Codename Hélène
- Adrian
- Erschienen: November 2025
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Die Fähigkeit, jede Herausforderung als Aufgabe zu sehen.
Im Jahr 1936 reist die Journalistin Nancy Wake mit dem Fotografen Frank Gilmore nach Wien, um Hinweisen von angeblichen Gräueltaten nachzugehen. Ihr Redakteur hat vor kurzem ein Bild eines misshandelten Mannes veröffentlicht. Dieser Mann hat Nancy in Paris ein Interview gegeben und nun will sie den erhaltenen Informationen nachgehen. Kaum in Wien angekommen, geraten sie auf dem Stephansplatz in eine grausame Inszenierung von Macht und Überheblichkeit. Sie haben den Gesuchten gefunden. Der Mann mit der Peitsche. Obersturmführer Wolff. Was sich ihnen bietet, ist ein abscheuliches Spektakel.
Eine geborene Kämpferin
Ursprünglich in Neuseeland geboren, verlässt Nancy mit sechzehn Jahren Australien, wo sie aufgewachsen ist. Sie beginnt ein neues Leben in Paris. Mit List ergattert sie sich einen Job beim Hearst Verlag und reist für eine Reportage erst nach Wien und dann nach Berlin. Hier erlebt sie hautnah, was die Machtergreifung Hitlers wirklich bedeutet. Durch ihre Freundin Stéphanie lernt sie Henri Fiocca, einem reichen Industriellen aus Marseille, kennen. Henris Werben, seine Ausdauer und Geduld führen schliesslich dazu, dass Nancy in den Süden zieht und ihn heiratet.
Inzwischen sind die Nazis weiter auf dem Vormarsch. Viele Menschen flüchten vor dem Naziterror über die südfranzösische Grenze nach Spanien und benötigen neue Ausweise. Da Nancy als Ehefrau eines bedeutenden Geschäftsmannes noch ohne Auflagen umherreisen kann, ist sie für diese Botengänge sehr gut geeignet. Mit der Zeit entwickelt sich daraus eine immer intensivere Zusammenarbeit mit den französischen Untergrundkämpfern, mit dem Ziel, die immer stärker werdende deutsche Präsenz zu sabotieren. Dies hat Auswirkungen auf Nancys ganzes Leben.
Von der Botin zur Agentin
Es ist eine tragische Geschichte, weil die Machtergreifung der Nazis und der daraus resultierende Wahnsinn der Liebe zweier Menschen einen Strich durch die Rechnung machen. Doch unerwartet entpuppt sich dieses Buch als spannende Erzählung über die französische Widerstandsbewegung und die besondere Rolle, die Nancy Wake innehatte: Sie beginnt als Botin und schmuggelt gefälschte Ausweise für Flüchtende. Sie hortet Nahrungsmittel, um sie später verteilen zu können. Vielen Menschen verhilft sie zur Flucht.
Als «souris blanche», die weisse Maus, war sie berühmt, und die grosse Unbekannte. Auf sie wurde von der Gestapo ein Kopfgeld ausgesetzt. Dann wurde es immer gefährlicher und sie floh nach Grossbritannien. Dort wurde sie vom Special Operations Executive (SOE) angeheuert. Der SOE war eine Spezialeinheit, die Sabotageaktionen in den von den Deutschen besetzten Ländern durchführte. Sie unterstützte und versorgte die lokalen Widerstandsgruppen, indem sie das benötigte Material aus Flugzeugen abwarfen.
Als ausgebildete Spezialagentin kehrt Nancy wieder nach Frankreich zurück. Sie organisiert den Nachschub und führt eine Gruppe Widerstandskämpfer in der Auvergne an.
Die Geschichte einer Ehe
Diese Zeit von 1936 bis 1944 bildet den Rahmen für Ariel Lawhons Roman. Die Autorin verwendet mehrere Zeitstränge. Die Erzählung beginnt im Jahr 1944 und schliesst mit der Eröffnungsszene. Dazwischen erzählt Lawhon aus Nancy ereignisreichen Jahren. Acht Jahre im Zeichen des Widerstands.
«Codename Hélène» sei eigentlich die Geschichte einer Ehe. Das erklärt Ariel Lawhon, die Autorin, im Nachwort. Aber die Liebesgeschichte von Nancy und Henri nimmt nur einen kleinen Teil der Handlungen ein. Ihr Kennenlernen und das Leben der beiden in Marseille sind amüsant und humorvoll erzählt. Dadurch bekommt die Geschichte eine gewisse Leichtigkeit. Im Mittelpunkt steht jedoch eindeutig Nancys Leben als Widerstandskämpferin.
Die Erzählung enthält alles, was ein spannendes, abwechslungsreiches und auch ein wenig romantisches Lesevergnügen ausmacht.
Fazit
Dieser Roman ist eindeutig eine Würdigung der wenig bekannten, aber hochdekorierten Agentin Nancy Wake. Es ist die Geschichte einer Widerstandskämpferin in Frankreich im Zweiten Weltkrieg. Die persönliche Biografie von Nancy Wake diente Ariel Lawhon als Grundlage für diesen fiktionalen Roman, der durch viele historisch belegte Details bereichert wird. Er erzählt die lebendige Geschichte einer kämpferischen Persönlichkeit und stellt die Bedeutung von Zusammenhalt, Mut und Freundschaft in den Mittelpunkt.

Ariel Lawhon, Adrian

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