Tanz mit dem Tod

  • C. Bertelsmann
  • Erschienen: September 2022
Tanz mit dem Tod
Tanz mit dem Tod
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Marcel Zenk
70

Histo-Couch Rezension vonDez 2022

Ein Kommissar auf Messers Schneide

November 1932. SA-Männer erschießen den Redakteur des KPD-Blatts „Rote Fahne“. Kriminalassistent Karl Raben fasst den Anführer des Mördertrupps. Doch kurz nach der Machtübernahme durch Hitler im Jahr 1933 kommt der Mörder auf freien Fuß. Raben ist fest entschlossen, Gerechtigkeit herzustellen. Doch er muss aufpassen, denn die Nazis sind gnadenlos, behalten den Kriminalpolizisten genau im Auge. Um sich zu schützen, tritt er der Gestapo bei und unterliegt dem Kommando des SS-Standartenführers Reinhard Heydrich. Ist es Raben Wert, im Namen der Gerechtigkeit das Leben seiner Frau Lena, die jüdischer Herkunft ist, aufs Spiel zu setzen? Oder kommt Karl selber unter das Fallbeil in Plötzensee? Die Raben-Reihe beginnt. Aber ist der Auftakt gelungen?

Raben der Gerechtigkeitsfanatiker

Mit Karl Raben entwirft der Autor einen sympathischen Charakter. Ein Kämpfer für die Gerechtigkeit und ein wahrer Allrounder. Wortgewandt und Kampferprobt noch dazu. Karl bewegt sich ständig auf dünnem Eis. Seine Missionen bestreitet er meist als Einzelkämpfer und er muss zusehen, nicht auf den Radar der Nazis zu kommen, was seinen sicheren Tod bedeuten würde. Raben ist ständig dabei, Menschen zu lesen und ein Gespür für die Situation zu haben, denn hinter jeder Person könnte sich ein Nazi-Spitzel verbergen, der seine wahren Absichten entlarvt und ihn ans Messer liefern könnte. Raben auf seiner Mission zu begleiten, ist wie eine Achterbahnfahrt im Dunkeln. Nie weiß man, wann es bergab geht.

Der Zeitgeist der 30er

Besonders gut schafft es Christian von Ditfurth den Zeitgeist darzustellen. Es sind unruhige Zeiten. Die Nazis warten nur auf den richtigen Moment, um die Macht zu übernehmen. Die Bevölkerung ist sich unsicher, wie sie mit dieser Situation umgehen soll. Manche glauben, es werde schon alles gut gehen, andere erkennen die Gefahr und fliehen. Manche bleiben einfach stumm und stimmen der neuen Herrschaft zu, ohne sie aber aktiv zu unterstützen. Was in den Köpfen der „breiten Masse“ der Bevölkerung vor sich geht, veranschaulicht dieses Buch auf eine realistische Art und Weise.

Fehlende Spannung

Was dem Buch jedoch fehlt, ist ein mitreißender Schreibstil und eine spannende Darstellung des Plots. Die Kapitel sind Dialogreich, jedoch diese erzeugen keine atmosphärische Stimmung. Die Kapitel sind zwar sehr kurz, was positiv ist, jedoch wird man meist gleich zu Beginn der Kapitel in einen Dialog geworfen und man hat wenig Zeit, sich darin zurechtzufinden. Der Autor fokussiert sich im Plot sehr auf die Haupthandlung, weniger den Nebenplot. Es finden viele Strategiegespräche beider Seiten (Kommunisten und Nazis) statt. Man bekommt einen tiefgründigen Einblick in die Taktiken und Strategien der verschiedenen Seiten. Darunter leidet allerdings die Spannung deutlich.

Realitätsgetreu und politisch

Ein Alleinstellungsmerkmal des Krimis ist dessen reale Charaktere. Ditfurth lässt Protagonisten der echten Zeitgeschichte auftreten und verleiht ihnen eigene Persönlichkeiten. So nehmen bspw. Graf von Helldorf, Arthur Nebe, Ernst Gennat, Reinhard Heydrich, Hans Kippenberger, Ernst Thälmann und Rudolf Diels im Buch zentrale Rollen ein. Flankiert wird dies mit einer derart tiefgründigen Recherchearbeit des Autors, wie man einen Geschichtskrimi nicht realitätsgetreuer schreiben kann.

Fazit

Als Geschichtsfan sollte man dieses Buch unbedingt gelesen haben. Ein aufgeklappter Laptop nebendran ist auch sinnvoll, denn es regt zur Recherche an. Als Leser sollte man sich jedoch darauf gefasst machen, dass dieser Krimi aufgrund der zähen Darstellung des Plots und der vielen Dialoge über Strategien und Politik nicht einfach „runterzulesen“ ist.

Tanz mit dem Tod

, C. Bertelsmann

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