Die Vertraute

  • Piper
  • Erschienen: Januar 2022
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Karin Speck
90

Histo-Couch Rezension vonApr 2022

Schicksalhafte Begegnungen

Fleetwood Shuttleworth ist eine junge Frau von 17 Jahren, die alles versucht, um die an sie gestellten Erwartungen zu erfüllen. Drei Kinder hat sie bereits geboren, doch der ersehnte männliche Erbe war nicht darunter. Auch eine weitere Schwangerschaft würde sie in Kauf nehmen, hätte sie nicht die Prophezeiung ihres Leibarztes gefunden. Dieser bescheinigt ihr, eine weitere Schwangerschaft würde ihren Tod bedeuten. Fleetwood ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Pflichtgefühl ihrem Ehemann gegenüber und der Angst nicht mehr lange am Leben zu bleiben. Unerwartet tritt die Hebamme Alice Gray in ihr Leben. Die ebenfalls noch recht junge Frau verspricht ihr Hilfe und Unterstützung. Aber dann gerät Alice selbst in Gefahr und muss um ihr eigenes Leben bangen. Gemeinsam versuchen die Frauen ihre Schicksale zu meistern und sich gegenseitig Halt zu geben. Leben oder Sterben, helfen oder gehen?

Verzweifelte Protagonistinnen

Frauen im 17. Jahrhundert hatten Kinder zur Welt zu bringen und sich dem zu fügen, was ihre Ehemänner oder Väter ihnen sagten, auch für Fleetwood Shuttleworth galt dies. Stacey Halls beginnt ihre Geschichte mit einer verzweifelten Protagonistin. Die Ängste und Sorgen der jungen Frau werden sehr gut nachvollziehbar, da die Geschichte aus Sicht von Fleetwood erzählt wird.

Als Leser wird man dabei tief mit in die Geschichte hineingenommen und kann sich den Geschehnissen kaum entziehen. Zumal schnell klar wird, dass Fleetwood nur wenig Möglichkeiten hat, Auswege aus den gesellschaftlichen Zwängen zu finden. Als die junge Hebamme in Gefahr gerät, versucht sie natürlich ihr zu helfen, aber die Grenzen, an die sie stößt, sind schnell erreicht. Das Drama wird dadurch noch deutlicher, da es der jungen Adligen eben nicht möglich ist, zu helfen. Die Autorin hat es gut verstanden, die widerstreitenden Gefühle nachvollziehbar zu machen – und damit Fleetoods Versuch, gegen den Ehemann anzukommen und mit der Intrige, die um Alice Gray gesponnen wurde, zu umgehen. Gleichzeitig zeigt die Autorin deutlich, wie die Welt für Frauen in dieser Epoche gewesen ist. Die Intrige rund um Alice macht klar, wer das Leben der Menschen – insbesondere das der Frauen - bestimmt. Junge Frauen wie Alice oder auch Fleetwood hatten da nicht mitzureden.

Zwei Frauen im Kampf ums überleben

Die Beziehung der beiden Frauen zueinander ist nicht immer einfach und von Freundschaft zu reden wäre vielleicht falsch ausgedrückt, aber doch verbindet die beiden einiges miteinander. Die Frage nach Vertrauen zueinander und zu anderen stellt sich immer wieder. Die Schicksale beider junger Frauen scheinen miteinander fest verbunden zu sein. Geschickt hat es die Autorin verstanden, immer wieder Wendungen einzuflechten, die nicht unbedingt vorhersehbar sind. Die Gefühlswelten der Protagonistinnen werden lebendig und authentisch geschildert und gleichzeitig sorgen sie auch für Nachdenklichkeit. Wie weit kann Vertrauen gehen? Wo liegen die Grenzen? Stacey Halls hat es geschickt verstanden, diese Fragen mit einfließen zu lassen und dabei eine emotionale und spannende Geschichte zu erzählen.

Fazit

„Die Vertraute“ schildert das Leben zweier sehr unterschiedlicher Frauen, die über Standesunterschiede hinweg eine Verbindung zueinander gefunden haben. Stacey Halls ist es gelungen, eine fesselnde und berührende Geschichte zu erzählen, die nicht so schnell loslässt. Ihr Erzählstil ist facettenreich und authentisch.

Die Vertraute

, Piper

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