Mord auf der Klosterinsel
- Emons
- Erschienen: Oktober 2025
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Mordserie auf der Reichenau.
Auf der Bodenseeinsel Reichenau geschehen seltsame Dinge. Man schreibt das Jahr 843, die politische Situation im Reich ist verfahren, da sich die drei Enkel von Karl dem Großen gegenseitig bekriegen und ein Ende des Konflikts nicht in Sicht ist. Auf der Klosterinsel Reichenau ist Walahfrid Strabo seit Kurzem Abt, und er könnte ein friedliches Leben führen, wenn nicht am Ufer des Bodensees eines Tages ein toter Fischer gefunden würde. Dieser Fischer wurde grausam zugerichtet und seine Kehle durchbissen. Alles deutet auf das Werk eines Wolfes hin, und die Sache ist bald vergessen.
Doch bald werden weitere getötete Inselbewohner mit denselben Merkmalen gefunden, und niemand glaubt mehr an einen Wolf, noch schlimmer, man glaubt an das Werk eines Werwolfes. Nur Lindberga kommt das alles seltsam vor. Sie ist eine junge reiche Witwe mit eigenem Haus und zudem die Nichte von Walahfrid. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem wahren Mörder, und sie müssen sich beeilen, denn dieser schlägt immer wieder zu, und zudem scheinen sich die politischen Verhältnisse zu klären, doch die Kunde der Mordserie auf Reichenau hat auch den Kaiser erreicht, und da gilt es, bald Ergebnisse vorzuzeigen zu können…
Eine historische Persönlichkeit ermittelt
Abt Wahlafrid würde eigentlich nichts lieber machen, als sein Abtamt auszuführen und seine ihm liebe Gartenarbeit zu verrichten, zumal er der geselligsten einer nicht ist und auch eigentlich keinen Kontakt zu seiner Nichte haben möchte, die ebenso wie er auf der Reichenau lebt. Als jedoch ein offensichtlicher Mord auf der Insel geschieht, ist es mit seiner beschaulichen Ruhe vorbei und er ist gefordert, nicht nur den Mord aufzuklären, sondern die Bewohner auch vor dem Mörder zu schützen. Denn dieser treibt weiter sein Unwesen, und einen Zusammenhang zwischen den Opfern gibt es nicht, daher fürchtet jeder, der nächste zu sein.
Nachdem sich alles etwas beruhigt hat und es eine längere Zeitspanne ohne Morde gibt, hat man zunächst die Mordserie vergessen, doch dann schlägt der Mörder wieder zu. Man befindet sich in der Mitte des Romans, und plätscherte der Roman nun eine Weile vor sich hin, nimmt man nun auch einmal die Perspektive des Täters ein, was den geneigten Lesern die Lösung etwas näher bringt als den Ermittlern. Dieser erzählerische Schachzug bewahrt den Leser vor einer gewissen Eintönigkeit, die an dieser Stelle gedroht hat, aber nun nimmt die Handlung Fahrt auf.
Ein Wolf? Ein Werwolf?
Heidrun Hurst hat mit Walahfrid Strabo eine tatsächlich reale Person als Ermittler gewählt. Dies und seine Stellung ausgerechnet auf einer Klosterinsel heben die Handlung von anderen historischen Kriminalromanen ab.
Man befürchtet, dass ein Wolf die Opfer gerissen haben könnte, aber dass es ein Wolf auf eine Insel schafft, das ist eher unwahrscheinlich. Und schon lockt der Aberglaube - und ein Werwolf soll Schuld an den Morden sein, also ein Mensch, der sich des nachts verwandelt, und so geraten die Bewohner der Reichenau in Panik und suchen einen Schuldigen, nach dessen Auffinden es auch zunächst wieder ruhiger wird. Man war seinerzeit schnell dabei, sich im Mystischen zu verlieren, leichtgläubig und somit ein gefundenes Fressen für einen Mörder, und das zum Leidwesen von Walahfrid, der es als Geistlicher ja besser weiß. Die Autorin fasst diese Situation gut zusammen und lässt den Leser an der Einfältigkeit der Insulaner mit verzweifeln.
Wenn der Fall und die Erzählung im zweiten Teil Fahrt aufnehmen, tritt auch Lindberga mehr in Erscheinung, eine selbstbewusste junge Frau, kinderlose Witwe und immerhin klug genug, dem Tratsch der Insulaner nicht zu glauben. Da sie teilweise die Leichen mit gefunden hat und auch eine angesehene Frau ist, kommt ihr automatisch die Rolle der Ermittlerin zu, da der zuständige Vogt den Fall als erledigt betrachtet und ihr Onkel im Kloster eingespannt ist. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und ermittelt sogar nachts. Dass sie ein unerlaubtes Stelldichein mit einem unerwarteten Geliebten hat, ist eine nette kleine Würzung ihrer Person.
Insgesamt bietet Heidrun Hurst mit ihrem Roman einen gelungenen Einblick in die Karolingerzeit und die Bodenseeregion, bettet die Handlung grob in das politische Geschehen der Zeit ein, das immer mal wieder am Rande erwähnt wird und so keinen zu großen Raum einnimmt. Wie man sich als Frau in einer Inselwelt durchsetzt, das wird durch sie erzählt, und als sie es schließlich schafft, ihren Onkel in die unvermeidlichen Ermittlungen mit einzubeziehen, lernt man auch etwas über das Klosterleben auf der Insel. Warum die Autorin durchweg alte, ungewohnte Namen gewählt hat, die den Leser zum Teil verwirren könne, wird ihr Geheimnis bleiben. Einige Daten werden in dem zweiseitigen Nachwort erwähnt, das den gut 300 Seiten starken Roman im Paperback aus dem Emons Verlag ergänzt.
Fazit
„Mord auf der Klosterinsel“ ist ein historischer Kriminalroman, der nach starkem Beginn ein wenig auf der Stelle tritt, aber in der Mitte mit einem Perspektivwechsel zum Täter wieder an Fahrt gewinnt. Der Roman bleibt spannend, auch wenn man bald ahnt, worauf alles hinausläuft; und doch hat der Roman bis zum Ende ein paar überraschende Wendungen parat. Wer einen soliden historischen Krimi mit einem ungleichen Ermittlerduo mag, ist hier richtig aufgehoben.

Heidrun Hurst, Emons

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