Der Fährmann

  • Droemer-Knaur
  • Erschienen: März 2026
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Monika Wenger
931001

Histo-Couch Rezension vonJul 2026

Echte Freundschaft und harte Realität.

Im neuen Roman «Der Fährmann» ist der Fluss Salzach gleichzeitig verbindend und trennend. Er bildet die natürliche Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Er wirkt unheimlich und gewaltig, reisst alles mit und ist dennoch ein wichtiges Bindeglied für die Menschen, die dort leben.

Alles ist vorbestimmt

An der Salzach wachsen Annemarie, Elisabeth und Hannes gemeinsam auf. Die Umgebung des Flusses ist ihr natürlicher Spielplatz. Später, als sie junge Erwachsene sind, werden sie von ihren Eltern in ein vorbestimmtes Leben gezwungen. Obwohl Hannes und Elisabeth sich lieben und auch die Annemarie den Hannes mag, verhindern Traditionen, Zwänge und fremde Entscheidungen eine gemeinsame Zukunft.
Hannes, der jüngste Sohn des Winkler Bauern, muss die Arbeit seines Onkels Georg als Fährmann weiterführen. Als solcher ist es ihm untersagt, eine eigene Familie zu gründen. Würde er bei seiner Arbeit verunfallen, sollten keine Angehörigen dem Gemeinwesen zur Last fallen. So ist es Brauch.
Die schöne Tochter des Stiegl Wirts, Annemarie, wird von ihren Eltern dazu angehalten, für guten Umsatz zu sorgen. Sie verlangen von ihr nicht nur vollen Körpereinsatz beim Kellnern.

«Aber was es hiess, aufzupassen, und wie sie es anstellen sollte, wenn doch der Wunsch des Gastes über allem stand, selbst über der Liebe der Eltern zu ihrem Kind, das hatte ihr keiner erklärt, nicht die Mutter und nicht der Vater, der sie grad recht erst mit dem Schnaps an den Stammtisch schickte, um eine weitere Runde und ein gutes Trinkgeld einzufahren.»

Und die Hofer Elisabeth wird gegen ihren Willen über die Grenze nach Österreich mit dem Steiner Josef verheiratet. Der gewalttätige Jungbauer und sein Vater herrschen nicht nur über den Hof und das Vieh, sondern terrorisieren auch ihre weiblichen Angehörigen. Ausserdem unterhält der Josef eine Beziehung zu Annemarie. Aus der anfänglichen Liebelei und der Hoffnung auf eine Heirat, wird eine einseitige, von Gewalt dominierte Beziehung.  

Sachlich und präzise

Nach ihrem Roman «Die Schwarzgeherin» gelingt es Regina Denk erneut, die besondere Atmosphäre eines Schauplatzes einzufangen. Das Dunkle und Brutale zieht sich durch alle Seiten der Geschichte, die von den Jahren 1894 bis 1915 erzählt.
Seit Generationen leben die Menschen an und mit der Salzach. Bräuche und Traditionen prägen diese von Männern beherrschte Welt. Frauen haben zu gehorchen und zu arbeiten. Der Alltag ist für alle hart und entbehrungsreich. Die Autorin erzählt eher sachlich und präzise von Überlebenskämpfen, von Mut und der Suche nach Wärme und Geborgenheit. Und von einer unverbrüchlichen Freundschaft, die alles überdauert.

Es ist eine Geschichte, die fesselt und berührt. Die Tonalität unterstreicht die Naturgewalt und das Archaische dieser Erzählung. Eine absolut perfekte Verbindung, gerade auch, weil die Autorin unterschiedliche Perspektiven verwendet und die Sichtweisen damit immer wieder verändert. Regina Denk ist es gelungen, heikle Themen, wie häusliche Gewalt und Nötigung auf eine annehmbare Weise aufzugreifen und in die Geschichte einzuweben.

Fazit

Der Roman ist mit Sicherheit keine leichte Kost. Zwang und Gewalt sind gewichtige Themen. Doch Regina Denk versteht es meisterhaft, fesselnde und berührende Geschichten zu erzählen. Sie sind tiefgründig, knapp formuliert und äusserst bildhaft. Das Buch «Der Fährmann» gleicht dem Fluss Salzach: Es ist mitreissend, bildgewaltig, aufwühlend und dennoch schön.

Der Fährmann

Regina Denk, Droemer-Knaur

Der Fährmann

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