Die Schattenjägerin

Erschienen: Januar 2002

Bibliographische Angaben

  • , 2002, Titel: 'Die Schattenjägerin', Originalausgabe

Couch-Wertung:

83
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Christina Wohlgemuth
Eine junge Frau als Spielball der Mächte

Buch-Rezension von Christina Wohlgemuth Mär 2020

Europa zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Während zwischen Frankreich und England der Hundertjährige Krieg tobt, werfen die Auseinandersetzungen vor allem innerhalb Frankreichs auch ihre Schatten auf die Niederen Lande. Jakoba, eine Wittelsbacherin, erbt in jungen Jahren von ihrem Vater einen großen Teil dieser Lande und ist von Beginn an eine Schachfigur für widerstreitende Parteien. Das Haus Burgund versucht, seinen Einfluss zu vergrößern, in den Niederen Landen stehen sich verfeindete Fraktionen gegenüber. Aus in ihrer engsten Verwandtschaft sieht sich Jakoba Verrat und Intrigenspielen gegenüber. Doch die jüngste Fürstin ihrer Zeit sucht ihren Weg zu persönlichem Glück und politischem Erfolg.

Eine bekannte Epoche, ein unbekannter Schauplatz

Romane über die Zeit des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich gibt es reichlich – mal mit Fokus auf die englische Seite, mal mit Fokus auf die französische Seite. Mal zu Beginn der Auseinandersetzungen, mal zum Ende hin. Die Niederen Lande tauchen, wenn überhaupt, nur am Rande auf, etwa wenn es um das Machtstreben des französischen Hauses Burgund geht. Martina Kempff greift in diesem Roman die Geschichte der Jakoba von Bayern auf, einer jungen Fürstin, die im großen Krieg nur eine kleine Rolle spielt, deren Leben jedoch massiv von ihm beeinflusst wird.

Heiratspolitik ist vor allem Letzteres, also Politik, und so verschlägt es ja Jakoba zum französischen Königshaus, zu einem verhassten Cousin, nach England – immer Spielball ihrer Verwandten, insbesondere ihres Cousin Philipp von Burgund. Dadurch erhält der Leser einen (gegebenenfalls neuen) Blick auf den Hundertjährigen Krieg aus anderer Perspektive. Daneben spielen auch mystische Einflüsse eine Rolle, auch das Thema Hexerei.

Eine spannende und tragische Geschichte, die die Aufmerksamkeit des Lesers fordert

Im 14. und 15. Jahrhundert zeichneten sich der Adel nicht gerade durch Kreativität bei der Namensvergabe aus, und so begegnen dem Leser hier jede Menge Herren mit Namen Philipp oder Jean, die auseinanderzuhalten eine gewisse Aufmerksamkeit beim Lesen verlangt. Auch die politischen Verstrickungen kann der Leser, der sich nicht zum ersten Mal in diese Epoche begibt, besser nachvollziehen.

Neben den historischen Inhalten ist es aber vor allem die tragische Geschichte einer jungen Frau, die zu früh zu viel Verantwortung trägt und deren persönliches Glück ihr allzu oft verwehrt bleibt. Dabei sammelt Jakoba nicht nur Sympathiepunkte – weder mit ihren politischen Entscheidungen, noch mit ihren politischen Ansichten. Doch sie ist ein Kind ihrer Zeit, und das Ansetzen der eigenen moralischen Maßstäbe ist nicht zielführend.

Fazit:

Trotz der inhaltlich fordernden Thematik ist der Autorin eine angenehm zu lesende Geschichte gelungen, die sich durch einen zugänglichen Schreibstil und eine gute Figurenzeichnung auszeichnet. Insbesondere Leser, die sich gerne in dieser Epoche bewegen, können einen neuen Blick auf die Geschichte(n) jener Zeit gewinnen und werden während und nach der Lektüre vielleicht das ein oder andere Nachschlagewerk bemühen.

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