KaDeWe - Haus der Träume

  • Goldmann
  • Erschienen: Oktober 2022
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Alexandra Hopf
95

Histo-Couch Rezension vonOkt 2022

Wunderbare Geschichte um das wohl bekannteste Kaufhaus

1907 eröffnet Adolf Jandorf in Berlin ein ungemein glanzvolles und luxuriöses Kaufhaus - das Kadewe. An seiner Seite, als Freund und Konzernjustiziar, Paul Bergmann. Seine Tochter Judith soll später den jungen Harry Jandorf heiraten, so es nach dem Willen der Eltern geht. Doch zunächst hat Judith eigene Pläne. Sie möchte erst die soziale Frauenschule von Alice Salomon besuchen.

Käthe Krause stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Sie bestreitet mit ihrer Stellung als Vorsteherin der Putzkolonne im Kadewe den Familienunterhalt. Herr Jandorf, ist ihr sehr gewogen und so gelingt es  ihr, auch ihre Kinder in dem großen Kaufhaus in Anstellung zu bringen. Die ältere Tochter Rieke kann dort als Kassenmädchen anfangen. Diese verliebt sich dort in den jungen Verkäufer Hermann und die beiden wollen heiraten. Während es im Kadewe hervorragend läuft und jeder so seine eigenen Pläne vom Leben schmiedet, ändert sich auf einmal die ganze Lage. Deutschland zieht in den Krieg. Und auch wenn jeder meint, der Sieg ist eine schnelle Sache, verändert der Ausbruch des ersten Weltkriegs, das Leben aller Menschen.

Start einer tollen Dilogie

Marie Lacrosse ist bereits für ihre lebendige Schreibweise unter Kennern der Weingut- oder Kaffeehaustrilogie bekannt. Und auch mit ihrem neuen Buch, das das erste eines geplanten Zweiteilers ist, gelingt es ihr von der ersten Seite an, ihre Leser zu fesseln. Die Geschichte um das Berliner Kaufhauses startet mit einer Begebenheit um den siamesischen König Chulalongkorn, die sich so tatsächlich zugetragen hat. Hier startet die akribische Recherchearbeit der Autorin und sie wird sich durch das gesamte Buch ziehen. Wie man es von Frau Lacrosse gewohnt ist, sind alle Vorkommnisse und Begebenheiten genaustens an den tatsächlichen Umständen erarbeitet und in den Roman eingefügt. In dieser, überwiegend aus wahren Begebenheiten, bestehenden Geschichte wurden fiktive Personen und deren Erlebtes mit eingewoben und es ergibt ein harmonisches Ganzes, das sich flüssig "weglesen" lässt. Besonders erfreut den Leser am Ende ein langes Nachwort, in dem die Autorin genaustens schildert, was denn nun real war, oder ihrer Phantasie entsprungen ist. Ergänzt wird die beispiellos korrekte Recherche noch durch ein ausführliches Personenverzeichnis und einem kleinen Glossar.

Verschiedene Handlungsstränge fesseln den Leser

Marie Lacrosse lässt im Roman viele verschiedene Handlungsstränge nebeneinander her laufen. Die Kapitel sind mit Datum und Ortsangabe übertitelt und helfen bei der Orientierung. Die Vielfältigkeit ergibt sich aus der Tatsache, dass wir hier drei Familien näher kennenlernen. Und alle drei stehen im Bezug zum Kaufhaus, das eigentlich der Kernpunkt der Geschichte sein soll.

Da ist einmal der Besitzer Adolf Jandorf. Obwohl er mittlerweile sehr wohlhabend ist, vergisst er seine Herkunft nicht. Er ist sehr sympathisch und behandelt seine Angestellten sehr gut, was zur damaligen Zeit nicht selbstverständlich war. Er ist sehr wohltätig, was man an vielen Stellen des Romans sehen kann.

Die Familie Bergmann ist ebenfalls besser situiert. Dennoch sind alle Familienmitglieder bodenständig. Die Geschichte des Sohnes Johannes ist interessant und traurig zugleich. Sehr viel erfährt der Leser über seine Schwester Judith. Sie ist eine der weiblichen Hauptprotagonisten. Sie hat klare Ziele vor Augen und ihr Engagement für die armen Kinder während und nach dem Krieg ist beispiellos.

Genauso sympathisch ist die gleichaltrige Rieke Krause. Sie ist die zweite weibliche Hauptfigur. Anhand ihrer Geschichte vermittelt uns die Autorin, wie groß die Standesunterschiede während des Krieges und auch danach waren.

Die Beschreibung aller Protagonisten wirkt sehr authentisch und die Figuren agieren sehr lebendig. Ein besonderer Kniff der zur Authentizität beiträgt ist, dass alle Personen der ärmeren Gesellschaftsschicht Berliner Dialekt sprechen. Das bereitet am Anfang etwas Mühe, aber man kommt schnell damit zurecht.

Spannend und lebendig

Sowohl der flüssige Schreibstil als auch die spannende Thematik machen den Roman zu einem tollen Leseerlebnis. Man möchte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Und nach über 700 Seiten ist man eigentlich traurig, dass man Abschied nehmen muss. Doch auch während des Lesens gibt es  Situationen, die Trauer und Beklemmung auslösen. So etwa die Schilderungen der wenigen Kriegsszenen im Buch, oder auch der ein oder andere tragische Tod eines Protagonisten. Auch das Thema Hyperinflation nach dem Krieg und die zu dieser Zeit herrschende instabile Politik werden ausführlich und sehr gut verständlich geschildert. Marie Lacrosse macht auch den aufkommenden Nationalsozialismus und den damals schon beginnenden Judenhass zum Thema. Und neben all diesen wichtigen Geschehnissen der Zeit 1907 bis 1926 erzählt sie uns von den leckeren Köstlichkeiten und Innovationen, die es im Kadewe gab. Es gelingt ihr uneingeschränkt, dem Leser den damaligen, wunderbaren Glanz dieses Kaufhauses zu vermitteln und hinterlässt den Wunsch, schnellstmöglich mit der Lektüre des zweiten Teils beginnen zu können.

Fazit

Unbedingte Leseempfehlung für jeden, der gut recherchierte Romane zur Zeit um den ersten Weltkrieg schätzt.

KaDeWe - Haus der Träume

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