Der Medicus

Erschienen: Januar 1987

Bibliographische Angaben

  • Goldmann, 1986, Titel: 'The Physician', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Annalena Brix
Detailreich, interkulturell - bemerkenswert!

Buch-Rezension von Annalena Brix Jun 2006

Heute vollbringt die Medizin Dinge, die noch vor 50 Jahren undenkbar erschienen. Wie die Menschen im Mittelalter unter Krankheiten und Verletzungen zu leiden hatten, können wir heute kaum ermessen. Noah Gordon erzählt in ";Der Medicus" eine beeindruckende Geschichte über medizinische Kenntnisse und kulturelle Differenzen der damaligen Zeit.

Reise in ein neues Leben

Im Alter von neun Jahren verliert Rob Jeremy Cole seine Eltern. Die Mutter stirbt bei der Geburt des jüngsten Bruders, der Vater erliegt einer Krankheit. Die Londoner Zimmermannszunft, der der Vater angehörte, bringt Robs Geschwister in verschiedenen Familien unter. Nur Rob bleibt übrig, bis ein Bader vor seiner Tür steht, der ihn als Lehrling aufnimmt. Auf den gemeinsamen Reisen durchs Land lernt Rob das Jonglieren, das Zaubern und erlangt erste medizinische Grundkenntnisse.

Als der Bader nach einigen Jahren einen plötzlichen Tod findet, zieht der junge Mann allein weiter und beschließt sein Wissen zu erweitern. Seine Reise führt ihn weit über die Grenzen Europas hinaus, wo er vielen unterschiedlichen Kulturen begegnet, was ihn nicht selten vor Schwierigkeiten stellt, die ihn an seine Grenzen bringen. In der Zweckgemeinschaft einer Karawane stößt er auf die unterschiedlichsten Leute. Die Juden, die hinter ihm in der Reihe reisen, erweisen sich als wertvolle Begleiter. Getarnt kommt er der Verwirklichung seines Traumes, dem Medizinstudium, schließlich näher.

Reisebericht mit zahlreichen Details und
schlüssigen Etappen

Die langen Reisen der Hauptfigur Rob nehmen im Roman reichlich Platz ein. Dem Autor gelingt es aber diese durch ausschweifende Beschreibungen der unterschiedlichen Landschaften und Kulturen, sowie durch besondere Erlebnisse stets lebendig zu halten. So wird die Geschichte nie langweilig, sondern bewegt den Leser fließend mit durch Länder und Geschehen. Die Eindrücke erschließen sich durch eine fast kindlich-neugierige Perspektive.

 

[...] aber der See - er hieß Balaton - war ein überirdischer Traum aus dunklem Wasser, das aussah wie ein Edelstein. Weißer Nebel stieg von der Oberfläche auf [...]

 

Als sie wieder einmal zwischen grasbestandenen Hügeln dahinzogen, hörte er ein völlig neues Geräusch, das von fern zu der Karawane drang. Es war ein Klingen, das von Engeln stammen mochte. Als er näher kam, erblickte er zum ersten Mal eine Kamelkarawane.

Außerdem wird die uralte Feindschaft zwischen Christentum und Judentum sensibel von verschiedenen Seiten beleuchtet. Auch Rob selbst hadert zeitweise mit den befremdlichen Bräuchen und Ansichten. Gordon macht ohnehin eine Menge Erzählstränge auf, die er immer wieder schlüssig auflösen kann. Bis sich am Ende von Robs Lebensreise der Kreis endgültig schließt!

Studium von Menschen und Wissenschaften

Während seiner Studienzeit lernt Rob nicht nur viel über Medizin, sondern erlebt seit langem zwischenmenschliche Beziehungen, die ihm so etwas wie Familie bedeuten können. Er gewinnt enge Freunde und trifft eine alte Bekannte wieder. Rob erfährt das Grauen der Pest und die Hilflosigkeit, wenn jede Hilfe zu spät ist.

Noah Gordon beschreibt sehr eindrucksvoll das medizinische Wissen, das im Orient zu jener Zeit bereits bestand. Schonungslos wird der Leser mit Einzelheiten von Operationen konfrontiert und kann sich gut in die Position des Lernenden versetzen. Die charakterstarke Hauptfigur wirkt durch Unsicherheit und Ängstlichkeit, aber auch durch Zielstrebigkeit und Mitgefühl absolut menschlich und sympathisch.

 

Dann bewege die Nadelspitze zum äußeren Augenwinkel hin, und zwar auf gleicher Höhe mit und nur ein wenig oberhalb der Pupille. Dadurch sinkt die Katarakt unter die Pupille.

Ein Klassiker, bei dem sich mehrfaches Lesen lohnt!

";Der Medicus" von Noah Gordon gehört auf jeden Fall zu den Klassikern unter den historischen Romanen, der sich auch in der aktuellen Angebotsflut nicht verstecken muss. Der Autor hat ein interessantes und unterhaltsames Werk geschaffen, das er mit zwei weiteren Büchern zu einer Trilogie komplettierte. Robs Euphorie und Wissbegier steckt auch beim Wiederlesen noch an!

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