Tod und Teufel

Erschienen: Januar 1995

Bibliographische Angaben

  • , 1995, Titel: 'Tod und Teufel', Originalausgabe

Couch-Wertung:

84
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Carsten Jaehner
Mord im mittelalterlichen Köln

Buch-Rezension von Carsten Jaehner Aug 2007

Im Köln des Jahres 1260 lebt Jacop, genannt "der Fuchs", da er feuerrote Haare hat. Er schlägt sich als Dieb herum und klettert eines Abends auf einen Baum im Garten des Erzbischofs, Konrad von Hochstaden, um Äpfel zu stehlen. Direkt gegenüber befindet sich gerade der Dom im Bau und zufällig sieht Jacop den Dombaumeister Gerhard auf dem Baugerüst. Er beobachtet eine zweite Gestalt in den Gerüsten - und diese stößt den Dombaumeister vom Gerüst in die Tiefe.

In diesem Moment bricht der Ast, auf dem der mit Äpfeln schwer bepackte Jacop sitzt, ab, und er schleicht sich zu dem sterbenden Dombaumeister, der ihm ein paar Worte ins Ohr flüstert. Das sieht jedoch der Mörder und es beginnt eine Hetzjagd durch das nächtliche Köln. Jacop sucht Unterschlupf bei Freunden, doch ist er auch hier nicht sicher. Jungen mit roten Haaren sind zu auffällig, als dass er sich in der Stadt unbemerkt verstecken könnte.

Jacop kommt bei dem Färber Goddert und seiner Tochter Richmodis unter. Zu dieser Familie gehört auch noch Godderts Bruder Jaspar, mit dem sich Jacop gut versteht. Schnell wird klar, dass der Tod des Baumeisters einigen gut in den Kram passt und Jacop gerät in eine Verschwörung zwischen Patriziern und der Kirche.

Spannende Geschichte

Neun Jahre vor seinem Welterfolg Der Schwarm erschien 1994 das Erstlingswerk von Frank Schätzing, sein bislang einziger historischer Roman Tod und Teufel. Basierend auf dem tatsächlichen ungeklärten Tod des Dombaumeisters und mit weiteren historisch belegten Persönlichkeiten erweitert, erzählt der Autor eine spannende Geschichte um den rothaarigen Jungen Jacop.

Auf knapp 500 Seiten gelingt es Schätzing dabei, den Leser in ein Köln aus der Mitte des 13. Jahrhunderts zu entführen und ihn auch wirklich in diese Zeit hinein zu versetzen. Durch seine klare Schreibweise lässt sich das Buch durchgehend flüssig lesen und spannend ist es außerdem. Von der ersten Seite an fesselt der Autor den Leser an sein Buch und dies gelingt ihm spielend.

Gut eingefangene Atmosphäre

Von Anfang an hat dieses mittelalterliche Köln etwas Schummeriges, Unfreundlich-Kaltes und diese Atmosphäre zieht sich durch den gesamten Roman. Schätzing schafft es trotzdem, Unterschiede zu machen. Die Gassen der Stadt Köln werden anders beschrieben als das Färber-Viertel, in dem Jacop immer wieder untertaucht. Hier erfährt man nicht nur etwas über die Färbergeschichte, sondern auch viel über das Ständeverhalten und Recht und Gesetz in Köln. Das wird dem Leser sehr geschickt ohne den lehrenden Zeigefinger beigebracht und somit fällt es ihm auch nicht auf, dass er etwas über die Geschichte Kölns lernt.

Der Spannungsbogen der Geschichte zieht sich geschickt durch den ganzen Roman, es wird an keiner Stelle langweilig. Das liegt auch daran, dass Schätzing immer wieder die Erzählperspektive wechselt. So entsteht immer ein Gefühl des Aktuellen, nichts wird aus einer weit entfernten Vergangenheit heraus erzählt. Dabei umfasst das ganze Buch in sich auch nur einen Zeitraum von fünf Tagen.

Wechsel in der Erzählstimmung

Liebevoll sind auch die Figuren charakterisiert. Jacop mit seinen roten Haaren, Richmodis, die ein Auge auf ihn geworfen hat, die Färber und vor allem natürlich die Patrizier und die Geistlichen. Die "Bösen" sind immer leichter zu charakterisieren, aber oft reichen auch nur ein paar Worte und der Leser weiß, mit wem er es zu tun hat. Auch die Intrigen der hochgestellten Persönlichkeiten untereinander sind klar nachvollziehbar und machen sie daher noch realistischer, zumal wenn es sich um tatsächliche historische Personen handelt.

Gelegentlich bricht eine leicht philosophische Note durch, wenn Jacop seine Gespräche mit Jasper führt. Dieser Tiefgang ist jedoch nicht störend, im Gegenteil, er bringt noch mehr Informationen über die Denkweise der Menschen und begründet damit ihr Handeln. Einen solchen Wechsel in der Erzählstimmung hätte es gerne öfter geben dürfen.

Am Ende des Buches findet sich ein Glossar mit Erklärungen und Übersetzungen, die vor allem für Nicht-Lateiner sehr hilfreich ist. Auch die Auflistung der Gebetsstunden hilft dem Leser beim Nachvollziehen der Tagesabläufe. Alles in allem ist Frank Schätzing mit Tod und Teufel ein Romandebüt gelungen, das, von wenigen Längen und manchen Wiederholungen von Verfolgungsjagden abgesehen, durchaus zu überzeugen weiß. Diese Krimikost ist zwar leicht zu lesen, aber das muss ja nichts Negatives sein. Es wäre schön, von Schätzing mal wieder einen neuen historischen Roman zu lesen.

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