Zeitpunkt.
20.07.1936

Start des ersten olympischen Fackellaufs in Griechenland

Berlin hatte sich erstmals für die Olympischen Spiele 1916 beworben, die aber wegen des Ersten Weltkriegs abgesagt werden mussten. Auf einer Sitzung des IOC 1931 gab es eine Stichwahl zwischen Berlin und Barcelona, die Berlin für sich entschied. Zu dieser Zeit der Weimarer Republik erschien eine Vergabe nach Berlin noch unbedenklich, was sich nach der sogenannten Machtergreifung 1933 änderte und zahlreiche Länder einen Boykott der Spiele überlegten oder eine Verlegung nach Wien diskutierten. Erst nach einer Zusage der Teilnahme der USA im Dezember 1935, der sich viele andere Länder anschlossen, garantierte die Spiele ohne Imageverlust für das Deutsche Reich. Die Idee zum Fackellauf hatte der jüdische Archäologe und Sportfunktionär Alfred Schiff, diese wurde von Carl Diem umgesetzt. Im antiken Griechenland hatte es keine solche Fackelläufe gegeben. Inspiriert durch das erste olympische Feuer bei den Spielen 1928 in Amsterdam und durch den antiken Wettbewerb, einen Lauf mit Fackel zu veranstalten, ohne dass die Flamme ausgehen durfte, entwickelte die Firma Krupp Fackeln in Form eines Ölblattes aus Holz und Metall. In einer Zeremonie, in der Schauspieler wie antike Priester gewandet sind, entzündeten diese das Feuer im griechischen Olympia mit einem Hohlspiegel. Die erste Station ist traditionell das antike Panathinaikos-Stadion in Athen, wo auch 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit stattfanden. Ab hier ändert sich jedes Mal die Route in Richtung des Austragungsortes. 1936 trugen 3331 Läufer die Fackeln über 3187 Kilometer ununterbrochen in zwölf Tagen und elf Nächten ins Berliner Olympiastadion, wo das olympische Feuer schließlich am 1. August während der Eröffnungsfeier von dem Leichtathleten Fritz Schilgen entzündet wurde. Der Fackellauf ist bis heute Bestandteil der olympischen Zeremonie geblieben, da sie eine politisch neutrale Handlung darstellt. Der erste Fackellauf für Olympische Winterspiele fand erst 1952 nach Oslo statt.

Ein Zeitpunkt. von Carsten Jaehner
Foto: © istock.com/lakshmiprasad S

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