Als im Hotel Messmer der Tee ausging

  • Emons
  • Erschienen: Mai 2025
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Kirsten Kohlbrei
741001

Histo-Couch Rezension vonFeb 2026

Klara Butterfass im Dienst ihrer Majestäten.

1883: Die 17-jährige Klara Butterfass lebt im Schwarzwald, im Kinzigtal mit ihren Brüdern und ihrem Vater auf dem Hof der Familie. Als einzige Tochter ist sie nach dem Tod von Mutter und Großmutter allein für den gesamten Haushalt verantwortlich. Die schwere Arbeit macht ihr jedoch nichts aus. Da der Vater ihr allerdings den Schulbesuch untersagt und sie zudem noch mit dem Besitzer des Nachbarhofs, einem ältlichen Witwer, verheiraten will, packt sie ihre wenigen Habseligkeiten und verlässt eines Nachts die ländliche Heimat, um in der Stadt, ihren Traum eines selbstbestimmten Lebens zu verwirklichen.

Vom Kuhstall ins Kurhotel

Durch Zufall landet sie im mondänen Kurort Baden-Baden und trifft dort als erstes auf den jungen Reporter Ferdinand Vogel, der im Badeblatt über das gesellschaftliche Geschehen der Stadt schreibt. Vor allem berichtet er aus dem Leben der adeligen Kurgäste aus ganz Europa, die sich zur Saison dort ein Stelldichein geben.

Noch am Ankunftstag macht Klara auch sofort die Bekanntschaft der Kaiserin Augusta. Nach einer kleinen Hilfsbereitschaft wird die Monarchin zur Fürsprecherin Klaras und verschafft ihr so eine Anstellung im Maison Messmer, dem Stammhotel des Kaiserpaares.

Mit ihrer freundlichen, natürlichen Art und ihrer umsichtigen Arbeit als Dienstmädchen, ist Klara bis auf wenige Eifersüchteleien rasch allseits beliebt, sowohl bei den Gästen und dem Personal als auch bei der Familie Messmer.

Die Hochzeit der ältesten Tochter Augusta, dem Patenkind der Kaiserin, mit dem Erben des modernsten Hotels am Ort steht kurz bevor und sie wird zur geschätzten Hilfe bei den Vorbereitungen der großen Feier.

Genesung, Glamour und Gefahr

Klara taucht ein in die Welt der Schönen und Reichen. Sie bedient Kaiser Wilhelm I, der in gelöster Atmosphäre neben seinen Kuranwendungen Staatsgeschäfte und Weltpolitik betreibt. Sie begegnet weiteren Staatsoberhäuptern wie der Kaiserin Sisi oder dem englischen Thronfolger Prinz Edward, die auch bei ihrem Aufenthalt im Badeort immer als Repräsentanten des Hofes auftreten.

Zugewandt nimmt sie all die Erfahrungen ihres neuen Arbeitsalltag auf, der mit ihrem bisherigen bäuerlichen Leben nichts gemein hat. Die große Sorge, dass ihre Familie ihre Spur bis nach Baden-Baden verfolgen könnte, lässt sie ihre Umgebung jedoch immer genau im Blick behalten. Als dabei ein bewaffneter Mann ihre Aufmerksamkeit erregt, macht sich Klara - die drohende Gefahr eines politischen Komplotts vor Augen - gemeinsam mit Ferdinand, der in kurzer Zeit schon mehr als ein guter Bekannter geworden ist, auf die Suche nach einer Erklärung.

Damit nicht genug: Ihrem Bruder Paul ist es wirklich gelungen, sie aufzuspüren. Er stellt ihr ein Ultimatum für die Rückkehr in den Schwarzwald. Am Hochzeitstag der jungen Augusta Messmer überstürzen sich die Ereignisse. Während die glamourösen Festlichkeiten noch mit einem rauschenden Abend ausklingen, befinden sich Klara und der junge Journalist plötzlich auf der gefährlichen Jagd nach einer Gruppe von Umstürzlern.

Offen, ob sie die finsteren Pläne der Verschwörer noch stoppen können - und ob Klara im zur Heimat gewordenen Baden-Baden mit dem liebgewonnenen Ferdinand eine Zukunft haben wird.

Konstruierte Handlung in beschaulichem Stil

Die Autorin Kristina Hortenbach arbeitet als Promireporterin beim SWR und bleibt in ihrem Metier, wenn sie die Handlung ihres Romans ebenfalls im Umfeld des Adels und der gehobenen Gesellschaft zum Ende des 19. Jahrhunderts ansiedelt. Ihre Protagonistin Klara macht sie in der Rolle des Dienstmädchens, als Außenstehende dieser Glamourwelt, zur Beobachterin und stellt ihr mit ihrem Freund, dem Badeblatt-Berichterstatter Ferdinand, einen routinierten Kenner der zeitgenössischen High-society-Gepflogenheiten an die Seite.

Hortenbach wählt als Schauplatz der fiktiven Handlung, das in der Belle Epoque „angesagte“ Baden-Baden. An historischen Stätten lässt sie reale und fiktive Personen gleichermaßen agieren und greift dabei auf durch Quellen belegte Geschehnisse zurück. Auch die traditionsreiche Geschichte des Maison Messmer, das noch heute als Luxus-Hotel existiert, und die Anfänge des Teeunternehmens Meßmers fließen mit in den Text hinein.

Mit ihren Leser*innen flaniert die Autorin durch den Kurort und lässt dabei zwar eine Atmosphäre von Luxus und Internationalität erahnen, belässt es aber bei doch sehr geschönten Beschreibungen. Die Diskrepanz der Schichtzugehörigkeit zwischen den Kurgästen und Hoteliers und den Bediensteten erscheint als selbstverständlich und wird über weite Strecken auf joviales Verhalten der Wohlhabenden gegenüber ihren Untergebenen und dem Wunsch nach Pflichterfüllung des Personals reduziert.

Insgesamt zeigt sich die Geschichte der Klara Butterfass als Genre-Mischung von Heimat-, Kriminal- und Liebesroman, sehr bemüht arrangiert und nicht immer logisch nachvollziehbar. Details, etwa dass beim opulenten Hochzeitsmahl unbedingt ein (heutiges) No-Go wie Gänseleberpastete serviert werden muss, punkten ebenfalls nicht.

Der beschauliche Schreibstil, der zum Teil in schwülstige Formulierungen kippt, ist ebenfalls für ein gelungenes Leseerlebnis nicht förderlich. Dem dagegen originellen, gehaltvollen Namen entsprechend wird der Roman von der Protagonistin getragen. Die sympathische Ausgestaltung der Hauptperson überträgt sich auf die Leser*innen sowie das Interesse an der Antwort auf die Frage, ob Klara Butterfass ihren Traum von der Selbstständigkeit erfüllen kann, rettet über so manche seichte Leseseiten hinweg.

Fazit

Der Roman bleibt leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die ansprechende Idee, die Stimmung im exklusiven Baden-Baden zum Ende des 19. Jahrhunderts, mit den Augen des Personals statt aus Sicht der Kurgäste, lebendig werden zu lassen, wird trotz des Potentials der Hauptfigur nicht überzeugend umgesetzt. So liest sich die historische Darstellung eher positiv verklärt, als wirklich authentisch.

Als im Hotel Messmer der Tee ausging

Kristina Hortenbach, Emons

Als im Hotel Messmer der Tee ausging

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