Der Henker von Hamburg

  • Emons
  • Erschienen: September 2022
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Carsten Jaehner
84

Histo-Couch Rezension vonJan 1970

Mordserie um eine Sängerin

Hamburg, 1899. Kommissar Hauke Sötje hat sich mit seiner Frau Sophie und seiner kleinen Tochter Henriette in Hamburg eingelebt, doch nun wartet Haukes schwerste Prüfung auf ihn: Er soll seine Frau auf einen Konzertabend begleiten, wozu er einen schicken Anzug tragen muss, was er im Dienst stets verweigert. Sophie hat sich seit Wochen auf diesen Abend gefreut, doch als alle Zuschauer in den Reihen sitzen, wird Hauke herausgeholt – ein Mord ist geschehen und seine Anwesenheit ist unumgänglich.

In der Pause wird Sophie von der ihr bekannten Gräfin von Bülow in ihre Loge geholt, und nach dem Konzert darf sie sogar die Künstlerin des Abends, die junge gefeierte Sopranistin Carlotta Francini, kennenlernen. Während die beiden sich miteinander anfreunden und gelegentlich Ausflüge unternehmen, kommt Hauke in seinem Fall eines Erhängten nicht weiter. Als sich noch ein zweiter und dritter Mord durch Hängen hinzugesellen, vermutet man einen Zusammenhang, doch will sich keiner finden. Erst nach und nach scheint es eine alles verbindende Person zu geben: die gefeierte Sängerin Francini. Ist dadurch auch die Frau des Kommissars unwissentlich in Gefahr?

Ein brutaler Serientäter

Mit „Der Henker von Hamburg schickt Anja Marschall ihren Kommissar Hauke Sötje bereits das fünfte Mal zur Aufklärung mehrerer Morde. Dabei rutscht Hauke Sötjes Frau Sophie ungewollt mit in die Ermittlungen, wenn auch von völlig anderer Seite. Sophie hat eigentlich alles, was eine junge Frau haben kann: Einen erfolgreichen Ehemann, den sie liebt, eine kleine süße Tochter, zwei Hausangestellte, eine Wohnung in Hamburg, und doch fehlt ihr irgendetwas. Ohne es sich einzugestehen, weiß sie auch, was es ist: eine Aufgabe,

Hauke hat es gerade eben so geschafft, einem Opernabend mit seiner Frau zu entgehen, da er noch im Theater aus seiner Sitzreihe geholt wird, und schon stürzt er sich in die Ermittlungen. Ein Pastor wurde aufgehängt aufgefunden, doch es hat sich in den Reihen der Hamburger Polizei noch nicht herumgesprochen, dass nun exakter ermittelt wird als früher. Hier steht man an der Schwelle zur modernen Ermittlung, das ist interessant und weckt Kopfschütteln beim Leser, wie man nur so sorglos mit Indizien umgehen konnte. Ein gelungener Einblick in alte Ermittlungsmethoden.

Sophies Leben zwischen Heim und Freundin

Sophie freundet sich mit der jungen Sopranistin Carlotta an und wird zu ihrer Freundin und Begleiterin. Dabei bekommt sie einen Einblick in das mysteriöse Leben der Sängerin, das mehr Fragen aufwirft als Antworten bietet. Als sich dann die Ereignisse überschlagen und weitere aufgehängte Tote gefunden werden, ist Sönke auf einmal auf die Hilfe seiner Frau angewiesen, denn alle Toten scheinen einen gemeinsamen Nenner zu haben: Carlotta.

Das Verwirrspiel dauert bis zur letzten Seite an und bietet für den Leser einige Wendungen und Überraschungen, vielleicht sogar eine oder zwei zu viel. Anja Marschall schafft es, den Leser das Hamburg der Jahrhundertwende nahezubringen, mit einem Blick in verschiedene Gesellschaftsschichten, die aktuelle Polizeiarbeit, einem Blick ins Theaterleben und dem berühmten Hamburger Schietwetter. Das ist eine gelungene Mischung, die einiges zu bieten hat, wenngleich sie etwas ruhiger daherkommt als vorherige Fälle von Hauke Sötje.

Spannendes Verwirrspiel

Exquisit sind jeweils die Zeitungsmeldungen, die den einzelnen Kapiteln vorangestellt sind und ahnen lassen, wie es weitergehen könnte. Die agierenden Personen, die den Roman bevölkern, sind gut charakterisiert, gerade von Haukes Kollegen, vor allem von seinem Assistenten Schröder, liest man gerne mehr.

Fazit

Alles in allem ist „Der Henker von Hamburg“ ein weiterer gelungener Schritt in Hauke Sötjes Karriereleiter. Das Verwirrspiel hält bis zum Ende an und bietet einige Überraschungen. Zeit und Ort sind gut getroffen. Ein hoffentlich nächster Fall darf allerdings gerne etwas stringenter daherkommen, der Verwirrungen sind dann vielleicht doch zu viel gestreut. Dennoch freut man sich auf eine Fortsetzung.

Der Henker von Hamburg

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