Die Rose von Salerno

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Blanvalet, 2007, Titel: 'Die Rose von Salerno', Originalausgabe

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Rita Dell'Agnese
Keine Helden, die man mögen würde

Buch-Rezension von Rita Dell'Agnese Sep 2007

Eigentlich war Ima von Lindisfarne auf dem Weg nach Santiago de Compostela, um für ihren verstorbenen Verlobten zu beten. Doch in Frankreich verlässt der junge Aidan, der Bruder ihres Liebsten, die Pilgergruppe und schließt sich Gérard, einem umherziehenden Normannen, als Knappe an. Um Aidan zurückzuholen, folgt Ima ihnen auf abenteuerlichen Wegen nach Italien, wo Herzog Robert Guiscard sich anschickt, Papst Gregor XII. aus römischer Geiselhaft zu befreien. Schon bald brennt Rom - und Aidan stirbt in Imas Armen. Bei der Totenwache schützt ein geheimnisvoller Ritter sie vor mordgierigen Römern. In den Wirren nach der Schlacht wird Ima gefangen genommen und für den Sklavenmarkt im Kolosseum eingekerkert. Hier findet sie Gérard, der sie in all der Zeit nicht vergessen konnte. Er kann sie befreien und bringt sie nach Salerno, wo sie im Haus der Ärztin Trota fiebernd zusammenbricht. Während der geheimnisvolle Ritter an ihrem Krankenlager wacht, erteilt man Gérard Hausverbot ...

Wie kommt es, dass die spröde Ima von Lindisfarne ausgerechnet für den dauernd nach einer Frau lechzenden Ritter Gérard Gefühle entwickelt? Dies dürfte letztlich die große Frage sein, die nach dem Studium von Dagmar Trodlers Die Rose von Salerno offen bleibt. Ima, die keine Gelegenheit auslässt, um sich auf ihre edle Abstammung zu besinnen, präsentiert sich das ganze Buch über als zickige Adlige, die einen Hang dazu hat, sich in Schwierigkeiten zu bringen. Doch entbehrt die Figur jeder Komik, jeden entschärfenden Augenzwinkerns. Die spröde und unglaublich schöne junge Frau trauert zunächst einmal um den Verlobten, mit dem sie sich eine strahlende Zukunft ausgemalt hatte. Außerdem sieht sie sich berufen, den jüngeren Bruder Aidan auf den rechten Weg zurück zu bringen, hat dieser doch mitten in einem Pilgergang beschlossen, dem Ritter Gérard de Hautville, dessen niedere Abstammung Ima während nahezu des ganzen Buches mit Verachtung erfüllt, zu folgen. So reist Ima also dem abtrünnigen jungen Mann hinterher und bringt sich mehrfach in Schwierigkeiten, aus denen sie allerdings immer wieder zufällig gerettet wird.

Handlung nicht nachvollziehbar

Die Autorin hat sich bei der Ausgestaltung ihrer Charaktere mit Sicherheit viel Mühe gegeben. Allerdings sind deren Handlungen dadurch nicht besser nachvollziehbar. Wohl im Versuch, den Protagonisten Ecken und Kanten zu verleihen, hat Dagmar Trodler weit übers Ziel hinaus geschossen und Figuren aufgebaut, die blass bis absolut farblos bleiben und die beim Leser keinerlei Gefühle hervorzurufen vermögen. Mit der Zeit wird der permanent unter sexueller Spannung stehende Gérard gar so peinlich, dass man versucht ist, das Buch gelangweilt beiseite zu legen. Nicht besser ist es um Ima bestellt, die sich nicht etwa als Heldin, sondern als zitterndes Bündel erweist, das fest davon überzeugt ist, ihr blaues Blut würde ihr in der Not über die Schwierigkeiten hinweg helfen. Sollte dies ein Sittengemälde des 11. Jahrhunderts sein, so hat es die Autorin versäumt, die Handlungsweise ihrer Figuren dem anzupassen. So ergibt sich ein in vielen Belangen unstimmiges Bild.

Unnötige Brutalität

So überzeichnet die Figuren selber sind, so unnötig sind die detaillierten Schilderungen der brutalen Plünderung Roms. Die Szenen, die Grauen wecken sollen, werden schnell ermüdend und provozieren das Gegenteil: sie wirken langweilig und aufgesetzt. Selbst der geheimnisvolle Ritter, der in höchster Not auftaucht, um Ima beizustehen, sie dann aber ungerührt ihrem Schicksal überlässt, vermag keine Spannung zu erzeugen. Und so bleibt der Lesegenuss nach den ersten paar Szenen des Buches schnell auf der Strecke und will sich partout bis zum Schluss nicht mehr einstellen. Dies, obwohl Dagmar Trodler weitgehend mit leichter Hand schreibt und sprachlich ein gut lesbares Werk präsentiert.

Die Autorin kann mehr

Die Rose von Salerno ist definitiv nicht das beste Buch von Dagmar Trodler. Die Autorin kann mehr, was sie auch schon verschiedentlich bewiesen hat. Das vorliegende Buch wirkt unausgereift, aufgesetzt, lieblos. Es erzählt den Lesern weder spannende Begebenheiten aus einer längst vergangenen Zeit, noch beleuchtet es einen geschichtlichen Hintergrund näher und vermag auf diese Weise zu überzeugen. So bleibt Die Rose von Salerno denn einzig als Werk für eingefleischte Trodler-Fans übrig, die der Autorin den einen oder anderen Schwachpunkt verzeihen mögen.

 

Die Rose von Salerno

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Letzte Kommentare:
03.11.2015 16:42:46
iny-laura

Ich kann es wirklich nicht verstehen, wieso dieses Buch relativ durchschnittlich abgeschnitten hat. Es bietet einen schönen, spannenden, dramatischen, historischen Hintergrund. Eine zerissene Liebesgeschichte, die einen wirklich das Herz schneller rasen lässt. Der Schreibstil ist wieder typisch Dagmar Trodler, unfassbar berührend und tiefsinnig. Ich würde dieses Buch als einen der anspruchsvolleren, historischen Romane einstufen. Es ist einfach nicht immer nur das typische, was man bei allen anderen histo-Autoren bekommt, was im Zuge der Handlung oft plump erscheint.

Absolut meisterhaftes Buch!

Zeitpunkt.
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