Die Frauen vom Jungfernstieg - Gerdas Entscheidung

  • Aufbau
  • Erschienen: Januar 2022
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Alexandra Hopf
83

Histo-Couch Rezension vonMär 2022

Start der "Jungfernstieg" Trilogie

1889 hielt der junge Apotheker Oskar Troplowitz um die Hand der jungen Gerda an. Danach reist er nach Hamburg um dort als Teilhaber des bekannten Paul Carl Beiersdorf in dessen chemisch pharmazeutischen Labor mitzuarbeiten. Oskar sprüht nur so vor Ideen, was er alles ausprobieren, herstellen und modernisieren will. Doch damit macht er sich in Hamburg nicht nur Freunde. Die anderen Geschäftsleute sind nicht begeistert, dass er auch Neuerungen zugunsten der Arbeiter einführt. Misstrauisch wird der Jude, der aus Schlesien kommt, von den hanseatischen Kaufleuten beäugt und auch geschnitten. Um sein Ansehen zu bessern und um einen Draht zu den anderen Geschäftsleuten aufzubauen, entschließt sich seine Frau Gerda zukünftig Kunstsalons abzuhalten. Dabei wird sie von der rebellischen jungen Künstlerin Irma unterstützt. Wird es dem jungen Ehepaar Troplowitz gelingen, die Kritiker umzustimmen? Und wird es Oskar gelingen, all seine innovativen Vorhaben im Unternehmen Beiersdorf umzusetzen?

Einblicke in eine interessante Firmengeschichte

Die Autorin erzählt im ersten Band ihrer Trilogie über eine bekannte Firma und ihren Werdegang. Dabei hat sie ihre fiktiven Personen und Geschehnisse geschickt in die Historie einfließen lassen. Beiersdorf wurde 1890 tatsächlich von Oskar Troplowitz gekauft. Nachdem der Anfang des Buches eher schleppend anläuft, wird die Geschichte ab der Mitte des Buches doch noch recht unterhaltsam.

So kann man als Leser/in miterleben, wie der männliche Hauptprotagonist beispielsweise an der Entwicklung des späteren Leukoplasten tüftelt. Auch seine Einstellung als Arbeitgeber sind mehr als modern für die damalige Zeit. Er führt Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein sowie eine kürzere Wochenarbeitszeit - und macht sich mit diesen Neuerungen natürlich bei den anderen Kaufleuten der Stadt sehr unbeliebt.

Neben der Firmengeschichte, die man auch mit den wichtigsten Eckdaten versehen am Buchende findet, hat Lena Johannson aber auch andere historische Ereignisse mit in den Roman aufgenommen. Sehr eindrucksvoll schildert sie zum Beispiel die große Cholera Epidemie 1892, die sich vor allem im sogenannten Gängeviertel (quasi die Slums Hamburgs) rasend schnell ausgebreitet hat. Wenn man die angewandten Präventionsmaßnahmen liest, sieht man erschreckende Parallelen zu unserer momentanen Corona Situation.

Drei weibliche Charaktere sind die Frauen vom Jungfernstieg

Wie der Titel ankündigt, geht es neben Oskar um drei weibliche Hauptcharaktere, die aber unterschiedlicher nicht sein könnten.

Seine Frau Gerda stammt aus besserem Haus und ist von ihrem Auftreten und Erscheinen ganz die feine Dame. Das krasse Gegenteil dazu ist die Künstlerin Irma. Sie stammt ebenfalls aus einer besseren Familie. Trotzdem begehrt sie gegen das bestehende Frauenbild auf. Sie stößt andere mit ihrer rebellischen Art gerne vor den Kopf. Unterstützt wird ihr Verhalten noch von übermäßigem und auffälligem Alkoholgenuss. Trotz ihrer Gegensätzlichkeit entwickelt sich zwischen den Frauen eine Freundschaft. Sie verbindet vor allem ihr gemeinsames Kunstinteresse.

Die dritte weibliche Person ist Antonia Peters. Sie stammt aus der Arbeiterklasse. Ihr Schicksal führt dem Leser vor Augen, wie schwer das Leben in den unteren Gesellschaftsschichten damals war. Durch ihren Dialekt, der mit bestimmten Ausdrücken wie "Tüünkram" oder "töffelig" immer wieder durchklingt, ist sie absolut authentisch als typische Hamburger Deern. Wer sich bei der Bedeutung der Wörter unsicher ist, kann im kurzen Wortschatz-Glossar am Ende nachschlagen. Dort findet man auch eine Personenübersicht, in der explizit markiert ist, bei wem es sich um eine historische oder fiktive Figur handelt.

Bildhafter angenehmer Schreibstil

Das Buch liest sich flüssig. Dabei fällt besonders angenehm auf, wie detailgetreu und bildhaft die Autorin beschreibt. Ohne Probleme sieht man beim Lesen das Gängeviertel vor Augen. Auch wie das Ehepaar Troplowitz für eine Photographie am Richtfest des Fabrikbaus in Eimsbüttel posiert, ist ausführlich beschrieben. Unschwer findet man im Netz eben beschriebene Szenerie als Originalphotographie.

Wer etwas mit dem Namen Beiersdorf vertraut ist, weiß, welch heute noch weltweit bekannte Produkte aus diesem Hause stammen. Die Entwicklung dieser einen, besonderen Creme kündigt sich schon am Ende des Romans an und so kann man erahnen, um welche Entdeckung es im Weiteren der Trilogie gehen wird.

Fazit

Angenehme Familiensaga verbunden mit realer Firmengeschichte, die sehr gut recherchiert ist

Die Frauen vom Jungfernstieg - Gerdas Entscheidung

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