TV-Serie:
Poldark - Staffel 2

Serien-Spezial von Carsten Jaehner (08.2019)/ Titelbild: © Edel Germany GmbH

Liebe, Leid und Leidenschaft im vorindustriellen Cornwall

Cornwall, 1790. Während in Frankreich die Revolution tobt, bekommt man auf den Britischen Inseln noch nicht viel davon mit, abgesehen vom Schmuggel von Warengütern und ersten Ansätzen von neuen Ideen. Ross Poldark, zuvor als Aufständischer angeklagt, wird im entsprechenden Prozeß gegen ihn freigesprochen, sehr zum Ärger seines Gegners George Warleggan, der ihn und seine Familie gerne vernichten würde. Ein weiterer Schritt für Warleggan ist, sich anonym in die Mine einzukaufen, die Poldark zu Teilen mit gehört.

Doch Poldark riecht Lunte und lässt sich auszahlen. Sein Geld investiert er zusammen mit seinem Cousin Francis in eine neue Mine, die entgegen allen Vermutungen tatsächlich bald Gewinn abwirft. Doch in dem Moment, als der Erfolg die Familie Poldark retten könnte, stirbt Francis bei einem Minenunfall. George Warleggan sieht eine Gelegenheit, sich an die frische Witwe Elizabeth heranzumachen, die einst die Geliebte von Ross Poldark war. Und Ross‘ Frau Demelza hadert mit den Schmuggelversuchen ihres Mannes…

Die Schlagzahl der Intrigen wächst

Es tut sich was in Cornwall, und der Zuschauer ist mit dabei, wenn sich das Leben der Familie Poldark, die nicht unbedingt vom Glück verfolgt werden, weiterspinnt. Die zweite Staffel der Neuverfilmung setzt dort ein, wo die erste mit einem Cliffhanger geendet hat, nämlich mit dem Prozeß gegen Ross Poldark, der hier innerhalb der ersten beiden Folgen abgehakt und Ross freigesprochen wird, auch Dank der Fürsprache seines Cousins Francis, die nun versuchen wollen, als Familie besser zusammen zu arbeiten, schließlich hat man in dem jungen smarten Emporkömmling George Warleggan einen gemeinsam Feind. Immerhin ist George auch Pate von Francis‘ Und Elizabeths Sohn, doch eines abends entsagt ihm Francis diese Patenschaft, doch leider bekommt das niemand mit.

Die Serie erzählt nicht nur die Geschichte der Familie Poldark und der Region Cornwall Ende des 18. Jahrhunderts, sondern besticht vor allem auch durch die ausladenden Naturaufnahmen der Küste und der Historizität der Gegend. Hier werden alte Dörfer und auch Minen wieder zum Leben erweckt, die dem Zuschauer die harte Arbeit der Zeit näherbringen und so ist alles sehr authentisch, was da vom Bildschirm in die Wohnzimmer flimmert. Hier haben die Ausstatter ganze Arbeit geleistet (interessant in den Extras der Rundgang durch den Set, sehr zu empfehlen).

Der Held wird der Bösewicht

Just, als die Handlung, die zehn Folgen umfasst, droht, dahinzuplätschern und mehr oder weniger eine Wiederholung der ersten Staffel zu werden droht, kommt das eine Ereignis, das den Zuschauer überrascht und das auch leider als Spoiler hier erwähnt werden muß: Francis stirbt bei einem Minenbeben, und alles im Ort muß neu geregelt werden. Ohne diese Wendung wäre die Serie bestimmt langweilig geworden, da bis dahin neue Ideen Mangelware waren. Mit dem Tod dieser Hauptfigur hingegen öffnen sich neue Räume und Gelegenheiten, gerade was nun seinen Witwe Elizabeth betrifft. In ihrem Feind George Warleggan hat sie einen unerwarteten Verehrer, ist sie doch eigentlich immer noch in Ross verliebt, der ja aber mit Demelza verheiratet ist… Eine komplizierte Vier- bis Fünfecksgeschichte, und Ross Poldark agiert hier nicht immer glücklich und wirkt direkt unsympathisch, man möchte ihn tatsächlich (wenigstens) ordentlich durschütteln und ohrfeigen für seine Taten. Hier wird der Held der Serie fast der Bösewicht, dargestellt von Aidan Turner, der erstaunlich wenig Reue zeigt und der die eine oder andere neue Gesichtsmine mehr hätte auflegen können. Dass er seine Frau nicht versteht, die ihn nun verachtet, macht ihn nur noch umso dümmer und in den Augen der Zuschauer zu einem Idioten. Kein Wunder, dass Demelza ihm mehr als die kalte Schulter zeigt.

Ein weiterer Handlungsstrang verfolgt den Arzt des Dorfes, Dr. Dwight Enys und die adelige Caroline Penvenen, Nichte und Mündel von Ray Penvenen, gespielt von John Nettles, den viele Zuschauer wohl noch als den ersten Inspector Barnaby in Erinnerung haben. Da Dr. Enys nichts lieber ist als Arzt und sich für die Bewohner des Dorfes und die Minenarbeiter einsetzt, ist er nichts standesgemäß geeignet für eine blaublütige reiche Dame wie Caroline. Dennoch verlieben sie sich ineinander und jeder erhält Einblicke in die Welt des anderen, was auch beim Publikum eine unerwartete Erweiterung in die jeweiligen Denkweisen gibt. Onkel Ray sieht das leider nicht so und ist strikt gegen eine Hochzeit. Dieser zweite Handlungsstrang ist eine willkommene Erweiterung der Poldark-Reihe, zeigt sie doch weitere Aspekte des gesellschaftlichen Lebens zu dieser Zeit auf.

Fazit:

Die aus zehn Folgen betehende zweite Staffel der Serie „Poldark“ besticht erneut durch faszinierende Landschaftsaufnahmen und eine große Authentizität und Historizität. Freunde von englischen Land- und Landscape-Serien werden hier auf allen Ebenen bedient und können sowohl wundervolle Bilder als auch Intrigen und Freud und Leid und Leidenschaft erleben. Kurz bevor die Staffel in die absolute Langeweile abzudriften droht, dreht sie auf und dreht die Charaktere der Serie ordentlich durcheinander. Da längst nicht alle Konflikte und Geschichten fertig erzählt sind, hofft man auf Staffel drei, die gerne wieder so abwechslungsreich sein darf wie die zweite Hälfte von Staffel zwei. Die einstündigen Extras auf der DVD bieten interessante Einblicke in die Dreharbeiten.

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Winston Graham auf Histo-Couch.de