Der Tote im Kamin

  • DuMont
  • Erschienen: September 2025
  • 1
Der Tote im Kamin
Der Tote im Kamin
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Thomas Gisbertz
901001

Histo-Couch Rezension vonNov 2025

Ein klassischer Krimi mit großartigem Humor, wundervollen Figuren und einem starken Plot.

York, Dezember 1952: Der 38-jährige Inspector Frank Grasby ist ein engagierter, mitunter aber etwas tollpatschiger Ermittler, dessen Erfolgsquote doch zu wünschen übrig lässt. Zuletzt sorgte er landesweit für Schlagzeilen, weil er im Rahmen eines Einsatzes versehentlich zwanzig der wertvollsten Pferde Englands in die Freiheit entließ. Daher beschließt sein Chef, ihn für einige Zeit in die North York Moors zu versetzen. In der Gegend um das beschauliche Örtchen Elderby gab es zuletzt wiederholt Diebstähle auf den Farmen, um die sich der Inspector nun kümmern soll.

Grasby bleibt nichts anderes übrig, als sich in der Vorweihnachtszeit auf den Weg nach Elderby zu machen - einem Dorf, das abseits jeglicher Zivilisation liegt und deren Einwohner alle etwas eigenartig erscheinen. Kaum angekommen, wird der Inspector wegen eines Einbruchversuchs nach Holly House gerufen, dem Sitz von Lord Damnish. Vor Ort stört allerdings eine ungewöhnlich starke Rauchentwicklung die Ermittlungen von Grasby und der Polizeipraktikantin Daisy Dean – und beim Griff in den Kaminschacht fällt dem Inspector prompt eine Leiche vor die Füße. Spätestens als kurz darauf auch der Mann der Dorfärztin tot aufgefunden wird und Grasby einen ungewöhnlichen Auftrag erhält, wird die Situation für den Ermittler nicht nur immer verworrener, sondern er gerät sogar selbst in Lebensgefahr. Doch Grasby wäre nicht Grasby, wenn er sich nicht mit Cleverness und auch einer gehörigen Portion Glück aus dieser misslichen Lage befreien könnte.

Ehemaliger Polizist und Autor

Der schottische Kriminalautor Denzil Meyrick, der vor allem für seine zwölfteilige Buchreihe über DCI Jim Daley bekannt war, die in der fiktiven schottischen Stadt Kinloch spielt, ist leider im Frühjahr 2025 im Alter von nur 59 Jahren verstorben. Nun erscheint posthum im DuMont Verlag der Auftakt der dreibändigen Frank-Grasby-Reihe, an der der ehemalige Polizist Meyrick bis zum Schluss schrieb. Alle Romane spielen übrigens in der (Vor-)Weihnachtszeit der Jahre 1952-1954.

Eins steht bereits jetzt fest: Mit seiner wundervollen Krimi-Reihe rund um den mitunter recht unbeholfenen und naiv wirkenden, aber mit einem überaus sonnigen Gemüt ausgerstatteten Inspector Grasby hat sich Meyrick selbst ein Denkmal gesetzt. Die Romane überzeugen in bester britischer Manier mit viel Humor, feiner Ironie, pointierten Dialogen, viel Spannung und einer bezaubernden Atmosphäre, die nicht zuletzt auch wegen des typischen Figurentableaus an die großen Klassiker der britischen Krimiliteratur erinnern. Gleichzeitig persifliert Meyrick mit seinem Protagonisten auch in gewisser Weise bekannte Vorbilder wie etwas Hercule Poirot. Denzil Meyrick wird ohne Zweifel auch hierzulande die Herzen aller Liebhaber klassischer Krimi-Fans erobern.

Interessante Erzählweise

Denzil Meyrick wählt eine ungewöhnliche Erzählweise für seinen Roman. Die Binnenhandlung, die aus der Perspektive Grabys geschildert wird, rahmt er mit einem namenlosen Erzähler - einem entfernten Cousins mütterlicherseits des Inspectors - ein, der nach dem Tod seiner Eltern auf die Memoiren Grasbys stößt: eine Art Archiv bestehend aus Polizeiberichten, Telexen, Zeitenaussagen, Notizen und Erinnerungsstücken an Fälle, aus denen sich der Roman im Folgenden zusammensetzt.

Der Inspector berichtet zunächst nicht von seinem ersten Fall, sondern dem, der einen Wendepunkt für sein gesamtes Leben darstellte: die Mordfälle von Elderby. Dabei schweift Grasby auch immer wieder ab, wenn er von seinen beruflichen wie privaten Fehltritten, seiner Armeevergangenheit oder dem doch sehr speziellen Verhältnis zu seinem Vater, einem Referend, auf die für ihn so typisch ironische Weise berichtet.

Stimmiges Setting

Auch die ebenso wundervolle wie eigenwillige Figurendarstellung trägt zum gelungenen Roman bei. Neben dem unter Narkolepsie leidenden Sergeant Elphinstone Bleakly und der eigenwilligen Vermieterin Mrs. Gaunt, bei der Grasby unterkommt, ragt besonders die amerikanische Polizeipraktikantin Miss Daisy Dean heraus, eine ebenso schlagfertige und selbstbewusster wie attraktive junge Frau, die der Inspector unvermittelt zu seiner Assistentin ernennt. Insgesamt werden sämtliche Figuren - von der Pubbesitzerin Ethel, über den ängstlichen Pfarrer Croucher bis hin zum Bäcker Wally - ungemein liebevoll gezeichnet.

Denzil Meyrick weiß seine Leser ab der ersten Seite mit der richtigen Mischung aus Humor, Spannung, britischem Flair sowie der vorweihnachtlichen Stimmung zu fesseln. ,,Der Tote im Kami '' ist der perfekte Roman für die kommenden Wintertage.

Fazit

Wer die Frank-Grasby-Reihe des schottischen Autors Denzil Meyrick liest, wird sich unweigerlich in die Romane und seine Figuren verlieben. Der Autor schreibt mit großer Leichtigkeit und überzeugt mit einem überraschend tiefgründigen Ende. Man darf nur hoffen, dass der DuMont Verlag auch die beiden weiteren Bände veröffentlichen wird. Denzil Meyrick haucht dem klassischen britischen Kriminalroman neues Leben ein. Einfach grandios!

Der Tote im Kamin

Denzil Meyrick, DuMont

Der Tote im Kamin

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