Zeitpunkt.
31.05.1811

Der Schneider von Ulm stürzt in die Donau

Albrecht Ludwig Berblinger kam am 24. Juni 1770 als siebtes Kind seiner Eltern in Ulm zur Welt und hatte wohl durch den Beruf seines Vaters, der im städtischen Zeughaus arbeitete, früh Berührung mit mechanischen Geräten. Als er 13 Jahre alt war, starb sein Vater und er kam ins Waisenhaus, wo er gezwungen wurde, eine Schneiderlehre zu beginnen. Mit 12 beendete er diese, interessierte sich aber eigentlich doch mehr für Mechanik und entwickelte Beinprothesen, erstmals auch mit Gelenk, was 1808 vorgestellt wurde. Er entwickelte einen Hängegleiter, den er nach Beobachtung des Fluges von Eulen erbaute und der ihm den Gleitflug erlauben sollte. Friedrich I., König von Württemberg, spendierte gar 20 Louis d’or und wollte im Mai 1811, als er in Ulm weilte, den Flugapparat in Aktion sehen. Berblinger, von allen Ulmern belächelt und als Spinner abgetan, musste den Flug wegen den Windverhältnissen um einen Tag auf den 31. Mai verschieben. Der König jedoch war am Vortag abgereist, sein Bruder jedoch beobachtete das Geschehen. Berblinger verzögerte den Sprung immer weiter, da der Wind nicht richtig war, schließlich wurde er von einem Gerüst in 33 Metern Höhe angeschubst und landete, da er das Gerät nicht unter die gewohnte Kontrolle bekam, in der Donau. Dem Absturz folgte auch ein sozialer, die Kunden seiner Schneiderei blieben aus und am 28. Januar 1829 starb er völlig verarmt und ausgezehrt im Ulmer Hospital.

Ein Zeitpunkt. von Carsten Jaehner
Foto: © istock.com/SLA-central

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