Löwenherzen
- C.H. Beck
- Erschienen: Februar 2026
- 1


Derb und emotional zugleich.
Dan Jones’ dritter Band der Essex-Dogs-Reihe führt ins englische Mittelalter und beginnt im Jahr 1348. Thorp und Millstone bilden den kläglichen Rest der ehemaligen Söldnertruppe und segeln mit einem Schiff von England nach Bordeaux. Sie sind als Leibwache für Prinzessin Joan, der Tochter König Edwards III verpflichtet worden. Sie soll mit Pedro von Kastilien verheiratet werden. Je näher die Flotte Bordeaux kommt, je mehr Tote schwimmen im Wasser. Die Pest hat die Stadt fest im Griff.
Treffpunkt Winchelsea
Unter den Toten ist auch die englische Prinzessin. Thorps und Millstones Auftrag ist damit hinfällig. Es bleibt ihnen nichts anderes übrig, als sich dem Kommando des Grafen Lancaster, dem Cousin des Königs, anzuschliessen. Dieser zieht zur selben Zeit mit seiner Armee durch die Gascogne.
Unterdessen hat sich der Anführer der Essex Dogs, Loveday FitzTalbot, in der Hafenstadt Winchelsea zur Ruhe gesetzt. Mit seiner Partnerin Gwen führt er die Schenke zum Grünen Löwen. VomSöldnerleben hat er mehr als genug. Doch die Zeiten sind sehr hart und Loveday kämpft täglich ums Überleben. Als er die Bekanntschaft mit Robert Large, dem Sergeant-at-arms von König Edward III macht, scheint sich das Blatt zu wenden.
Thorp und Millstone kehren von der glücklosen Mission aus Frankreich nach Winchelsea zurück und suchen einen nächsten Auftrag. Mit dabei ist auch Thorps Neffe Rigby. Ein Junge, der Schwierigkeiten förmlich anzieht.
Als ob sich das Hafenstädtchen Winchelsea zu einem Treffpunkt der Essex Dogs entwickelt, gesellt sich nach einer gewissen Zeit ein weiterer Söldner der Truppe dazu: Romford. Er dient dem hoch verschuldeten Sir Thomas Holand. Sir Thomas, Ritter des Hosenband-Ordens, wird schon bald seine Soldaten in der bevorstehenden Seeschlacht gegen die Kastilier anführen.
Und wieder wird die Truppe um ihren ehemaligen Anführer Loveday von den Ereignissen überrollt.
Die Eigenheiten gesellschaftlicher Strukturen
Vor dem Hintergrund der Seeschlacht zwischen England und Kastilien führt Dan Jones die Geschichte der ehemaligen Söldnertruppe weiter. Dabei schafft Jones eine eindrückliche Atmosphäre, die die krassen Unterschiede zwischen der ärmlichen Bevölkerung und der dekadenten Lebensweise der Adeligen aufzeigt. In diesem Buch erzählt der Autor die Geschichte echter raubeiniger Soldaten. Die Essex Dogs sind im Grunde skrupellose Kämpfer, die keine moralischen Ansprüche stellen, die aber dennoch die Folgen ihres Tuns tragen müssen. Die Sprache ist oft roh und vulgär. Vielleicht, weil er die Besonderheiten der Figuren hervorheben möchte. Ob die Ausdrucksweise der damaligen Realität entspricht, ist jedoch fragwürdig. Aber die Erzählung wirkt dennoch authentisch und lebendig. Vor allem die Seeschlacht gegen Ende des Romans überzeugt mit vielen akribisch recherchierten Details. Allerdings endet die Geschichte etwas abrupt. Das lässt vermuten, dass es in irgendeiner Form eine Fortsetzung geben könnte.
Fazit
Dan Jones’ Buch «Löwenherzen» aus der Essex-Dogs-Trilogie beinhaltet eine beeindruckende Mischung aus Intrigen, Verrat, Krieg und der Darstellung sozialer Strukturen. Die oft rohe Ausdrucksweise betont sprachlich die Härte des Söldnerlebens. Bemerkenswert sind sowohl die historischen Fakten, die der Autor zusammengetragen hat, wie auch die Darstellung der aussergewöhnlichen Männerfreundschaft. Leser, die gerne über kriegerische Auseinandersetzungen im Mittelalter lesen, werden hier fündig.

Dan Jones, C.H. Beck

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