2013

Immer wieder flüchten die Menschen in die Luftschutzbunker, da die unzähligen Luftangriffe kein Ende finden wollen. Die Illusion vom Endsieg ist schon längst nicht mehr bei allen Bürgern der Reichshauptstadt präsent. Richard Oppenheimer scheint derweil ein viel größeres Problem zu haben, als er eines Morgens aus seinem Judenhaus geholt wird. Doch zu seiner Überraschung soll er nicht deportiert werden. Vielmehr wird der frühere Mordkommissar, der seit Jahren seinen Beruf nicht mehr ausüben darf, an den Schauplatz eines grausigen Verbrechens gebracht. Eine junge Frau wurde brutal ermordet und vor einem Kriegerdenkmal abgelegt. SS-Hauptsturmführer Vogler, der die Ermittlungen leitet, fordert Oppenheimer zur Mitarbeit auf. Kurzzeitig denkt Oppenheimer an Flucht, doch sein alter Jagdinstinkt ist stärker. 

 

"Es geht um einen Kriminalfall."

"Moment, was soll das hier? Hat der Jude was zu sagen."

 

Schnell stellt sich heraus, dass ein Serienmörder am Werk ist. Aber anders als erwartet will hier offenbar kein Regimegegner das Dritte Reich vorführen, sondern ein lupenreiner Nazi für die Reinhaltung seiner Rasse kämpfen. Die Zeit läuft den beiden ungleichen Ermittlern davon, weitere Opfer lassen nicht lange auf sich warten und während der Kriegsverlauf zunehmend den Alliierten in die Hände spielt, erkennt Oppenheimer, dass es für ihn selbst knapp wird. Findet er den Täter nicht, wird er zur Verantwortung gezogen und wenn er den Fall löst, braucht man ihn auch nicht mehr…

Die Romanhandlung wird in die politischen Ereignisse ihrer Zeit grandios eingebettet

Germania von Harald Gilbers springt aus der Masse der Serienmörderromane hervor, was vor allem an den auffallend ungleichen Protagonisten liegt. Hauptsturmführer Vogler ist ein junger, ehrgeiziger Emporkömmling, der sich Intrigen und einem starken Konkurrenzkampf innerhalb der SS ausgesetzt sieht. Daher kommt er auf die Idee, den ehemaligen jüdischen Mordkommissar Oppenheimer zu reaktivieren, da er diesen permanent unter Druck setzen kann. Oppenheimer kämpfte im Ersten Weltkrieg in der Schlacht von Verdun, ermittelte später unter dem legendären Kommissar Ernst Gennat (vgl. "Der Kommissar vom Alexanderplatz" von Regina Stürickow) und war sogar an der Jagd nach Carl Großmann (vgl. "Die Bestie vom Schlesischen Bahnhof" von Horst Bosetzky) beteiligt; einem gefürchteten Berliner Serienmörder, vergleichbar mit Fritz Haarmann und Peter Kürten. Ein ebenso brutaler Mörder wir nun gesucht.

 

"Berlin ist eine Stadt der Warenhäuser. Hier war’n Haus. Da war’n Haus."

 

Ein jüdischer Ermittler im Jahr 1944 klingt zunächst unglaubwürdig, doch Oppenheimers Frau Lisa ist eine Arierin und so genießt er (noch) den Schutz der Mischehe. Doch längst werden jüdische Mitglieder derartiger Lebensgemeinschaften deportiert. Zudem trägt der ruhige Erzählstil von Harald Gilbers dazu bei, der Geschichte die notwendige Glaubwürdigkeit zu vermitteln. Diese spielt in der Zeit vom 7. Mai bis 25. Juni 1944 in Berlin und so erleben die Einwohner der Reichshauptstadt nicht nur unzählige Luftangriffe, sondern auch den Einsatz der V1 gegen London sowie die (weit entfernte) Landung der Alliierten. Die damaligen politischen Ereignisse bilden einen lebendigen Rahmen für die spannende Kriminalhandlung.

Ein packender, breitgefächerter Bilderbogen

Immer wieder zieht es Oppenheimer zu seiner alten Bekannten Hilde. Diese hat reich geerbt, beste Kontakte in hohe Kreise, welche nicht unbedingt als linientreu bezeichnet werden können und als Ärztin ein ausgewiesenes Interesse an der Psyche von pathologischen Mördern. Kein Wunder also, dass Oppenheimer den aktuellen Fall lieber mit Hilde bespricht als mit dem unerfahrenen Vogler, zumal dessen Ziele nicht ganz durchsichtig sind.  

Neben den politischen Ereignissen, den Vergleichen zu den genannten Serienmördern und dem ungleichen Ermittlerduo, gibt es noch eine interessante Spur, die zu dem Lebensborn e.V. führt; einer größeren Ansammlung von Kinderheimen, in denen ein auserwählter Nachwuchs für die Zeit nach dem Endsieg aufgezogen werden soll. Ein weiteres, sehr gut wiedergegebenes Detail ist das permanente Ränkespiel in den unterschiedlichen Gliederungen wie SS, SD, RSHA, Gestapo und Nachrichtendienst. Nicht selten gibt es zwei vergleichbare Organisationen, die ähnlich gelagerte Befugnisse haben und sich dabei gegenseitig mit ihren Eifersüchteleien lahmlegen anstatt ihrer eigentlichen Arbeit nachzugehen.

Wer sich für das Dritte Reich interessiert, findet hier einen ebenso unterhaltsamen wie informativen und spannenden Roman, der – sauber recherchiert – einen breiten Bilderbogen der damaligen Zeit aufschlägt. Auf weitere Bücher des 1969 geborenen Autors darf man sich (hoffentlich) freuen.

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Letzte Kommentare:
30.03.2014 16:24:44
Petzer Hyra

Berlin 1944. Tägliche Bombenangriffe und das nahende Ende des 3.Reiches. In diese Kulisse setzt Harald Gilbers seinen Kommissar Oppenheimer, den besten Ermittler der Berliner Kripo. Doch er ist Jude. Eine paradoxe Situation. Daraus wird ein sehr spannender und vor allem leicht lesbarer Kriminalroman, der neben der Schilderung der Zeit und ihren Eifersüchteleien der staatlichen Stellen auch eine persönliche Note hat. Für die zeitgeschichtlich interessierte Leserschaft ein Muss.
Der Schreiber dieser Zeilen hat den Roman mehr oder minder in einem Zug ausgelesen, da er ihn nicht mehr los gelassen hat.

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