Poyais. Ein Land, das es nie gab
- Emons
- Erschienen: März 2026
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Zu schön, um wahr zu sein.
In ihrem neuen Roman «Poyais. Das Land, das es nie gab» erzählt Uli Aechtner von einer arglistigen Täuschung, durch die Hunderte Menschen ins Elend gestürzt wurden, da man ihnen ein Stück Land und ein Leben in Freiheit versprochen hatte. Von diesem Paradies träumen auch die Kaufmannstochter Julie und ihr Geliebter Carl, der Stallknecht ihres Vaters.
Flucht aus Liebe
Julies Eltern versuchen alles, um ihre Tochter zur Vernunft zu bringen. Schliesslich soll sie standesgemäss verheiratet werden. Doch alles nützt nichts, weshalb sie in ein Kloster verbannt wird. Der rebellischen Tochter gelingt jedoch die Flucht und sie macht sich auf nach Köln, in der Hoffnung, Carl zu finden. Mit ihm will sie nach Poyais auswandern. In dem fernen Land in Mittelamerika, spielen Standesunterschiede keine Rolle. Doch schon bald entpuppt sich Julies Traum als ein einziges grosses Abenteuer mit ungewissem Ausgang.
Ein einziger Alptraum
Nicht nur Julie und Carl müssen sich in Geduld üben, bis sie endlich in See stechen können. Einige hundert Männer und Frauen mit Kindern warten auf den Start in ein neues Leben. Sie haben ihr gesamtes Hab und Gut verkauft, um sich die Überfahrt und den Kauf eines Stücks Land zu leisten. Nach einer endlos dauernden Reise erreichen die Siedler endlich Poyais. Doch dort wartet bereits die erste Enttäuschung auf sie. Es gibt keinen Hafen zum Anlegen und auch keine befestigte Stadt. Stattdessen sehen sie nur Urwald, soweit das Auge reicht. Verzweiflung macht unbändiger Wut Platz. Hunger und Krankheiten breiten sich aus. Die Zukunft der Neuankömmlinge ist ungewiss, und viele von ihnen möchten die Gegend so schnell wie möglich wieder verlassen.
Der Hochstapler
Verantwortlich für die ganze Misere und für den Betrug ist der Brite Gregor MacGregor. Als Offizier tritt er 1811 in die Armee von Revolutionsführer Simón Bolívar ein. Dieser kämpft mit seinen Männern gegen die spanischen Kolonialherren und für die Befreiung von Mittel- und Südamerika und erwirbt sich den Ruf eines Helden. Im Verlauf der Zeit etabliert MacGregor sein System und verkauft ahnungslosen Auswanderwilligen günstig Land, das er gar nicht besitzt. Es gelingt ihm im Jahr 1822 sogar, bei einer Londoner Bank Anleihen in der Höhe von £ 200'000 aufzulegen, die innerhalb kürzester Zeit gezeichnet werden. Doch Gregor MacGregor, der selbsternannte Fürst von Poyais, hat nur sein eigenes Wohl im Sinn.
Abenteuer und Fiktion
In ihrem Roman «Poyais. Das Land, das es nicht gab» verbindet Uli Aechtner historische Fakten mit Abenteuer und Fiktion. In mehreren Handlungssträngen und Zeitebenen erzählt sie die Geschichte des Hochstaplers Gregor MacGregor und wie er die Menschen in die Irre führte. Die historischen Hintergründe sind ausführlich und gut recherchiert. Sie sind allerdings manchmal fast zu umfangreich, sodass die Spannung darunter leidet. Bei der fiktiven Erzählung bleibt vieles etwas oberflächlich. Erst mit dem Erreichen von Poyais wird es interessant. Allerdings fliessen die Handlungsstränge nicht sanft in einander. Die Szenenwechsel wirken manchmal etwas schroff. Mit etwas sanfteren Übergängen hätte sich die Erzählung etwas geschmeidiger angefühlt. Dennoch ist es ein interessanter und unterhaltsamer Roman, der von einem eher unbekannten Ereignis erzählt.
Fazit
Die Mischung aus Abenteuer, Fakten und Fiktion ist typisch für diesen Roman. Dass dabei Menschen um ihr Hab und Gut gebracht und ihr Vertrauen missbraucht wurde, macht die Tragik deutlich. Auch wenn der Wechsel zwischen den Zeitebenen den Lesefluss eher behindert, wird man mit dieser Geschichte gut unterhalten. Gerade die Tatsache, dass die Masche eines Betrügers über Jahre hinweg funktionierte, stimmt doch sehr nachdenklich.

Uli Aechtner, Emons

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