Die letzte Schlacht von Ulf Schiewe

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Originalausgabe erschienen 2018unter dem Titel „Die letzte Schlacht“,, 512 Seiten.ISBN 3-426-52004-4.

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Kurzgefasst:

AD 1042: In Konstantinopel tobt ein blutiger Volksaufstand. Der verhasste, neue Herrscher verschanzt sich im Palast, wo er die Kaiserin Zoe gefangen hält. Harald kämpft, um sie zu befreien und den Despoten abzusetzen. Schließlich zieht es ihn in die Heimat. Auf abenteuerliche Weise gelangt er nach Kiew, wo er Elisif, die Tochter des Großfürsten, heiratet, die all die Jahre auf ihn gewartet hat. Mit seinem Beutegold wirbt er ein Heer an und segelt mit ihr nach Norwegen, um sich zum König zu machen. Doch dort hält sein Neffe Magnus den Thron besetzt.

Ihre Meinung zu »Ulf Schiewe: Die letzte Schlacht«

Jana68 zu »Ulf Schiewe: Die letzte Schlacht«18.03.2018
„Die letzte Schlacht“ ist der abschliessende Teil von Ulf Schiewe’s dreibändigen Romanzyklus „Herrscher der Nordens“ über die historische Person Harald „Hardrada“ Sigurdsson (1015 - 1065).

Zwischen dem Ende des 2. und dem Beginn des 3. Bandes liegt kein Zeitsprung. Harald kämpft zunächst für die Befreiung Byzanz vom Joch des diktatorischen Kaisers. Durch seinen Sieg ist er eigentlich sowas wie ein Held in Konstantinopel. Aber Harald verpasst den Zeitpunkt, rechtzeitig zu gehen, um nun seine eigene Ziele zu verfolgen. Als er sich endlich dazu entschließt, will man ihn nicht gehen lassen und so verlässt er Byzanz nicht etwa als Held sondern fluchtartig und unter Kampfbedingungen.
In Kiew heiratet er Elisif und mit ihr an seiner Seite macht er sich schließlich auf in die Heimat. Beinah täglich führt er einen inneren Kampf, denn er sieht sich als der wahre König von Norwegen. Doch er hat seinem Bruder einen Schwur geleistet, dessen Sohn Magnus auf dem Thron zu akzeptieren und zu schützen.
Er entschließt sich zu einem Bündnis mit dem Dänen Sweyn, das jedoch nicht auf Vertrauen oder Loyalität basiert, sondern ein Zweckbündnis ist, bei dem beide eigene Interessen verfolgen. Während der folgenden Raubzügen wird deutlich, das Haralds Hemmschwelle gesunken ist und viel mehr Brutalität ausschließlich zur eigenen Bereicherung zu Tage tritt. Allmählich bildet sich Harald als der Harte heraus, wie man ihn später im Beinamen nannte. Selbst Sklavenhandel ist kein Tabu mehr, das wäre zu Zeiten von Aila an seiner Seite völlig undenkbar gewesen.
Sehr zu meiner Überraschung bietet sein Neffe Magnus, den man auch den Guten nennt, ihm dann eine Teilung der Macht an. Zwar ist das nun nichts halbes und nichts ganzes, dennoch hätte Harald damit zunächst mal leben können. Dann stirbt Magnus völlig unerwartet und Harald wird zum König und alleinigen Herrscher Norwegens. Doch der Weg zum König führt nur über einen Frieden, der in der Eheschließung zwischen Tora und Harald zum Ausdruck gebracht werden soll.
Das führt zu einem Bruch mit Elisif, die zwar seine Frau bleibt, sich von ihm aber abwendet und nur noch auf repräsentativer Ebene an seiner Seite steht. Auf dem Höhepunkt seiner Macht ist der König von Norwegen ein unglücklicher und einsamer Mann, der sich fragt, ob es das eigentlich wert war. Ernüchterung, Enttäuschung und Selbstzweifel machen sich breit. Er hat viel aufs Spiel gesetzt, hoch gepokert und alles seinem Ziel, König zu sein, untergeordnet. Und in der Tat hat er dabei viel verloren.
Ganze 18 Jahre dauert es, ehe beide wieder zueinander finden und gerade, als sie ein neues gemeinsames Leben beginnen, entschließt sich Harald zu einem erneuten Feldzug gegen England, dessen Krone ihm der Erbfolge nach ebenfalls zusteht. Noch einmal will er mit seinen Gefährten das tun, was sie früher immer getan haben, noch einmal will er sich fühlen wie einst, jung und hungrig nach Abenteuern, noch einmal will er siegreich sein. Es wird seine letzte Schlacht werden.

Auch dieser dritte Teil steht seinen beiden Vorgängern in nichts nach, die Bände sind quasi aus einem Guss geschrieben, sodass der Erzählstil genauso bildgewaltig und fesselnd weitergeht wie gewohnt. Harald selbst erzählt seine Geschichte in der Gegenwartsform, wodurch man sich als Leser stets mittendrin fühlt und sich gut in Harald hineindenken kann. Die geradlinige und bildhafte Erzählweise, welche die Umgebung und Stimmung gut einfängt und sehr atmosphärisch wiedergibt, zählt für mich ohnehin zu den großen Stärken des Autors. Bei der Lektüre seiner Bücher läuft in meinem Kopf tatsächlich Kino ab. Hinzu kommt die sehr akribische und weitreichende Recherchearbeit. Dies und die Fähigkeit des Autors, sich sehr gut in die Zeit, die Regionen und den Menschenschlag von damals hineinzuversetzen, führt dazu, dass in Summe dieser biografische Roman ein realistisches und faszinierendes Gesamtbild des Königs Harald von Norwegen vermittelt und dabei keineswegs verherrlicht.
Als Anführer eines Söldnerheeres war Harald in erster Linie Krieger. Weit über die Hälfte seines Lebens bestimmten Feld- und Raubzüge seinen Alltag und nahmen Einfluss auf seine Entwicklung. Der Autor stellt sehr schön dar, wie sich Haralds Führungsqualitäten herausarbeiten und sich seine Art der Schlachtführung in Strategie und Taktik stetig weiterentwickelt.
Die z. T. fiktiven Gefährten an seiner Seite (hier sei insbesondere Thorkel genannt) sowie Haralds gelegentlich erheiternden aber auch tragischen Frauengeschichten lassen den Leser die Hauptperson Harald deutlich nahbarer erleben.
Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben ist allgegenwärtig. Der Glaube selbst erschließt sich ihm wohl Zeit seines Lebens nicht. Dennoch war Harald intelligent genug, um damit einhergehendes Wissen und Fortschritt für sich und seinen Volk nutzbar zu machen. Es ging auch darum, ein Volk zusammen zu halten und sich mit Hilfe des Glaubens selbst in seiner Machtposition zu stärken - wer stellt schon einen von Gott berufenen König infrage...

Ich finde diesen Roman zur Biografie von Harald absolut gelungen, das ist ein kleines Meisterwerk und ein echtes Leseerlebnis. Ulf Schiewe hat die Lücken rund um die über ihn bekannten Tatsachen mit plausiblen, interessanten Erzählungen gefüllt und Harald sich entwickeln lassen zu einem Herrscher, der sein Land hinsichtlich des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschrittes einen erheblichen Schritt nach vorne gebracht hat, der aufgeschlossen und unerschrocken für andere ins Feld zog, sich dabei viel strategisches Wissen und Können aneignete und sich u. a. in Konstantinopel noch als Rächer und Verteidiger gegen rücksichtslose Machthaber einsetzte, letztlich aber selbst über Leichen ging, um seine eigene Machtposition zu stärken.
Ich kann nur den Hut ziehen und den Autor bitten, uns noch viele weitere solcher Leseerlebnisse zu schenken.

Da es sich hierbei um einen biografischen Roman in drei Bänden handelt, empfiehlt es sich, die drei Bände der Reihe nach zu lesen.
tassieteufel zu »Ulf Schiewe: Die letzte Schlacht«07.03.2018
Im dritten Teil um den Norweger König Harald Hardrada werden die Ereignisse aus dem Vorgänger nahtlos fortgesetzt. In Konstantinopel tobt ein blutiger Volksaufstand gegen den verhaßten neuen Herrscher. Dieser hat sich im Palst verschanzt und hält Kaiserin Zoe gefangen. Harald und seinen Männer gelingt es den Palast zu stürmen, Zoe zu befreien und damit den Weg für einen neuen Herrscher frei zu machen. Harald zieht es nun doch wieder in die Heimat zurück, doch plötzlich will ihn in Konstantinopel nicht gehen lassen. Nur durch ein waghalsiges Abenteuer gelingt ihm die Flucht und zurück in Kiew heiratet er Elisif, die Tochter des Großfürsten, die all die Jahre auf ihn gewartet hat. Doch auch die Rückkehr nach Norwegen wird ihm nicht leicht gemacht und bis er sich mit Neffe Magnus einigt, muß er wieder diverse Abenteuer bestehen.

Der 3. und letzte Teil der Saga um den Norweger Harald umfasst dessen bewegtes und abenteuerliches Leben bis hin zu seinem Ende. Über 40 Jahre hinweg konnte man als Leser Harald begleiten und an seinem teilweise gefährlichen und bewegten Leben teilhaben. Als junger Kerl zog er voller Abenteuerlust aus, wollte seinem Bruder Olaf nacheifern und wurde doch schon bald mit der Realität des Lebens konfrontiert, als Olaf und viele seiner Männer bei der Schlacht um Stikla Stad starben. Sowohl bei den Rus als auch in Konstantinopel muß er viele Schlachten schlagen und persönliche Schicksalsschläge hinnehmen, Ereignisse, die ihn formen und zu dem Mann machen, der er später wird. Nachdem er endlich die Krone Norwegens gewonnen hat, machen sich Ernüchterung und Frustration breit, vor allem auch über sich selbst. Gerade in den letzten Jahren ist dann viel schief gelaufen. Sich eine Krone zu erkämpfen ist etwas ganz anderes als sich dann die Macht zu erhalten, hier müssen Entscheidungen getroffen werden, die sich oft als fatal erweisen und Harald später mit sich selbst hadern lassen. Hier ist es dem Autor wunderbar gelungen, die Entwicklung vom Jungen zum Mann glaubhaft und sehr lebendig darzustellen und die Figur des Harald mit Ecken und Kanten zu versehen und ihm neben den bekannten historischen Fakten sehr authentische und individuelle Züge zu verleihen, die ihn als Charakter vielschichtig und auch menschlich erscheinen lassen.
Auch im letzte Teil gelingt es Ulf Schiewe wieder mit seinem lebendigen und bildhaften Schreibstil, Land und Leute sehr detailliert und lebensnah zu zeichnen. Mann kann in exotische und urwüchsige Landschaften eintauchen, ist bei diversen Abenteuern und Kämpfen hautnah dabei, erlebt politische Intrigen und Ränkespiele und lernt unterschiedliche Kulturen und Glaubensrichtungen kennen und welche Spannungen und Konflikte sich hier ergeben.
Ein Personenverzeichnis und ein informatives Nachwort runden auch diesen 3. Teil gelungen ab. Wer sich für gut recherchierte und spannend geschriebene historische Romane interessiert, dem kann ich die Trilogie nur wärmstens ans Herz leben und bitte der Reihe nach lesen, sonst gehen zu viele Zusammenhänge verloren!

FaziT: der Abschluß einer gelungenen Trilogie, die wieder einmal auf spannende und lebendige Weise historische Fakten mit Fiktion verbindet und die faszinierende Figur des Harald Hardrada zum Leben erweckt.
Orange zu »Ulf Schiewe: Die letzte Schlacht«02.03.2018
„Die letzte Schlacht“ ist nach „Thors Hammer“ und „Odins Blutraben“ der dritte und damit leider abschließende Teil um den Norweger-König Harald Hardrada aus der Feder von Ulf Schiewe.
Dieser Roman setzt nahtlos an die Ereignisse in Konstantinopel aus den zweiten Band an. Der blutige Volksaufstand tobt. Harald und seine Männer befreien die Kaiserin Zoe und setzen den Despoten ab. Dann zieht es ihn endlich in die Heimat. In Kiew heiratet er Elisif, die Tochter des Großfürsten Jarisleif. Zusammen mit ihr, seiner Beute und seinem Heer segelt er nach Norwegen, wo sein Neffe Magnus auf den Thron sitzt.
Auch in diesen Roman ist der Schreibstil wieder sehr spannend, flüssig und bildhaft, so dass ich auch dieses Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Im Lauf der Jahre entwickelt sich Harald vom Jüngling zum reifen Mann und König, der am Ende seines Weges viele Dinge anders sieht und handhabt, als zu Beginn. Für mich ist diese Entwicklung absolut glaubhaft und nachvollziehbar, denn bei einen Mann mit seiner Vita kann das gar nicht anders sein.
Meiner Meinung nach ist eine Kenntnis der beiden Vorgänger für die Lektüre und das Verständnis unbedingt erforderlich und empfehlenswert.
Von mir gibt es auch hier eine klare Kauf- und Leseempfehlung.
venatrix zu »Ulf Schiewe: Die letzte Schlacht«27.02.2018
Wie schon der Titel „Die letzte Schlacht“ andeutet, handelt es sich bei diesem Buch um den dritten und letzten Teil der Trilogie um Harald Hadrada (Harald, der Harte).

Der Einstieg ins Jahr 1042 gelingt mühelos und wir begleiten Harald und seine Männer mitten im Machtkampf von Midgard (Konstantinopel). Das Volk erhebt sich gegen den verhassten neuen Herrscher und erhält Unterstützung von der Kirche und Harald. Dabei dringen die Norweger über die unterirdische Wasserversorgung in den Palast ein. Die Dankbarkeit der wieder inthronisierten Kaiserin Zoe hält nur kurz und Harald flieht mit seinen Männern Richtung Heimat.

In Kiew trifft er wieder auf Eilisif, die er letztlich heiratet. Je näher die beiden Haralds Heimat kommen, desto mehr macht sich Harald Gedanken über den Thron. Doch den hat sein Neffe Magnus inne. Blöderweise scharen sich einige intrigante Jarls rund um den jungen König, darunter Erzfeind Sigurd.

Es kommt zwar zur Aussprache zwischen Harald und Magnus, doch wenig später ist Magnus tot. Ertrunken im Rausch. Ob da jemand nachgeholfen hat?

Meine Meinung:

Ulf Schiewe gelingt es wieder historischen Fakten mit fiktiven Personen und Geschichten anzureichern, wobei er immer recht nah an den Fakten bleibt. Der Autor beschreibt die Kämpfe ohne reißerisches Pathos. Körperstrafen wie Auspeitschen, Blenden und Entmannen sind zu dieser Zeit vor allem im Oströmischen Reich üblich. Hier bemerkt Harald, dass er eine schnelle Hinrichtung statt des dekadenten Quälens von Verurteilten, bevorzugt.

Die Erstürmung des Kaiserpalastes in Konstantinopel durch die Wasserversorgung ist ein genialer Schachzug. Es könnte so gewesen sein. Normalerweise müssen die Soldaten durch die Abwasserkanäle in eine bedrohte Stadt. Dass sie hier durch die Frischwasser haltige Zisterne „dürfen“, gefällt mir.

Wir erfahren einiges über den erwachsenen Harald, der nach Jahrzehnten des Kampfes manchmal ein wenig müde auf mich wirkt. Eilisif ist eine ehrgeizige Person, die mir persönlich ein wenig unsympathisch ist.

Gut sind die wechselnden Bündnisse mit oder gegen Harald dargestellt, die es den Lesern nicht immer leicht machen, den Überblick zu behalten. Die Darstellung von Haralds Zwiespalts bezüglich der Religionen, hier die alten nordischen Götter und dort das neue Christentum, ist fein herausgestrichen. Letztlich verlässt er sich lieber auf sich selbst und seine Getreuen.

Elegant und gekonnt ist die Bogen vom Ich-Erzähler Harald zum Epilog, der über Haralds Tod im Jahr 1066 berichtet, gespannt.

Fazit:

Ein gelungener Abschluss der Trilogie – spannend und hintergründig erzählt. Gerne gebe ich 5 Sterne.
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