Die Tränen der Henkerin

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Lübbe, 2013, Titel: 'Die Tränen der Henkerin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Carsten Jaehner
Konsequente Fortsetzung der Henkerin-Geschichte

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Mär 2013

Rottweil im Jahr 1332. Das Ehepaar Wendel und Melissa Füger hat mit Gertrud eine knapp zweijährige Tochter, der Weinhandel läuft gut, doch Melissa hat ihrem Wendel nicht alles über ihre Vergangenheit erzählt. Zwei Jahre zuvor hat sie ihren Widersacher Ottmar de Bruce getötet, der einst ihre Familie getötet hat. Sie musste fliehen und sich als Henker unerkannt verdingen, damit sie überleben und ihre Rache schmieden konnte. Von all dem weiß ihre Familie nichts.

Doch Wendels Vater ist misstrauisch und überwirft sich deswegen mit seinem Sohn und mit seiner eigenen Frau. Zudem schmiedet die Witwe von Ottmar de Bruce, Othilia von Hohenfels, gemeine Pläne, um sich an Melissa, die eigentlich Melisande heisst, zu rächen. Doch auch der intrigante Konrad Sempach, der schmutzige Geschäfte abschliesst, hat es auf Melisande abgesehen.

Nach und nach zieht sich die Schlinge um Melisande immer mehr zu , und als sie wieder schwanger ist und ihre kleine Tochter entführt wird, tauchen plötzlich Dinge und Gegenstände aus ihrer Vergangenheit auf. Als sie Wendel ihre Vergangenheit gesteht, verstösst er sie und gibt somit seinem Vater recht, der es ja immer geahnt hat. Doch die Entführung der Tochter bringt die Familie auf und man weiß nie genau, wer eigentlich dahinter steckt...

Kantige Bösewichte

Die Tränen der Henkerin ist die Fortsetzung des Romans Die Henkerin dessen Autorenduos Sabine Martin, und sie setzen ihren Erstling konsequent fort. Zwar ist die Lektüre des ersten Bandes für das Verständnis nicht unbedingt notwendig, aber dennoch hilfreich, um vollends der Geschichte folgen zu können und auch kleinere Details zu verstehen.

Das Buch schliesst an den ersten Teil an und bedient sich auch derselben Personen. Einzig de Bruces Witwe Othilia von Hohenfels bekommt eine tragende Rolle als intrigante, rachelüstige Furie, die Melisande nicht nur beseitigen, sondern zuvor noch ordentlich quälen und leiden sehen will. Somit ist sie ein Bösewicht par excellence. Sie holt dafür ihren Handlanger Eberhard von Säckingen in ihr Bett, ein Ritter, der ihr hörig ist und ihre Aufträge ausführt, ehe er feststellt, was er da eigentlich macht. Somit erhält gerade er einige Facetten, die für einen Bösewicht ausnahmsweise nicht nur schwarz/weiß sind, sondern auch noch Farbtöne dazwischen haben.

Viele interessante Figuren

Auch Wendels Familie hat einige interessante Persönlichkeiten zu bieten. Vor allem Wendels Eltern bringen Würze in den Roman. Katarina stellt sich als Mutter auf die Seite ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter, während der Vater Erhard Füger stets darauf beharrt, dass die Metze Melissa, seine Schwiegertochter, alle noch ins Unglück stürzen wird und alle verhext hat und er der einzige ist, der noch den Durchblick hat. Immerhin wird er dafür von seiner Frau vor die Tür gesetzt, und so stechen die beiden nicht nur durch ihre prägnanten Wortwechsel hervor, die köstlich zu lesen sind.

Als Hauptfiguren stehen Wendel und Melisande im Mittelpunkt. Wendel ist ein braver Weinhändler, der sich mit seinem Vater wegen Melisande entzweit hat, sonst aber recht erfolgreich ist, und auch privat läuft es eigentlich gut: Er ist glücklich verheiratet, sie haben eine fröhliche Tochter und ein weiteres Kind ist unterwegs. Er weiß, dass seine Frau ihm etwas verschweigt, da er nicht nach ihrer Vergangenheit fragen soll, aber er akzeptiert es, da er ja so, wie es ist, glücklich ist. Melisande ist eigentlich auch glücklich, hört nur bei jedem Kommentar und sieht bei jeder Situation, die nur ansatzweise ähnlich wie ihre Vergangenheit ist, gleich das Gras wachsen und wirkt daher streckenweise übernervös. Das und ihr ständiges Lamentieren darüber, dass hoffentlich ihre Vergangenheit nicht herauskommt und wie schlecht es ihr doch gehen wird, wenn Wendel davon wüsste, wird auf Dauer doch nervig, zumal es sehr häufig vorkommt und seitenweise geht und nur wieder anders formuliert wird, bis es auch der letzte Leser mitbekommen hat. Hier hätte deutlich gekürzt werden können.

Ansonsten ist der Roman geschickt und spannend aufgebaut, wenn man von diesen nervigen Schwächen absieht. Ziemlich in der Mitte der Romans wird die Tochter entführt und Melisande gesteht Wendel ihre Vergangenheit, und von da an nimmt der Roman ordentlich an Fahrt auf, während die erste Hälfte zwar darauf hinauslief, dies aber zum Teil doch mit einer gewissen Trägheit vollbrachte. Wenn das Böse erst einmal aufwacht und sich formiert, ist immer etwas los.

Gut zu lesen

Sprachlich überzeugt der Roman über weite Strecken, wenngleich dem Autoren der eine oder andere Modernismus unterkommt, was zwar nicht besonders tragisch, trotzdem aber vermeidbar wäre. Er liest sich flott und ohne Schnörkeleien und ist dazu gerade in der zweiten Hälfte auch noch spannend, zumal es einige Sackgassen, Überraschungen und Wendungen gibt, die vorher nicht zu erahnen waren.

Insgesamt ist Die Tränen der Henkerin ein lohnenswerter Roman, vor allem dann, wenn man auch den Vorgänger gelesen hat. Die Autoren nehmen die Handlung des ersten Teils auf und führen sie konsequent weiter. Viele Charaktere sind entweder gut oder böse, wie es das Klischee so hergibt, es gibt auch Ausnahmen, die den Leser zu überraschen verstehen. Ein Glossar am Ende und eine Karte am Anfang des Romans ergänzen eine gefällige Lektüre, die Lust auf mehr aus der Feder des Autorenpaares macht.

Der Verlag hat sich erlaubt, auf das Buchcover einige Tränen zu stanzen, was die Gefahr birgt, dass Leser meinen könnten, es handele sich um ein schnulziges Drama. Eine Art Drama ist es, ja, aber nicht schnulzig, daher muss man keine Angst haben, hier einen triefenden Liebesroman zu lesen.

Die Tränen der Henkerin

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