Minna. Kopf hoch, Schultern zurück

  • Heyne
  • Erschienen: Juni 2022
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Heike Jaschhof
95

Histo-Couch Rezension von Heike Jaschhof Mai 2022

Vom Durchkommen und Vorwärtskommen

Düsseldorf, 1924: Minna, eine junge, 19jährige Frau, wünscht sich ein Leben als glückliche Ehefrau und Mutter. Dieser Traum scheint sich durch die Heirat mit Fred zu erfüllen. Doch es kommt anders. Als eine begabte und kreative Schneiderin, avanciert sie bald zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau...

„Immer weitermachen“

Felicitas Fuchs erzählt in ihrem Roman über das Leben von Minna Wolf und ihrer Familie in den Jahren 1924 – 1951. Die Geschichte, die autobiographische Motive enthält, ist der Lebensgeschichte ihrer Urgroßmutter und Großmutter nachempfunden.

Unterhaltsam und interessant wird nicht nur die Familienhistorie nachgezeichnet, sondern gleichzeitig auch die gesellschaftlichen Verhältnisse und Veränderungen in Deutschland. Chronologisch aufgebaut umfasst der Roman drei historische Zeitabschnitte.

Der erste Abschnitt beginnt im Jahr 1924 in Düsseldorf. Minna, die 19jährige Protagonistin, will sich eine Existenz aufbauen. Voller Enthusiasmus schmiedet sie Pläne für ihre Zukunft, die nicht einfach zu verwirklichen sind.

Lebendig bekommt der Leser ein heute kaum mehr vorstellbares Bild über die Erwartungshaltung und von dem Ansehen einer Frau im Bürgertum während der 20er Jahre vermittelt. Sexuelle Moral, patriarchale Versorgungsehe und Vormundschaft - sowie auch das moderne, urbane Leben in Berlin werden geschickt in den Lebensweg von Minna eingewebt.

Sie schafft es, ungeachtet althergebrachter Konventionen, ein erfolgreiches und luxuriöse Leben zu führen. Doch dieses Glück wird jäh beendet durch den „Schwarzen Freitag“, den sich abzeichnenden Aufstieg der Nationalsozialisten, und schließlich den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Damit wird der nächste Abschnitt im Leben von Minna eingeleitet.

Der Roman bekommt nun eine andere Richtung. Bisher in einem lebensfrohen, vorwärtsschauenden Stil geschrieben, braucht der Leser für dieses Kapitel starke Nerven. Für Minna und ihre Familie beginnen Jahre des Schreckens und Grauens.

Detailliert und sachkundig beschreibt die Autorin die Kriegsjahre. Stellenweise sehr grausam zu lesen, zeigt sie die Folgen der völkisch-rassistischen Ideologien der NSDAP auf die humanitäre und emotionale Lage der Menschen auf. Mit großem Einfühlungsvermögen versteht sie es, sich in das Leid, Unglück und Armut der Bevölkerung hineinzuversetzen. Minna überwindet auch diese schwere Zeit. Entsprechend ihrem praktischen und tatkräftigen Wesen, stellt sie sich offen, ohne zu verzagen, den neuen Anforderungen, die die Nachkriegszeit mit sich bringt.

Das ohnehin schon mitreißende Buch wird noch durch einen geheimnisvollen Prolog und Epilog zu einem spannungsreichen Leseerlebnis abgerundet.

„Minna, Kopf hoch, Schultern zurück“ ist der erste Band einer Mütter – Trilogie.

Felicitas Fuchs, eigentlich Carla Berling, begab sich für diese Trilogie auf Ahnenforschung innerhalb ihrer Familie. Die frühere Reporterin und Pressefotografin fand durch die Corona-Pandemie die Zeit und den Mut, sich der Familiengeschichte zu widmen, um eine Brücke zwischen sich und ihrer Vorfahrinnen zu schlagen.

Fazit

Felicitas Fuchs ist ein Familienportrait gelungen, das den Ernst der deutschen Geschichte geschickt mit einer virtuos angelegten Handlungsstruktur verbindet. In einer gut verständlichen Sprache versteht sie es, den Zeitgeist nachhaltig einzufangen.

Minna. Kopf hoch, Schultern zurück

Felicitas Fuchs, Heyne

Minna. Kopf hoch, Schultern zurück

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