Das Monument der Hoffnung
- C. Bertelsmann
- Erschienen: Mai 2026
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Umfassend, vielschichtig und beeindruckend.
Ildefonso Falcones siedelt seinen dritten Roman der «Kathedrale des Meeres» - Reihe im ausgehenden 15. Jahrhundert an. Das Mittelalter neigt sich dem Ende zu und die Renaissance beginnt. Arnau Estanyol, der Enkel des berühmten Erbauers der Kathedrale Santa María del Mar in Barcelona und Sohn des Admirals Bernat Estanyol, unterstützt König Alfons V. bei der Eroberung von Neapel. Während er weit weg von seiner Familie für seinen Herrscher kämpft, nutzen seine Feinde jede Gelegenheit, um ihn in Verruf zu bringen und ihm zu schaden.
Feinde überall
General Arnau Estanyol dient seinem König mit Herzblut und tiefer Überzeugung. Nicht nur seine Loyalität weiss der Herrscher zu schätzen. Oft sucht er auch den Rat seines Generals. Das gefällt nicht allen. Arnau hat viele Feinde, allen voran Gaspar Destorrent. Der umtriebige Halbbruder macht ihm seit jeher das Leben schwer und würde ihn am liebsten vernichtet sehen. Diese ständige Ungewissheit über den nächsten möglichen Stolperstein sowie die Angst um seine eigene Familie belasten Arnau zusehends.
«Arnau war dreiundvierzig Jahre alt, müde, verbittert, tollkühn, von Siegeswillen und blindem Gehorsam besessen. Diesem unbarmherzigen Soldaten wurde allenthalben Hass entgegengebracht, und selbst seine erbittertsten Feinde träumten davon, sich mit ihm zu messen, um mit dem Triumph über ihn prahlen zu können.»
Tatsächlich nutzen seine Feinde, während einer seiner längeren Abwesenheiten in den Diensten des Königs, die Gelegenheit und fügen seiner Familie grossen Schaden zu. Mit dabei ist Arnaus Halbbruder Gaspar Destorrent. Das Ereignis prägt das Leben der Familie Estanyol über Jahrzehnte. Arnau sinnt nach Rache und wartet auf eine Gelegenheit zur Revanche. Doch jemand anderem aus der Familie gelingt schliesslich, was dem grossen General versagt bleibt.
Gewissenhaft und ausführlich
In seinem neuen Roman zeigt Ildefonso Falcones die ganze Vielschichtigkeit des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Es sind die unzähligen Kriege und Eroberungszüge, die vor allem Mehreinnahmen für die Kriegskasse generieren. Je mehr Ländereien erobert werden, desto mehr fällt für den König und seine Kriege ab. Währenddessen hungert das Volk, weil es die Abgaben kaum noch leisten kann. Ein eindrückliches Abbild des grenzenlosen Egoismus’ der Herrschenden.
Was diese Geschichte so besonders macht, sind die vielen kleinen Details, die dazu beitragen, dass ein realistisches Bild des ausgehenden Mittelalters und der beginnenden Renaissance vermittelt. Einerseits sind es die Beschreibungen der kriegerischen Handlungen und der angewandten Strategien, andererseits das Leben der Soldaten. Eine weitere Facette erzählt vom Leben im Umfeld von König Alfons V. und von den Abhängigkeiten des Adels und der Kaufleute. Sehr gut ausgearbeitet hat Falcones ausserdem die unterschiedlichen Wesensarten der Katalanen und der Italiener.
« […], und es wusste ja jeder, wie raffgierig die Katalanen waren. Diesen Ruf hatten sie in Italien tatsächlich seit mehr als einem Jahrhundert, […] «
Die Italiener waren hingegen als wankelmütige und lebenslustige Intriganten bekannt. Es sind jedoch nicht nur die Beschreibungen der unterschiedlichen Kulturen, die faszinieren. Falcones schreibt darüber hinaus anschaulich über den Status der Frauen in jener Zeit. Sie hatten faktisch keinen Wert und dienten in jeder Gesellschaftsschicht nur als Mittel zum Zweck. Er scheut sich auch nicht, weitere sensible Themen wie Sexualität, Homosexualität, Gewalt und Missbrauch aufzugreifen und bildhaft zu beschreiben.
Trotz der vielen historischen Details und den gewalttätigen Handlungen vergisst Falcones die Liebe nicht. Vom Verliebtsein und Schäkern bis hin zur Liebe im Alter flicht er immer wieder einzelne Begebenheiten in seine Geschichte ein. Das wirkt angenehm und mildert die Härte in der Erzählung. Es fühlt sich an, wie Wellen im Meer: Krieg, Verrat, Intrigen, Macht und dann Familie, Liebe, Fürsorge. Und wieder Gewalt und Boshaftigkeit – und immer weiter.
«Neapel und sein Adel, sein Heer, der Dienst an der Waffe für den König, Siege, Ruhm, die Vormachtstellung über unsere Feinde und die Glorie des Reiches! Im Vergleich zu all dem hat Liebe doch keinerlei Bedeutung.»
Ildefonso Falcones schreibt ausschweifend und dennoch gewissenhaft. Sein enormes Wissen ist in jeder Zeile spürbar. Die historischen Einzelheiten beruhen auf akribischer Recherche. Diese Liebe zu Details ist beinahe ausufernd. Wer jedoch diese Art des Schreibens mag und eine Faszination für Geschichte hat, wird von diesem Roman begeistert sein.
Fazit
Besonders interessant an diesem Buch sind die Beschreibungen des Lebens der Menschen im zu Ende gehenden 15. Jahrhundert. Während die Fülle an historischen Elementen bereichert, können sie für Leser, die schnelle Handlungsabläufe bevorzugen, den Lesefluss verlangsamen. Der Roman ist ein Sinnbild für die äusseren und inneren Kämpfe und zeugt von Falcones Gespür für Menschen und Situationen. Diese epische Erzählung ist eine würdige Fortsetzung der Reihe «Kathedrale des Meeres» und überzeugt mit ihrem Facettenreichtum.

Ildefonso Falcones, C. Bertelsmann



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