Königsmörder

  • Heyne
  • Erschienen: November 2022
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Monika Wenger
81

Histo-Couch Rezension vonJan 2023

Spannend wie ein Krimi

Sie waren wütende Kreuzritter, die ihrem aufgestauten heiligen Furor freien Lauf liessen, und zurückblickend fragte er sich, ob sie damals wirklich Gottes Werk verrichtet hatten.

König Karl I. wird im Jahr 1649 von radikalen englischen Protestanten wegen Bevorzugung der Katholiken angeklagt und anschliessend hingerichtet. Über fünfzig Beteiligte, die Königsmörder, haben das Urteil unterschrieben. Elf Jahre lang herrschen nun die Republikaner unter Oliver Cromwell, der als Lordprotektor eingesetzt wird. Nach dessen Tod hievt das Parlament 1660 den Sohn des ermordeten Königs, Charles II., auf den Thron. Er will Rache für die Mörder seines Vaters. Die Verfolgung und gnadenlosen Hinrichtungen aller sogenannter Königsmörder beginnt nun mit Vehemenz.

Ein Leben auf der Flucht

Auf der Flucht sind auch die beiden Oberste aus Cormwells Armee, Edward Whalley und sein Schwiegersohn William Goffe. Sie entkommen mit einem der letzten Schiffe nach Amerika. Aber auch die Kolonien bieten ihnen keinen absoluten Schutz. Die Verfolgten müssen sich weiterhin versteckt halten – da genügt keine noch so grosse Distanz zu England. Unterdessen spüren die Häscher in England, den Niederlanden und in Deutschland unzählige Königsmörder auf. Diese werden verurteilt, teils barbarisch misshandelt und hingerichtet. Im Verlaufe der Jahre lässt die Intensität der Verfolgung nach. Nur einer lässt sich nicht davon abhalten, auch die letzten Flüchtenden zu finden und ihrer vermeintlich gerechten Strafe zuzuführen. Auch wenn er dazu übers Meer reisen muss.

Gerechtigkeit um jeden Preis

Tief taucht man ein in den englischen Bürgerkrieg. Eine Zeit voller Unruhen, Veränderungen und religiöser Fronten. Weite Teile des Romans von Robert Harris finden in Neuengland statt. Dort, wo die beiden Oberste Schutz suchen. Es ist eine ganz eigene Welt – eine Welt, die geprägt ist durch die religiösen Strukturen der puritanischen Siedler. Nicht immer kommt ihre Hilfe aus ganzem Herzen. Für die Edward Whalley und William Goffe bleibt die ständige Gefahr einer Entdeckung. Sie bestimmt das Leben der beiden Männer mehr als zwanzig Jahre.  

Harris bedient sich in seinem Roman einer eher ruhigen, gemächlichen Erzählweise. Die historischen Details sind sehr gut und ausführlich eingearbeitet. Hin und wieder beschleicht einen das Gefühl einer gewissen Eintönigkeit, wenn allzu viele geschichtliche Informationen einfließen. Um dem entgegenzuwirken, blickt Robert Harris bewusst und in Etappen auf die Vergangenheit der beiden Oberste zurück. Durch die Rückschauen werden Zusammenhänge deutlich. Genauso verhält es sich mit der Lebensgeschichte von Oberst Whalley, die er als Nachlass für seine Tochter niederschreibt. Dies ermöglicht eine weitere Sicht auf das Geschehen. Mit der fiktiven Figur des verbissenen Verfolgers Richard Nayler ist es Robert Harris zudem gelungen, die historischen Details spannend und interessant wiederzugeben.

Fazit

Der Roman beschreibt die unbarmherzige Jagd auf diejenigen, die das Todesurteil über Karl I. im Jahr 1649 unterschrieben haben. Zwischen Tatsächlichem und Fiktion hat Robert Harris das Geschehen spannend wie ein Krimi aufgearbeitet.

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