Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans

  • Droemer-Knaur
  • Erschienen: Dezember 2025
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Carsten Jaehner
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Histo-Couch Rezension vonFeb 2026

Wer die See im Blut hat.

Kurz vor Beginn der Französischen Revolution gelingt es dem dreizehnjährigen Robert Surcouf, aus der von ihm gehassten Jesuitenschule zu fliehen und sich auf eine Brigg zu schleichen, auf der von nun an für drei Jahre ein Seemann werden will. Sein Großvater war bereits Korsar und seine weiteren Vorväter Reeder und Seefahrer, so dass ihm die Seefahrt im Blut liegt. Nach drei Jahren kehrt er zurück nach Hause nach Saint-Malo, wo er von seinen Eltern bereits sehnsüchtig erwartet wird. Doch es ist klar, dass er auf See gehört, zumal er sich in den Jahren gut geschlagen hat. Er verliebt sich in ein Mädchen, das ihm auch die Treue verspricht, auch wenn beide Eltern das nicht gerne sehen. Und Robert geht wieder auf große Fahrt, dieses Mal in den Indischen Ozean.

Sie landen auf der französischen Kolonie Île-de-France (heute: Mauritius), von wo aus die französischen Schiffe ihre Fahrten aufnehmen. Dort erfährt er, dass in Frankreich eine Revolution gegen den Adel im Gange ist und die Engländer Feinde sind. Robert arbeitet sich hoch und kann bald selber als Kapitän Schiffe befehligen. Sein Gespür für Wind und Wellen, sowie sein Geschick, machen ihn zu einem beliebten, weil erfolgreichen Kapitän, der so manche Prise aufbringt und damit das Leben auf der von den Briten umlagerten Insel Île-de-France erleichtert.

Als er nach Saint-Malo zurückkehrt, eilt ihm sein Ruf voraus, doch bekommt er zunächst keinen Kaperbrief, der es ihm erlauben würde, als Korsar weiter Schiffe aufzubringen. Doch an Land bleiben ist seine Sache nicht, und so sticht er wieder in See, als er gebraucht wird. Bald wird auch ein französischer General auf ihn aufmerksam, der ein geschickter Stratege an Land ist, aber von Seekrieg keine Ahnung hat. Der kleine Korse Napoleon bekommt Tipps von Robert, und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, dass sich ihre Wege gekreuzt haben…

Die Französische Revolution aus maritimer Sicht

Nach seiner Romandilogie über Admiral Horatio Nelson begibt sich Autor Mac P. Lorne mit seinem neuen Roman auf die andere Seite und beschreibt nach zahlreichen englischen Seefahrern erstmals den Lebensweg eines Franzosen, allerdings eines Franzosen, der Nelson, wenn auch nur auf See und nicht persönlich, begegnet ist. Robert Surcouf war ein französischer Korsar, in Frankreich wohlbekannt, im deutschsprachigen Raum eher unbekannt, und doch lohnt sich ein Blick auf seine Lebensgeschichte. Lorne übernimmt diese selbstgestellte Aufgabe und hat einen gut 450-seitigen Roman verfasst, der die Erfolgsgeschichte von Surcouf nachzeichnet.

Man merkt Lorne seine Erfahrung mit nautischen Geschichten an, denn von Beginn an ist er sprachlich auf der Höhe und versetzt den Leser in Zeit und Geschehen der Französischen Revolution sowie die Zeiten kurz davor und danach. Da Surcouf viel Zeit auf See verbringt, kommen Nachrichten aus der Heimat selten und dann auch sehr spät zu ihm; so ist man als Leser immer genauso gespannt, was nun gerade in Frankreich los ist. Man bekommt nur kleine Sprengsel an Informationen, da man aber aus heutiger Sicht besser über die Revolution informiert ist, ergibt sich eine interessante Variante der Erzählweise.

Der Herrscher des Indischen Ozeans

Neben dem historischen Rahmen schafft es Lorne, den Leser auch authentisch mit auf Seereisen zu nehmen. Seine Kenntnisse über Schiffe und nautische Fachbegriffe fließen gekonnt in die Erzählung ein und versetzen den Leser so realistisch an Bord, dass man das Salzwasser schmecken kann und auf Surcoufs Beutezügen fast schon ein Experte darin wird, wie man ein Schiff vernünftig mit möglichst wenig Verlusten, an eigenen sowie gegnerischen Kräften, kapert. Surcoufs Erfolgsgeschichte, die tatsächlich nur mit sehr wenigen negativen Erlebnissen einherging, brachten ihm schnell den Titel „Tiger des Indischen Ozans“ ein, ein Prädikat, dem er sich auch bemühte, gerecht zu werden, als er davon erfuhr.

Da sein Erfolg bald auch in die Heimat drang, konnte er schnell seine Geliebte zur Frau nehmen und somit sowohl die eigenen als auch die Schwiegereltern glücklich machen, denn seine inzwischen angehäuften Prisengelder überzeugten auch die strengsten Neuverwandten. Lorne gelingt der Spagat zwischen der „beruflichen“ und der privaten Person Robert Surcouf, die Mischung aus Abenteuer auf See und Erlebnissen an Land lässt keine Langeweile aufkommen. Mit einem gewissen Amüsement lesen sich vor allem die Situationen, in denen er reihenweise die obersten Vorgesetzten abblitzen lässt, wenn sie ihm vorschreiben wollen, was er zu tun und zu lassen habe.

Napoleon ohne Gespür für die See

Robert ist frech, aber er hat auch etwas vorzuweisen, daher kann er es sich bis zu einem gewissen Grad erlauben, nicht alles hinnehmen zu müssen. Dass er dabei gelegentlich auf Napoleon Bonaparte trifft, zunächst als Oberst, dann als General, und natürlich durch Nachrichten auch als Kaiser, wirft ein interessantes Licht auf den sich selbst ernannten Kaiser. Zunächst als Held gefeiert und dann als Befreier Frankreichs angesehen, wird er schließlich zu dem Tyrannen, den die Franzosen eigentlich mit der Revolution loswerden wollten. Roberts erwähnte Kurzeinblicke in die Machenschaften Napoleons lassen auch ihn zu seinem Gegner werden.

Mac P. Lorne hat mit „Robert Surcouf“ einen frischen, teils frechen Roman vorgelegt, der das Leben des französischen Korsaren erzählt und dabei authentisch nah am Geschehen bleibt, ohne sich in romantischen Erzählungen zu verlieren. Seine Recherchen und die daraus resultierende Erzählweise ergeben einen bisweilen spannenden bis kurzweiligen Roman, der sich leicht und flüssig lesen lässt. Für Freunde von maritimen Romanen ein Muss.

Die 450 Seiten aus dem Knaur Verlag vergehen wie im Fluge und werden durch eine nützliche Karte des Indischen Ozeans, ein Personenverzeichnis, ein Glossar, eine Bibliografie und einige historische Anmerkungen des Autors treffend ergänzt, so dass beim geneigten Leser keine Wünsche offenbleiben.

Fazit

Lornes neuester maritimer Streich reiht sich nahtlos in seine Seefahrer-Romane ein und man spürt seine Lust aufs Erzählen in jeder Zeile. Lorne erzählt eine Abenteuergeschichte mit entsprechendem gelungenem historischem Hintergrund und lässt seine Leser für ein paar Stunden in die Zeit der Französischen Revolution abtauchen, wenn auch ohne die Revolution selbst, was einen interessanten Blickwinkel ergibt. Man darf auf neue Romane aus seiner Feder gespannt sein.

Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans

Mac P. Lorne, Droemer-Knaur

Robert Surcouf - Der Tiger des Indischen Ozeans

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