Das Lied des Vogelhändlers
- Lübbe
- Erschienen: August 2025
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Rache und verletzte Eitelkeiten sind schlechte Ratgeber.
Ralf H. Dorweiler Roman «Das Lied des Vogelhändlers» ist eine spannende und lehrreiche Reise ins Hochmittelalter. Es ist die Zeit der Kreuzzüge und des deutschen Thronstreits, aber auch die Zeit der Minne.
Intrigen und Machtkämpfe
Zwei Tage vor dem grossen Turnier auf Burg Hachberg im Schwarzwald versucht der Vogelhändler Wigbert noch ein Falkenküken aus einem Nest zu holen. Ein besonderer Vogel, den er auf der Burg zu verkaufen gedenkt und der ihm hoffentlich einen ordentlichen Gewinn bringen wird. Auf dem Rückweg zu seinem Wagen trifft er auf Walther von der Vogelweide, der mit seinen Begleitern ebenfalls zum Turnier unterwegs ist. Der Minnesänger soll im Auftrag des Stauferkönigs Philipp von Schwaben am Fest teilnehmen. Ausserdem ist er in geheimer Mission unterwegs und braucht Wigberts Hilfe.
Zehn Jahre zuvor: Im Jahr 1190 stirbt Franziskas Onkel Alwin von Hellenau in Kleinasien. Als seine einzige Begleiterin steht sie nun allein da und muss sich irgendwie über Wasser halten. Sie schliesst sich den Nonnen an, die den Kreuzzug König Barbarossas begleiten. Bei ihnen fühlt sie sich sicher. Durch die Ordensfrauen und den Bader Rochus lernt Franziska im Laufe der Zeit viel über Heilkunde. Mit diesem Wissen rettet sie das Leben des Markgrafen Hermann von Baden. Insgesamt bleibt sie zehn Jahre in Kleinasien und kehrt im Mai 1200 in ihre Heimat zurück. Gerade rechtzeitig zum Turnier auf Burg Hachberg, das die Söhne des Markgrafen Hermann von Baden ausrichten.
Während der Feierlichkeiten mischt sich Franziska von Hellenau unter die Menschenmenge. Sie hat eine Mission, die sie an diesem Tag zu Ende führen will. Doch vorerst muss sie sich in Geduld üben. Auf der Burg ereignen sich eine Reihe ungewöhnlicher Vorfälle. Sie bringen Walther, Wigbert und Franziska zusammen. Plötzlich stecken sie in einem Reigen von Intrigen und Machtkämpfen, in denen ein geheimnisvoller Unbekannter eine wichtige Rolle spielt.
Besondere sprachliche Feinheiten
Den Ausgangspunkt für Ralf H. Dorweilers spannenden Roman aus dem Mittelalter bilden zwei Zeitebenen und zwei Erzählstränge. Dabei lässt er sehr viele historische Details in seinen Roman einfliessen. König Barbarossas Kreuzzeug und dessen Tod in Kleinasien ist ebenso Bestandteil, wie Einblicke in das Burgleben und die höfische Gesellschaft. Oft sind es nur kleine Hinweise, die zeigen, mit welcher Akribie der Autor seine Recherchen betrieben hat. Davon profitieren seine Leser/innen in höchstem Masse. Dorweiler zaubert eine tolle Atmosphäre. Das Resultat ist eine wunderbar authentische Erzählung.
Über längere Zeit lässt der Autor offen, wie sich die beiden Erzählstränge verbinden werden. Das ist raffiniert und hält die Spannung hoch. Neugierig wartet man auf die weitere Entwicklung der Geschichte. Für zusätzliches Schmunzeln sorgt die jedem Kapitel vorangestellte Vogelart und deren Charaktereigenschaften, die der Autor einer Figur im aktuellen Geschehen zuordnet. Es sind diese Feinheiten, die den besonderen Reiz ausmachen.
Fazit
Es ist eine lebendig erzählte Geschichte, die über die ganze Länge hinweg spannend und interessant bleibt. Dorweilers Schreibstil ist leicht und flüssig und vermittelt dabei viel Wissenswertes. Es gelingt es ihm, Historisches und Fiktion auf unterhaltsame Weise miteinander zu verbinden. Eine wunderbare Lektüre für Geschichtsbegeisterte.

Ralf H. Dorweiler, Lübbe

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