Herrliche Zeiten - Dem Himmel so nah

  • Fischer Scherz
  • Erschienen: September 2025
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Monika Wenger
821001

Histo-Couch Rezension vonJan 2026

Wenn Fortschritt auch Frieden und Wohlstand für alle bedeutend würde.

Auch in seinem neuen Buch «Herrliche Zeiten – Dem Himmel so nah» bleibt Peter Prange sich und seinem Schreibstil treu und entführt die Lesenden zurück in die Anfänge des 20. Jahrhunderts. Im ersten Band des zweiteiligen Romans standen die Jahre 1871 bis 1900 im Zentrum. Die Fortsetzung, die die Jahre 1900 bis 1919 thematisiert, beginnt mit der Weltausstellung in Paris. Im April 1900 öffnete sie ihre Tore und verzückte die Menschen. Alles, was in Europa und Übersee Rang und Namen hat, ist nach Paris gereist. Mit Staunen und grosser Begeisterung feiern die Menschen den Fortschritt.

«Ja, es herrschten wahrhaft herrliche Zeiten, noch nie schien das Leben auf Erden dem Himmel so nah. Immer höher, immer schneller, immer weiter – als hätte die Welt sich die Devise der zur gleichen Zeit in Paris stattfindenden Olympiade zu eigen gemacht, eilte sie der Zukunft entgegen.»

Das Tempo des 20. Jahrhunderts

Eine unermüdliche Rastlosigkeit ist in allen Lebensbereichen zu beobachten. Das beunruhigt Auguste Escoffier, den berühmten Chefkoch des Pariser Ritz Hotels. Er trifft sich mit seinen Freunden anlässlich der Weltausstellung in Paris. Paul Biermann, Unternehmer und Bauingenieur aus Berlin, und seine englische Frau Vicky hingegen sind von den Möglichkeiten, die Technik und Wissenschaft zu bieten haben, begeistert. Für sie ist der rasante Fortschritt eine willkommene Entwicklung.
Ihre Freundschaft dauert mittlerweile seit mehr als dreissig Jahren. Sie sind inzwischen durch ihre Kinder auch verwandtschaftlich miteinander verbunden. Vickys Tochter Claire ist mit Pauls Sohn Friwi in einer unglücklichen Ehe gefangen. Ihr Herz gehört jedoch Kaspar, Pauls Neffen. Da sie nicht zusammenkommen können, flüchtet Kaspar nach Paris. Dort will er sich als Journalist profilieren und kommt mit den französischen Sozialisten in Berührung. Dies führt ihn später nach Russland, wo er russische Revolutionäre und ihre explosiven Methoden kennenlernt. Doch nicht nur Claire und Kaspar hadern mit ihrem Schicksal.  

Fortschritt und die Folgen

Peter Prange hat den Einstieg in den zweiten Teil von «Herrliche Zeiten» symbolträchtig gestaltet. Die Weltausstellung in Paris steht für den rasanten Fortschritt und den damit verbundenen Wandel der Gesellschaft. Prange bleibt seinem Stil treu und erzählt auf leichte und verständliche Weise von den vielen, zum Teil tiefgreifenden Ereignissen, die bis zum Ende des Ersten Weltkriegs die Welt in Atem halten. Es beginnt mit dem Boxeraufstand in China, der Kolonialpolitik in Afrika und dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger in Sarajevo. Peter Prange berichtet jedoch nicht nur über Politik, sondern auch über die Motorisierung und Elektrifizierung, über die Eröffnung des ersten Vergnügungsparks in Berlin, die Geschichte vom Hauptmann von Köpenick oder über das Examen der ersten Ärztin an der Charité. In rasantem Tempo wechselt er immer wieder zwischen Paris, London und Berlin. Von Auguste, zu Vicky und zu Paul. Dabei stehen nun die Nachkommen der drei Freunde etwas mehr im Fokus. Die Figuren sind alle fiktiv, bereichern jedoch die historisch belegten Ereignisse aufs Beste.

Der ständige Wechsel zwischen den verschiedenen Schauplätzen und Personen ist zwar abwechslungsreich, gleichzeitig aber auch anstrengend. Man würde gerne öfter bei einer Szene länger verweilen, wird aber vorwärtsgetrieben. Gegen Ende führen dann doch einige zu detailliert beschriebene politische Einstellungen und Aktivitäten zu Längen. Dennoch gelingt es Prange, die vielen Handlungsstränge zum Ende hin wieder zusammenzufügen.

Fazit

Mit diesem opulenten Werk, das über 700 Seiten umfasst, beweist Peter Prange erneut, dass er umfangreiches Zeitgeschehen unterhaltsam und vor allem verständlich vermitteln kann. Packend verpackt, verbindet er Politik, Wirtschaft, Technik und Wissenschaft mit einer fiktiven Handlung. Er zeichnet das Bild einer Gesellschaft im rasanten Wandel, ohne die Schattenseiten zu vergessen. Ein besonderer Roman und ein faszinierendes Stück Zeitgeschichte.

Herrliche Zeiten - Dem Himmel so nah

Peter Prange, Fischer Scherz

Herrliche Zeiten - Dem Himmel so nah

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