Der Tote im Fleet

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Rowohlt, 2000, Titel: 'Der Tote im Fleet', Originalausgabe

Couch-Wertung:

82

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91-100
0 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:86
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":1,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":1,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Birgit Stöckel
Ein spannender und interessanter Histo-Krimi, der nicht nur Hamburgern gefällt

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Aug 2007

Hamburg 1847: Commissarius Hendrik Bischop wird eines Nachts zu einem Leichen-Fundort gerufen. Aus einem Fleet wurde ein Toter im Gehrock gezogen, der zwei Ziegelsteine in seinen Taschen hat. Der Commissarius nimmt die Ermittlungen auf und bald steht auch die Identität des Toten fest: Es ist ein Ziegelsteinfabrikant aus Husum, der offenbar für die Unterzeichnung eines großen Auftrags in der Stadt war. Auf der Suche nach dem Motiv gerät Hendrik Bischop immer tiefer in ein dicht gesponnenes Netz aus möglichen Intrigen, die bis in die höchsten Kreise der Stadt reichen und unter anderem Baugrundspekulationen und eine Neugestaltung des Stadtbildes betreffen...

Eine Vielzahl an Informationen und Personen - spannend und informativ verwoben

Boris Meyn selber bezeichnet seinen ersten historischen Roman als Gratwanderung zwischen historischer Realität und Fiktion. Nach der Lektüre dieses Buchs kann man dem Autor nur zustimmen, es ist eine Gratwanderung, die einerseits sehr gewagt, andererseits aber auch größtenteils sehr gelungen ist.
Gewagt deshalb, weil man deutlich merkt, dass Meyn Kunst- und Bauhistoriker ist und sein breites Wissen an die Leser weitergeben möchte, und das auf nur ca. 280 Seiten. Dadurch erhält der Leser eine Fülle an Informationen, die einen fordern, manchmal aber auch zu überfordern drohen. Es ist teilweise gar nicht so einfach, den vielen Ausführungen zu Baustielen und Stadtbild zu folgen, zumal einem auch eine Vielzahl an historischen Persönlichkeiten begegnet, die es gilt, auszeinanderzuhalten. Hamburger mögen sich dabei leichter tun, da einige sicher bekannt sind. Alle anderen werden immer wieder ein Personenverzeichnis schmerzlich vermissen, das die Übersicht deutlich erleichtert hätte.

Gelungen ist die Gratwanderung deshalb, weil man, wenn man sich auf die etwas eigenwillige Sprache Meyns und das Thema einlässt, mit einem faszinierenden und interessanten historischen Roman belohnt wird. Es geht um unterschiedliche Baustile und Baumaterialien zum Ausdruck unterschiedlicher Einstellungen: Rückkehr zu mittelalterlichem Baustil und enge Begrenzung auf das Stadtgebiet oder moderner Baustil und Öffnung der Stadttore, um weiteren Wohnraum erschließen zu können. Das sind die zwei Hauptströmungen, die aufeinander prallen. Zudem geht es um Baugrundspekulationen, die noch vor dem großen Brand getätigt wurden, sich jetzt aber auszuzahlen scheinen, um Konkurrenz und Rivalität zwischen führenden Architekten, um Ungereimtheiten beim großen Brand und dem immer stärker werdenden Wunsch der Bürger nach mehr politischer Mitbestimmung.
Das alles verwebt Boris Meyn gekonnt zu einem dichten Netz, das den Leser nach und nach gefangen nimmt und man, ebenso wie Commissarius Bischop, den eigentlich Kriminalfall teilweise fast vergisst. Auch wenn der Autor daraufhin weist, dass die ganzen Verwirrungen und Intrigen seiner Phantasie entsprungen sind, stellt er sie doch so überzeugend und folgerichtig dar, dass man sich als Leser desöfteren denkt: "So hätte es durchaus sein können".

Etwas holpriges Ende

Der eigentliche Kriminalfall, nämlich die Aufklärung des Mordes, gerät immer wieder über einige Strecken eher ins Hintertreffen. So ist dann auch die Aufklärung des Mordes als nicht ganz gelungen zu bezeichnen. Obwohl auch hier alles logisch erklärt wird, bleibt das Ende doch etwas enttäuschend und mit einem schalen Geschmack behaftet. Das ist sehr schade, denn so wird dem eigentlich spannenden und lesenswerten Buch ein unrundes Ende verpasst.

Lobend erwähnen muss man noch die Ausstattung. Neben einem passenden Cover enthält das Buch ein Vorwort des Autors, in dem er Informationen zu den politischen Verhältnissen Hamburgs gibt, welche den Einstieg in das Buch erleichtern. Zudem gibt es auch noch ein Nachwort, in dem noch weiterführende Informationen über die im Buch auftretenden historischen Persönlichkeiten gegeben werden. Als besonderer Pluspunkt sind allerdings die zeitgenössischen Fotographien zu erwähnen, die in dem Buch erhalten sind.

Alles in allem ist das Buch ein spannender und interessanter historischer Kriminalroman, der nicht nur für Hamburger interessant sein dürfte. Vorausgesetzt, man lässt sich als Leser auf die Fülle an Informationen und schenkt dem Roman die nötige Konzentration und Aufmerksamkeit.

 

Der Tote im Fleet

Der Tote im Fleet

Deine Meinung zu »Der Tote im Fleet«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
11.02.2014 09:06:19
Bibo

Dünner Hamburg-Krimi, historisch-regional.
Ein Toter wird aus einem Fleet gefischt, der zwei Ziegelsteine in den Taschen hat.
Das Buch vermittelt Einblicke in die Zeit des Wiederaufbaus nach dem großen Brand. Große Teile der Stadt werden zu Spekulationsobjekten und verschiedene Architekten konkurrieren miteinander. Interessant, wenn man mal in Hamburg gewohnt hat. Es gibt sogar Bilder der Architektur im Mittelteil.
Das Buch hat nur einen Nachteil: der Krimi ist überhaupt nicht spannend. Leider ist er sprachlich recht hölzern geraten, obwohl es um Ziegelsteine geht, so als ob staubige Akten in Dialoge gefasst wären. Boris Meyn gelingt es nicht, seinen Figuren Leben einzuhauchen.

16.04.2011 23:05:04
tassieteufel

Hamburg 1847, der große Brand liegt 5 Jahre zurück und hat immer noch deutliche Auswirkungen auf das Stadtbild, eines Nachts wird die Leiche eines Toten zwischen Nikolaikirche und Rödigsmarkt aus einem Fleet gezogen, in seinen Rocktaschen befindent sich nichts
außer zwei ungewöhnlichen Ziegelsteinen. Der Tote ruft Commissarius Hendrik Bischopf auf den Plan, der bei seinen Ermittlungen auf recht dubiose Machenschaften in der Hamburger Politik stößt.
Nach einem Hamburg Besuch wurde ich neugierig auf die Stadtgeschichte und stieß bei der Suche nach entsprechender Krimilektüre auf die Bücher von Boris Meyn. Obwohl das Buch mit einer Vielzahl von interessanten Informationen aufwartet, hat es mich als Krimi nicht wirklich überzeugt. Interessant waren zwar die Ausführungen zur Baugeschichte und ich habe auch viele Orte und Bauwerke, die mir beim Besuch der Stadt aufgefallen sind, wiedererkannt, aber zwischen der Fülle von Informationen zu Personen, Bautielen, Materialien und div. Ausführungen zu Architektur und Gestaltung des Stadtbildes kann man als Leser schon mal den Überblick verlieren, zumal der eigentliche Krimi dabei zu versickern droht.
Boris Meyns Ermittler Hendrik Bischop verstrickt sich immer mehr in den Machenschaften der Hamburger Oberschicht und verliert dabei den eigentlichen Mordfall immer mehr aus den
Augen, die letztendliche Auflösung des Krimifalles ist dann zwar in sich logisch und auch schlüssig, aber irgendwie hat es mich nicht so ganz zufrieden gestellt und nach der letzten Seite fragte ich mich unwillkürlich: das solls jetzt gewesen sein?
Erwähnenswert ist aber auf jeden Fall die schöne Ausstattung des Buches mit einem Stadtplan einem ausführlichen Glossar zu bekannten Persönlichkeiten und diversen Fotos über das historische Hamburg.

Fazit: historische Bau- und Stadtgeschichte wird hier anschaulich vermittelt, der eigentliche Krimifall gerät darüber aber etwas ins Hintertreffen und so richtig spannend wird es nie. Für meinen Geschmack fehlte hier die richtige Ausgewogenheit zwischen Krimi und historischer Hintergrundinfo, insgesamt recht informativ aber nur wenig spannend und als Leser muß man ganz schön bei der Stange bleiben um bei der Vielzahl der Personen und deren Verwickungen nicht den Überblick zu verlieren.

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren