Die Farbe des Bösen

  • Lübbe
  • Erschienen: November 2025
  • 1
Die Farbe des Bösen
Die Farbe des Bösen
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Monika Wenger
831001

Histo-Couch Rezension vonDez 2025

Indem man das Böse nicht zum Thema macht, existiert es auch nicht.

Der zweite Band der Hermann-Rieker-und-Johanna-Ahrens-Reihe entführt uns in das Arbeitermilieu des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts. Das Buch trägt den Titel «Die Farbe des Bösen». In der Nähe einer Tapetenfabrik, auf einer Brache wird die Richterstochter Johanna Ahrens Zeugin, wie eine Leiche weggebracht wird. Sie hat sich mit einer Gruppe Sozialisten zu einer Demonstration getroffen und ist deshalb stille Beobachterin dieses Vorfalls geworden. Sofort macht sie sich auf den Weg zu Criminalcommissar Hermann Rieker, um ihm davon zu berichten. 

Ihre Wege kreuzen sich immer wieder

Seit seinem letzten Fall ist Criminalcommissar Hermann Rieker nicht mehr für die Ausbildung des jungen Criminalsekretärs Kracht zuständig, was einer Degradierung gleichkommt. Der überraschende Besuch von Johanna Ahrens und ihre Beobachtungen bieten Rieker nun die Gelegenheit, sich zu rehabilitieren. Obwohl er zunächst nicht völlig überzeugt ist, macht er sich auf den Weg. Seine ersten Nachforschungen bleiben zunächst ohne Erfolg. Dann findet er zufällig in der Nähe einer Brache tatsächlich Hinweise, die ihn zu einem anderen Toten führen.

Rieker hofft inständig, dass sich Johanna Ahrens dieses Mal aus dem Fall heraushalten wird. Beim letzten Mal, vor einem Monat, haben sie gemeinsam ermittelt. Das hat nicht nur zu Unstimmigkeiten mit seinem Vorgesetzten, sondern auch mit Johannas Vater geführt hat.

Derzeit scheint die Tochter des Richters allerdings andere Interessen zu verfolgen. Sie hat sich in Jan verliebt, der sich dem Klassenkampf verschrieben hat. Um ihm einen Gefallen zu tun, spioniert Johanna als Arbeiterin in einer Fabrik, um sich ein Bild der Anstellungsverhältnisse zu machen. Das ist aus unterschiedlichen Gründen nicht ungefährlich für die junge Dame aus der Oberschicht. Jedoch kreuzen sich Riekers und Johannas Wege immer wieder. Am Ende ermitteln sie aus verschiedenen Gründen und auf unterschiedliche Weise und entdecken ein besonders kriminelles Netzwerk.

Klassenkampf

Auch in diesem Fall lebt die Geschichte von der einzigartigen Atmosphäre, die Ralf H. Dorweiler so anschaulich aufleben lässt. Einerseits beschreibt er, wie im auslaufenden 19. Jahrhundert ermittelt wurde und mit welchen beschränkten Hilfsmitteln die Forensiker arbeiten mussten. Andererseits sind es die sozialen Verhältnisse, von denen der Autor so bildhaft erzählt.

Man fühlt sich unmittelbar in das Hamburg dieser Zeit versetzt und erlebt die Not und die Verzweiflung der Arbeiterklasse hautnah mit. Da sind die engen Wohnverhältnisse, die ständige Angst und der Kampf um ein bisschen Einkommen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es brodelt und gärt und die Arbeiter aufbegehren.

«Die von den Sozialisten erkämpften Arbeiterrechte waren teilweise kaum das Papier wert, auf dem sie standen. Reichtum bedeutete Macht, Armut hingegen Machtlosigkeit. Wie sollte ein armer Mensch seine Rechte durchsetzen?»

Auch in diesem Mordfall widmet Ralf H. Dorweiler seine Aufmerksamkeit einem menschlichen Körperteil. Da der Fall am Ende jedoch grössere Kreise zieht, werden die Ermittlungen für Hermann Rieker noch kniffliger und heikler.

Bereits im ersten Band dieser Reihe mit dem Titel «Der Herzschlag der Toten» hat Dorweiler die Klassenunterschiede anschaulich beschrieben. Man muss den Vorgänger jedoch nicht gelesen haben, da der Autor die nötigen Hinweise im zweiten Band eingearbeitet hat.

Einziger Kritikpunkt: Es scheint kaum vorstellbar, dass sich eine junge Dame aus der Oberschicht so verhalten haben könnte wie Johanna. Aber das ist vermutlich der Dramaturgie geschuldet.

Das offene Ende lässt auf eine Fortsetzung schliessen, die jetzt schon mit Spannung erwartet wird.

Fazit

Der historische Kriminalfall liest sich leicht und flüssig und besticht durch das gute Gespür für Figuren und Orte. Interessante Details zur Polizeiarbeit, zu wissenschaftlichen Themen und insbesondere zum sozialen Leben in der Hansestadt im 19. Jahrhundert bilden die Grundlage für dieses Lesevergnügen.

Die Farbe des Bösen

Ralf H. Dorweiler, Lübbe

Die Farbe des Bösen

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