Westend

  • Galiani Berlin
  • Erschienen: September 2025
  • 0
Wertung wird geladen
Carsten Jaehner
951001

Histo-Couch Rezension vonMai 2026

Grandioser Abschluss der Gereon-Rath-Reihe.

Im Nachlass eines Professors Hans Singer von der Universität Köln finden sich zwei alte Tonkassetten aus dem Jahr 1973 mit jeweils 60 Minuten Band, auf denen Interviews mit dem ehemaligen Berliner Kommissar Gereon Rath a.D. befinden. Diese wurden gemacht von eben jenem Hans Singer, in einem Altenheim in Berlin-Westend, und dienten als Material für seine Habilitationsschrift über die Arbeit der Berliner Polizei in der Weimarer Republik, dem Dritten Reich und den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Transkription der Kassetten erfolgt in vier Kapiteln mit jeweils einer Seite der zwei Kassetten. Die ersten beiden Seiten wurden am selben Tag aufgenommen, die erste Hälfte der zweiten Kassette eine Woche später und die letzte Seite noch einmal drei Wochen später. Der befragte Gereon Rath erzählt über seine Zeit als Kommissar, vor allem aber auch, was nach seiner Flucht in die USA geschah, wie seine Frau Charly ihn hat für tot erklären lassen und noch einmal geheiratet hat, wie es seinen ehemaligen Kollegen Böhm und Tornow erging und davon, dass Charly Böhm geheiratet hat. Im besonderen Fokus steht für den Interviewer die Geschichte Tornows, der für Gereon Rath eine besondere Rolle spielt.

Alle Fragen werden beantwortet

Mit „Westend“ legt Volker Kutscher seinen dritten Band vor, den er gemeinsam mit der Grafikerin Kat Menschik herausgibt und der bei Galiani in Berlin erschienen ist. Er bildet den Abschluss des Gereon Rath-Universums. Hier erfahren die Leser, wie es den Hauptpersonen nach dem zehnten und letzten Band der Reihe, „Rath“, ergangen ist. Dabei nutzt Kutscher geschickt die Erzählweise über Interviews, die von alten C-60-Tonbandkassetten transkribiert werden. Ein gelungener Schachzug, denn trotz der großen zeitlichen Distanz ist der Leser so wieder mittendrin im Geschehen, mit der Kodderschnauze von Gereon Rath und seiner Geschichte.

Kutscher schafft es, mit ein paar Kommentaren den Charakter von Gereon einzufangen und den Leser mitzunehmen. Dabei sind die Ereignisse des letzten Romans „Rath“ gar nicht so entscheidend, hier geht es darum, was danach alles geschah. Die vier Kapitel, von Kutscher dramaturgisch geschickt aufgebaut, erzählen so die Geschichten der Protagonisten nach dem letzten Band. Und es klärt sich auch bald, wer eigentlich Dr. Hans Singer ist, der die Befragung durchführt.

Kutscher in Höchstform

„Westend“ ist nicht nur der Abschluss des gesamten Gereon-Rath-Kosmos, sondern auch der dritte Teil der Trilogie der kleinen Bücher von Kutscher aus dem Galiani-Verlag. Auch dieser Band wurde wieder von Kat Menschik illustriert und dreifarbig als Hardcover gedruckt. Erzählte „Moabit“ die Vorgeschichte Charlys und „Mitte“ eine Geschichte von Fritze und Hannah nach „Olympia“, so erzählt „Westend“, wo sich das Altenheim befindet, in dem Gereon Rath lebt, eben Gereons Geschichte zu Ende und verbindet so alle losen Enden, die sich nach „Rath“ noch ergeben haben.

Kutschers Abschluss bietet neben den kleinen Geschichten auch noch einen kurzen Ausflug in die Geschichte, als die Zeit der Nationalsozialisten zu Ende war und sich zwei deutsche Staaten gebildet haben; wie die Figuren in der einen oder der anderen Republik gelebt haben und Kontakt hatten oder auch nicht. Wieder einmal beweist Volker Kutscher, dass er ein großer Erzähler mit Überblick ist, der alle persönlichen und geschichtlichen Fäden in der Hand hält und am Ende ein großes Gemälde webt.

Fazit

„Westend“ ist der gelungene, großartige, wenn auch nur 110 Seiten lange Abschluss der Gereon-Rath-Reihe und sollte jedem Fan der Bücher ans Herz gelegt sein. In Kutschers gewohntem Sprachstil transkribiert er zwei Kassetten und zeigt so einen Dialog, der Gereon in bester Form zeigt und der noch die eine oder andere Überraschung bereithält. Fans sollten das Buch nicht verpassen, wer aber die Rath-Reihe nicht gelesen hat, wird mit diesem gelungenen Büchlein nichts anfangen können. Großes Kino.

Westend

Volker Kutscher, Galiani Berlin

Westend

Deine Meinung zu »Westend«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Zeitpunkt.
Menschen, Schicksale und Ereignisse.

Wir schauen auf einen Zeitpunkte unserer Weltgeschichte und nennen Euch passende historische Romane.

mehr erfahren