Hochverrat von Toby Clements

Buchvorstellungund Rezension

Originalausgabe erschienen 2016unter dem Titel „Divided Souls“,deutsche Ausgabe erstmals 2017, 544 Seiten.ISBN 978-3-404-17612-0.Übersetzung ins Deutsche von Arno Hoven.

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Kurzgefasst:

England, 1469. Der Konflikt zwischen den Häusern York und Lancaster scheint beigelegt zu sein. Doch im Geheimen schmiedet der Earl of Warwick, „der Königsmacher“, Pläne für eine Rebellion, um jenen König zu stürzen, dem er zuvor auf den Thron verhalf: Edward IV. Um sein Ziel zu erreichen, setzt Warwick alles daran, ein bestimmtes Buch in die Finger zu bekommen, das beweist, dass Edward IV. ein Bastard ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Warwick die Besitzer dieses Buches aufspürt: Thomas Everingham und seine Frau Katherine. Erneut gerät das Paar ins gefährliche Spiel der Mächtigen um die Herrschaft Englands …

Das meint Histo-Couch.de: „Fünf Jahre Glück und ein altes Buch“93Treffer

Rezension von Annette Gloser

England, 1469: Seit fünf Jahren leben Thomas Everingham, seine Frau Katherine und ihre einstigen Kampfgefährten nun auf dem Gut von Sir John Fakenham. Sie leben bescheiden, aber es geht ihnen gut. Nach dem Tod von Sir John jedoch sind sie auf dem Gut nicht mehr erwünscht. Fast scheint es, als hätte John Stumpf recht wenn er sagt, dass ihnen eben nicht mehr als fünf gute Jahre im Leben zustünden. Doch dann macht Lord Hastings ihnen das Angebot, weit oben im Norden Englands ein Gut zu verwalten. Nur ein wenig die Augen und Ohren sollen sie für ihn offen halten, ihn informieren, wenn etwas passiert. Eine einfache Aufgabe, da sagen Thomas und Katherine begeistert zu. Noch ahnen sie nicht, dass sie dort im Norden einen alten Feind wiedertreffen werden. Und noch etwas bereitet ihnen Sorgen: Hastings hat ihnen auch noch eine zweite Aufgabe übertragen. Sie sollen nach jenem alten Lagerbuch suchen, welches die zweifelhafte Abkunft König Eduards IV. bestätigt. Nie darf Hastings erfahren, dass dieses Buch unter dem Herdboden der Familie Everingham begraben liegt!

Ein Volk im Chaos

Der dritte Teil der Roman-Reihe „Krieg der Rosen“ führt die Leser in jenes Jahr, als Eduard IV. von einigen seiner engsten Vertrauten verraten wurde und letztendlich in die Gefangenschaft Richard Nevilles geriet. Eduard wurde in Middleham, einer Burg des Erzbischofs von York, gefangen gehalten. Hier landet dann irgendwann auch die Romanhandlung. Dabei bleibt Toby Clements seinem Motto treu, aus der Sicht der armen Leute zu schreiben. Jener Leute, die keine Informationen haben, die nicht wissen, was eigentlich passiert ist, welchem König sie eigentlich dienen und wem sie jetzt Treue beweisen müssen um ihr Leben zu retten. Der Autor erzählt mit viel Einfühlungsvermögen, berichtet von schrecklichen Ereignissen, ohne dabei larmoyant zu werden. Der Überlebenskampf von Thomas und Katherine erfordert Klugheit, List und vorausschauendes Denken ebenso wie körperlichen Einsatz. Toby Clements hat dafür einen geradlinigen, einfachen Sprachduktus gewählt, der sehr prägnant die Bodenständigkeit der Protagonisten wiederspiegelt, ihre bescheidenen Wünsche und die Sehnsucht nach einem friedlichen Leben ohne weitere politische Katastrophen. Und doch sorgt wohl gerade die einfache Sprache dafür, dass man sich als Leser gut in die verschiedenen Romanszenen hinein versetzen kann, dass man mit den Protagonisten fühlt, mit ihnen hofft und bangt.

Alte Bekannte, neue Gesichter

Die Protagonisten des Romans sind im Wesentlichen aus den vorhergehenden Bänden der Reihe bekannt, diesmal ergänzt um die freche Liz, deren Pragmatismus oft einfach nur herzerfrischend ist und von der man hofft, dass sie in weiteren Romanen der Reihe wieder auftaucht. Ihre lakonischen Kommentare bringen Witz in die Dialoge und machen sie zu einer sympathischen Romanfigur, auch wenn nicht alles Gold ist, was glänzt. Auch an Katherine und Thomas kann man neue Seiten entdecken, was nicht verwundert, schließlich sind sie Eltern geworden und es geht nicht mehr um das reine Überleben sondern darum, einen Platz zum Leben für die Familie zu finden. Höhepunkt des Romans dürfte aber der Auftritt des stets wissbegierigen Königs Eduard sein, der sich weder den Anblick einer Geburt noch den der Amputation eines Armes entgehen lassen will und der plötzlich überhaupt nicht mehr königlich wirkt sondern nur als durchaus sympathischer Mensch.

Bitte weiter schreiben!

Am Ende des Romans sind die Rosenkriege noch lange nicht zu Ende und man darf hoffen, dass Toby Clements weiter schreibt. Mit seinen sympathischen, wenn auch gelegentlich etwas ruppigen Protagonisten hat er die Leser auf seiner Seite. Hochverrat ist eine gelungene und – wie auch schon die vorherigen Bände – ausgezeichnet recherchierte Fortsetzung der Romanreihe, als Einstieg aber nicht besonders gut geeignet. Zu viele Teile der Handlung beziehen sich auf die vorhergehenden beiden Bände. Insgesamt kann man den Verlag Bastei Lübbe zu dieser Romanreihe nur beglückwünschen und auf baldige Fortsetzung hoffen!

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